Im Pro­spekt sah doch al­les so schön aus

Ver­patz­ter Ur­laub Wann gibt es Geld zu­rück? Rei­sen­de müs­sen schnell re­agie­ren und gut in­for­miert sein

Donauwoerther Zeitung - - Reise-journal - VON SA­RAH THUST

Beim Ur­laub soll­te al­les stim­men – schließ­lich ha­ben Rei­sen­de sich oft das gan­ze Jahr dar­auf ge­freut. Wenn der Rei­se­ver­an­stal­ter nicht hält, was er ver­spro­chen hat, ist das är­ger­lich. Ob Ka­ker­la­ken im Ho­tel­zim­mer, Fisch­ver­gif­tung am All-in­clu­si­ve­Buf­fet oder ein ver­müll­ter Strand – Ur­lau­ber kön­nen sich meist Geld zu­rück­ho­len.

Fall Num­mer eins: Flug­zeit geän dert Zwei Wo­chen vor der Abrei­se kommt die Mit­tei­lung: Der ge­buch­te Flug in den Ur­laub wird von 9 Uhr mor­gens auf 24 Uhr nachts ver­scho­ben. Der Rei­sen­de ver­liert da­durch ei­nen Ur­laubs­tag. Kün­digt die Air­line Flug­zei­tän­de­run­gen min­des­tens zwei Wo­chen vor­her an, müs­sen Ver­brau­cher das in der Re­gel hin­neh­men. Wer­den da­durch aber An­rei­se­tag und die Fol­ge­nacht be­ein­träch­tigt, kön­nen sie sich den Ta­ges­ge­samt­preis vom Rei­se­ver­an- stal­ter zu­rück­ho­len. Das re­gelt der Pau­schal­rei­se­ver­trag. An­ders ist es, wenn die Flug­ge­sell­schaft die Än­de­rung erst kurz vor Ab­flug oder gar nicht vor­her an­kün­digt. In die­sem Fall greift zu­sätz­lich die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung der EU. Ver­brau­cher kön­nen sich dann ihr Geld von der Air­line zu­rück­ho­len, wenn die­se ver­ant­wort­lich ist für die Ver­spä­tung. Ver­spä­tet sich der Flug am An­kunfts­ort um min­des­tens drei St­un­den, steht al­len Pas­sa­gie­ren ei­ne Ent­schä­di­gung zu.

Fall Num­mer zwei: Än­de­rung der Rei­se­rou­te Der Rei­se­ver­an­stal­ter hat mit ei­nem gro­ßen Fo­to von ei­ner Traum­in­sel in der Ka­ri­bik für sei­ne Kreuz­fahrt ge­wor­ben. Doch der Zwi­schen­stopp im Pa­ra­dies bleibt aus, längst ist das Schiff an der In­sel vor­bei­ge­fah­ren. Auf Nach­fra­ge sagt der Ver­an­stal­ter: Auf­grund po­li­ti­scher Um­stän­de konn­ten wir die In­sel nicht an­fah­ren. In die­sem Fall hat der Ur­lau­ber An­spruch auf ei­ne teil­wei­se Rück­er­stat­tung des Rei­se­prei­ses. „Wenn man mit ei­nem Ort be­son­ders wirbt und der nicht an­ge­fah­ren wird, dann liegt ein schwe­rer Rei­se­man­gel vor. Da gibt es mal 25 Pro­zent, mal so­gar 40 Pro­zent zu­rück“, sagt Rei­se­recht­ler Ernst Füh­rich aus Kemp­ten.

Fall Num­mer drei: Är­ger im Ho­tel Das Bad ist schmut­zig, das ver­spro­che­ne Buf­fet gibt es nicht und Ka­ker­la­ken woh­nen eben­falls mit im

Tipps Wel­chen Rei­se­ver­an­stal­tern kann ich ver­trau­en? Pro­fes­sio­nel­le Rei­se­ver­an­stal­ter ma­chen sich vor Ort selbst ein Bild, be­vor sie Ho­tels in ihr Pro­gramm auf­neh­men. Woran Ver brau­cher Pro­fis er­ken­nen, hat Rei­se recht­ler Ernst Füh­rich zu­sam­men­ge fasst. Rei­sen­de soll­ten die An­zah lung erst be­zah­len, wenn ih­nen ein Si Zim­mer: Wer Män­gel im Ho­tel ent­deckt, soll­te die­se so­fort dem Rei­se­lei­ter mel­den. „Die­ser wird sich be­mü­hen, den Rei­se­man­gel noch vor Ort zu be­he­ben“, sagt El­len Ma­de­ker, Spre­che­rin vom Deut­schen Rei­se­ver­band. Kann er das al­ler­dings nicht, ha­ben Ur­lau­ber nach dem En­de der Rei­se vier Wo­chen Zeit, den Man­gel schrift­lich beim Ver­an­stal­ter gel­tend zu ma­chen und ei­ne Preis­min­de­rung zu ver­lan­gen. che­rungs­schein über­ge­ben wur­de. Da­mit sind sie im Fall ei­ner In­sol­venz ab­ge­si­chert. Der An­bie­ter soll­te sei­nen Sitz in Deutsch­land ha­ben. Er muss auch den deut­schen Stan­dard im Rei­se recht an­bie­ten. Die An­zah­lung soll te in der Re­gel nicht mehr als 25 Pro zent des Rei­se­prei­ses be­tra­gen. In je­dem Fall ist der Rei­se­lei­ter da­zu ver­pflich­tet, den ge­mel­de­ten Rei­se­man­gel zu pro­to­kol­lie­ren. Rat­sam ist es, Fotos im Bei­sein von Zeu­gen als Be­weis zu ma­chen. Als Zeu­ge ist am bes­ten ei­ne frem­de Per­son ge­eig­net.

