Auf dem Prüf­stand

Donauwoerther Zeitung - - Medien - DA­NI­EL WIRSCHING

Jour­na­lis­mus Bei ei­nem Krieg gibt es kei­ne Ge­win­ner, heißt es. Das ers­te Op­fer des Krie­ges ist die Wahr­heit, heißt es. In dem Krieg, den der neue US-Prä­si­dent Do­nald Trump „den“Me­di­en er­klärt hat, steht den­noch ein (vor­läu­fi­ger) Ge­win­ner be­reits fest: der Jour­na­lis­mus.

Zu­min­dest das, was so­ge­nann­te se­riö­se Me­di­en dar­un­ter ver­ste­hen. Denn der Jour­na­lis­mus be­sinnt sich zur­zeit nicht nur auf sei­ne ur­ei­gens­te Auf­ga­be, die Re­cher­che, er in­ten­si­viert sie. „Fact-che­cking“, der „Fak­ten­check“, ist in den USA das Wort der St­un­de. Die New York Ti­mes et­wa setzt den Ver­leum­dun­gen, Halb­wahr­hei­ten und of­fen­sicht­li­chen Lü­gen Trumps und sei­ner Be­ra­ter re­gel­mä­ßig „Fact Checks“ent­ge­gen.

Fak­ten ge­gen „Fa­ke News“, Fak­ten ge­gen Po­pu­lis­ten – dar­auf set­zen auch eu­ro­päi­sche Me­di­en. Es ist das The­ma ei­ner Kam­pa­gne der baye­ri­schen Zei­tungs­ver­le­ger (sie­he auch den Ar­ti­kel ne­ben­an). Es ist An­lie­gen von Me­di­en­po­li­ti­kern, die den deut­schen Aus­lands­sen­der Deut­sche Wel­le fi­nan­zi­ell deut­lich bes­ser aus­stat­ten wol­len, als Re­ak­ti­on auf Fa­ke News und Ein­fluss­ver­su­che aus dem Aus­land. Es ist Ge­gen­stand ei­ner neu­en Kolumne in der Zeit eben­so wie fast täg­li­cher Ge­gen­stand der Be­richt­er­stat­tung deut­scher Zei­tun­gen und de­ren mo­bi­ler An­ge­bo­te. Auch der öf­fent­lich-recht­li­che Baye­ri­sche Rund­funk baut gera­de mit „BR-Ve­ri­fi­ka­ti­on“ein An­ti-Fake­News-Team auf; das ZDF bil­det an­ge­sichts des Bun­des­tags­wahl­kamp­fes mit „#ZDFcheck17“ei­ne cross­me­dia­le Re­cher­che-Ein­heit. In Frank­reich schlos­sen sich Me­di­en, dar­un­ter die Nach­rich­ten­agen­tur AFP so­wie die Zei­tun­gen Li­bé­ra­ti­on und Le Mon­de, und In­ter­net­fir­men zum Pro­jekt „Cross­Check“zu­sam­men. Sie wol­len ge­gen Falsch­in­for­ma­tio­nen im fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf an­kämp­fen. US-Jour­na­lis­mus-Pro­fes­sor Bill Adair zeig­te sich noch An­fang No­vem­ber be­sorgt, Fact-che­cking – das sich in den USA als wich­ti­ger Be­stand­teil der Wahl­kampf-Be­richt­er­stat­tung eta­bliert ha­be – ha­be mög­li­cher­wei­se sei­nen Hö­he­punkt er­reicht. Adair grün­de­te die mit dem Pu­lit­zer-Preis aus­ge­zeich­ne­te In­ter­net­sei­te „Po­li­ti­Fact“. Er und sein Team ha­ben mehr zu tun denn je.

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