SPD will Ma­na­ger Ge­häl­ter ein­däm­men

Ge­setz­ent­wurf Wie Kon­zer­ne da­zu be­wegt wer­den sol­len, Mil­lio­nen-Ex­zes­se zu ver­hin­dern

Donauwoerther Zeitung - - Erste Seite - VON OR­LA FINEGAN

Augs­burg Aus­lö­ser war der gol­de­ne Hand­schlag zwi­schen Chris­ti­ne Hoh­mann-Denn­hardt und den Mit­glie­dern des VW-Auf­sichts­rats. Der Kon­zern ver­ab­schie­de­te die Ju­ris­tin im Ja­nu­ar „im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men“aus den ei­ge­nen Rei­hen, zu­sam­men mit ei­ner Ab­fin­dung von wohl mehr als zwölf Mil­lio­nen Eu­ro.

Für die SPD ist das ei­ne Steil­vor­la­ge, um rund ein hal­bes Jahr vor der Bun­des­tags­wahl al­te so­zia­le Fra­gen auf­zu­wer­fen: Wie sehr darf ein Kon­zern ei­nem Top­ma­na­ger die Ab­fin­dung ver­gol­den? Wie hoch soll ei­ne Bo­nus­zah­lung sein? Und wie un­ge­recht ist es, wenn ein Vor­stands­mit­glied das 50- bis 100-Fa­che des­sen ver­dient, was Kol­le­gen am Fließ­band be­kom­men?

Geht es nach der SPD, sol­len Ge­halt-Ex­zes­se in man­chen Vor­stän­den ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft er­schwert wer­den. Hier ha­ben die So­zi­al­de­mo­kra­ten jetzt ei­nen Ge­setz­ent­wurf im Bun­des­tag vor­ge­legt. Da­nach wä­ren Ge­häl­ter, die jen­seits von 500000 Eu­ro im Jahr lie­gen, von sol­chen Kon­zer­nen steu­er­lich nicht mehr ab­setz­bar. Auch für ho­he Ren­ten an Spit­zen­ma­na­ger soll es neue Re­ge­lun­gen ge­ben. Zu­sätz­lich wür­den die Ak­tio­nä­re in der Haupt­ver­samm­lung be­schlie­ßen, in wel­chem Ver­hält­nis die Ge­häl­ter der Vor­stands­mit­glie­der zum durch­schnitt­lich im Be­trieb ge­zahl­ten Lohn ste­hen dür­fen.

Bis­her sind Per­so­nal­kos­ten – al­so Ab­fin­dun­gen, Bo­nus­zah­lun­gen, mo­nat­li­che Ge­häl­ter, Ren­ten oder Hin­ter­blie­be­nen­be­zü­ge – von Un­ter­neh­men als Be­triebs­kos­ten steu­er­lich ab­setz­bar. Ge­ra­de die Deut­sche Bank und VW wer­den kri­ti­siert, weil Vor­stands­mit­glie­der einst mehr als zehn Mil­lio­nen Eu­ro kas­siert ha­ben. Wer­den die Sum­men steu­er­lich be­güns­tigt, fi­nan­zie­re die All­ge­mein­heit sie mit, heißt es im SPD-Ge­setz­ent­wurf. Und wei­ter: „Die Ei­gen­tü­mer sol­len über­höh­te Ma­na­ger­ge­häl­ter künf­tig in stär­ke­rem Ma­ße aus den Gewinn fi­nan­zie­ren.“Kön­nen Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten die Löh­ne nicht mehr in vol­ler Hö­he ab­set­zen, fal­len die Ma­na­ger­be­zü­ge ge­rin­ger aus – so je­den­falls die Theo­rie der So­zi­al­de­mo­kra­ten.

Kri­ti­ker des Kon­zepts füh­ren das Bei­spiel „Ös­ter­reich“an. Dort gilt seit 2014 ei­ne Re­ge­lung, wie sie die SPD an­strebt. Es ge­be aber kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass Ma­na­ger­ge­häl­ter dort durch ei­ne Ober­gren­ze sin­ken, sag­te Un­ter­neh­mens­be­ra­ter Alex­an­der von Pre­en un­se­rer Zei­tung. Er ist Ge­schäfts­füh­rer von Ki­en­baum Con­sul­tants In­ter­na­tio­nal.

Da­ni­el Bau­er, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Schutz­ge­mein­schaft der Ka­pi­tal­an­le­ger, glaubt, dass das Ver­fas­sungs­ge­richt das letz­te Wort in der De­bat­te hat. Er be­für­wor­tet, dass künf­tig auf Haupt­ver­samm­lun­gen das kon­kre­te Ge­halt fest­ge­legt wer­den soll. Aber ei­ne Ober­gren­ze für Ma­na­ger­ge­häl­ter ist für ihn dis­kri­mi­nie­rend. Denn das Ge­halt ei­nes Fuß­ball-Pro­fis wä­re wei­ter ab­setz­bar.

Der Zeit­punkt der Dis­kus­si­on ist kein Zu­fall. „Zeit für mehr Ge­rech­tig­keit“lau­tet der Wahl­kampf-Slo­gan der So­zi­al­de­mo­kra­ten. Und CDU und CSU schei­nen nach­zu­zie­hen, wenn es auch in­ner­halb der Uni­on trotz hef­ti­ger Kri­tik an Mil­lio­nen­Ge­häl­tern kei­ne kla­re Li­nie gibt.

Im Leitartikel auf Sei­te 2 ord­net Ste­fan Stahl den Vor­stoß der So­zi­al­de­mo­kra­ten ein.

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