In je­dem Fall gilt Wer un­zu­frie­den ist, muss das so­fort dem Rei­se­lei­ter mel­den und ihm die Mög­lich­keit ge­ben, dar­auf zu re­agie­ren. Sonst hat der Ver­brau­cher kei­nen An­spruch auf ei­ne Rück­er­stat­tung. Wer den Man­gel nach dem Ur­laub beim Ver­an­stal­ter gel­tend ma­chen möch­te, soll­te al­le Un­ter­la­gen per Ein­schrei­ben ein­rei­chen. Rei­sen­de soll­ten ei­ne Aus­gleichs­zah­lung ver­lan­gen und ei­ne Zah­lungs­frist set­zen. Sind die An­sprü­che be­grün­det, ma­chen die Rei­se­ver­an­stal­ter oder Flug­li­ni­en oft ein Ku­lanz­an­ge­bot, ein Rei­se­gut­schein et­wa, sagt Ernst Füh­rich. Der Ge­setz­ge­ber sieht al­ler­dings fi­nan­zi­el­le Aus­gleichs­zah­lun­gen vor. Frü­her wur­den hier Staub­sau­ger pro­du­ziert. Jetzt ist die 200 Qua­drat­me­ter gro­ße Fa­b­rik­hal­le ei­ne Art Cam­ping­platz – na ja, wenn man ei­ne An­samm­lung von Wohn­wa­gen in ei­ner Hal­le über­haupt so nen­nen kann. Sil­ke Lo­ren­zen und Sa­rah Voll­mer ha­ben sich mit dem Hüt­ten­pa­last im Ber­li­ner Stadt­teil Neu­kölln ei­nen Traum er­füllt: Sie neh­men die deut­sche Schre­ber­gar­ten­men­ta­li­tät aufs Korn und ver­die­nen da­bei auch noch Geld.

Wer möch­te, kann sich im Hüt­ten­pa­last in ei­ner öko­lo­gi­schen Holz­hüt­te ein­mie­ten, ge­dämmt mit Hanf und auch sonst nur mit na­tür­li­chen Ma­te­ria­li­en ge­stal­tet. Der Al­te Pa­last da­ge­gen wur­de aus der Holz­ver­tä­fe­lung des ehe­ma­li­gen Emp­fangs­zim­mers ge­baut, in dem die Staub­saug­er­fa­bri­kan­ten Gäs­te will­kom­men hie­ßen. Wer mit sei­ner Liebs­ten an­reist, dem sei der „Her­zens­bre­cher“emp­foh­len, ein Wohn­wa­gen aus Alu­mi­ni­um, der 1959 in Dres­den ge­baut wor­den war und voll­kom­men ma­ro­de im Hüt­ten­pa­last an­kam. Über­haupt ha­ben die Be­trei­ber die­ses au­ßer­ge­wöhn­li­chen Ho­tels vie­le Ge­fähr­te vor dem Schrott­platz be­wahrt – auch „Puck“. Er be­stand nur noch aus ei­nem ver­ros­te­ten Alu­ge­stell und ein biss­chen Alu-Au­ßen­haut. Heu­te ist er ein char­man­tes Re­troZim­mer mit brei­tem Bett und Aus­blick auf all die an­de­ren Wohn­wa­gen und Hüt­ten in der Hal­le.

Im Hüt­ten­pa­last zu über­nach­ten, hat be­son­de­ren Charme. Mit­ten in der Groß­stadt in Cam­pinglau­ne zu kom­men, vor dem Cam­per im Alustuhl mit Se­gel­tuch­be­span­nung zu le­sen und trotz­dem un­ter Dach zu sein und bei al­le­dem noch nett mit Nach­barn aus al­ler Welt plau­dern... So was geht (zu­min­dest in Deutsch­land) wohl auch nur in Ber­lin. Ni­co­le Prest­le

Kurz in­for­miert

* In un­se­rer Ru­brik „Zim­mer-Ser­vice“stel­len wir Ho­tels, Pen­sio­nen und Fe­ri­en­häu­ser vor, die un­se­re Re­dak­ti­ons­mit­glie­der und Mit­ar­bei­ter aus­pro­biert ha­ben und be­mer­kens­wert fan­den.

Hüt­ten­pa­last, Ho brecht­stra­ße 66, 12047 Ber­lin, Tel. 030/37 30 58 06, www.hu­et­ten pa­last.de, Wohn wa­gen und Hüt­ten ab 69 ¤/Nacht, Zim­mer ab 64 ¤.

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