Wenn die Bau­spar­kas­se den Ver­trag kün­digt

Im­mer öf­ter be­kom­men Bau­spa­rer un­er­freu­li­che Brie­fe. Die sind nun auch ein Fall für den Rich­ter

Donauwoerther Zeitung - - Geld & Leben - Wenn Sie wei­te­re Fra­gen an un­se­re Ex­per­ten ha­ben: rat@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Die Bau­spar­kas­sen wa­ren im­mer die Kre­dit­in­sti­tu­te des sprich­wört­li­chen klei­nen Man­nes, der sich ein Haus kau­fen oder ei­ne Re­no­vie­rung fi­nan­zie­ren will. Für manch ein Kind wur­de be­reits kurz nach der Ge­burt ein Bau­spar­ver­trag ab­ge­schlos­sen, da­mit es sich als Er­wach­se­ner ein Haus kau­fen kann. Nach wie vor ver­fü­gen die Bau­spar­kas­sen über ei­nen gro­ßen Ver­trau­ens­vor­schuss in der brei­ten Be­völ­ke­rung. Die Fra­ge ist nur: wie lan­ge noch? Denn mitt­ler­wei­le er­hal­ten vie­le Bau­spa­rer ei­ne Kün­di­gung; im­mer öf­ter blei­ben die an­ge­kün­dig­ten Bo­nus­zah­lun­gen aus.

Land­auf, land­ab kün­di­gen Bau­spar­kas­sen zu­tei­lungs­rei­fe aber noch nicht voll­be­spar­te Bau­spar­ver­trä­ge. Ei­ne Kün­di­gung durch die Bau­spar­kas­sen ist in den All­ge­mei­nen Bau­spar­be­din­gun­gen, kurz ABB, al­ler­dings gar nicht vor­ge­se­hen. Die Bau­spar­kas­sen be­ru­fen sich des­halb auf die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten nach Pa­ra­graf 488 BGB und Pa­ra­graf 489 Ab­satz 1 Num­mer 2 BGB. Ob dies recht­mä­ßig ist, will der Bun­des­ge­richts­hof am mor­gi­gen Di­ens­tag ent­schei­den.

kann der ein­zel­ne Be­trof­fe­ne tun, wenn die Kün­di­gung kommt? Wir ra­ten, der Kün­di­gung so­fort und nach­weis­lich zu wi­der­spre­chen und zu über­prü­fen, ob die Kün­di­gung wirk­lich recht­mä­ßig ist. Die Re­gel­spar­be­trä­ge soll­ten wei­ter­be­zahlt wer­den. Denn nur so ver­hal­ten die Bau­spa­rer sich re­gel­kon­form und ge­ben der Bau­spar­kas­se kei­nen An­lass doch noch recht­mä­ßig zu kün­di­gen.

Dar­über hin­aus leh­nen ei­ni­ge Bau­spar­kas­sen die Aus­zah­lung des Bo­nus­zin­ses ab. Vie­le Bau­spa­rer ha­ben in ih­rem Bau­spar­ver­trag je­Was doch ver­ein­bart, dass un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen sol­che Zin­sen an sie aus­ge­zahlt wer­den. Häu­fig ist dies der Fall, wenn die Bau­spa­rer auf das Dar­le­hen ver­zich­ten, ob­wohl es zu­tei­lungs­reif wä­re. Ei­ne wei­te­re Vor­aus­set­zung ist bei vie­len Bau­spar­kas­sen, dass der Bau­spar­ver­trag be­reits ei­ne be­stimm­te Zeit läuft.

Die Bau­spar­kas­sen ar­gu­men­tie­ren nun, dass bei ei­ner Voll­be­spa­rung be­zie­hungs­wei­se Über­spa­rung der An­spruch auf ein Dar­le­hen er­lö­sche und der Bau­spa­rer des­halb gar nicht mehr auf das Dar­le­hen ver­zich­ten kön­ne. Tat­säch­lich ver­zich­ten die Bau­spa­rer je­doch. Ob ei­ne aus­drück­lich schrift­li­che Ver­zichts­er­klä­rung er­for­der­lich ist, ist um­strit­ten. Da­ge­gen spricht, dass die Bau­spar­kas­sen nicht dar­auf hin­wei­sen, dass das er­for­der­lich ist und auch kein For­mu­lar zur Ver­fü­gung stel­len.

Sinn und Zweck der Bo­nus­zin­sen ist, den Bau­spa­rer da­für zu be­loh­nen, dass er das Bau­spar­dar­le­hen gar nicht in An­spruch nimmt. Ver­deut­licht wird das häu­fig durch die Be­nen­nung der Bo­nus­zin­sen mit Be­grif­fen wie Treue­bo­nus oder Treue­prä­mie.

Soll­te ins­be­son­de­re noch gar kei­ne Voll­be­spa­rung vor­lie­gen, ha­ben die Bau­spar­kas­sen bis­lang kei­ne trif­ti­gen Grün­de da­für be­nannt, war­um Bo­nus­zin­sen nicht aus­be­zahlt wer­den soll­ten. Zu­mal die Bo­nus­zin­sen auf vie­len Abrech­nun­gen zwar nicht zum Sal­do hin­zu­ad­diert, aber her­vor­ge­ho­ben er­wähnt wer­den, so­dass der Bau­spa­rer je­der­zeit weiß, wel­cher Be­trag an Bo­nus­zin­sen zum ak­tu­el­len Gut­ha­ben noch hin­zu­kommt. Zu­sätz­lich ver­steu­ern die Bau­spa­rer die Bo­nus­zin­sen be­reits. Aus un­se­rer Sicht be­steht da­her ein An­spruch auf Aus­zah­lung der Bo­nus­zin­sen.

Soll­ten die Bo­nus­zin­sen nicht be­zahlt wer­den, soll­te eben­falls ge­prüft wer­den, ob die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­zah­lung nicht doch vor­lie­gen.

Fo­to: Fo­to­lia

Im­mer mehr Bau­spar­kas­sen ver­schi­cken Kün­di­gun­gen an ih­re Kun­den. Ei­ne sol­che Kün­di­gung ist al­ler­dings gar nicht vor­ge­se­hen.

Da­nie­la Berg­dolt ist Fach an­wäl­tin für Ka­pi­tal­markt recht und Vi­ze­prä­si­den­tin der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni gung für Wert­pa­pier­be­sitz.

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