Sal­man Rush­die lebt

Trotz To­des­dro­hung: Der Star-Au­tor ist 70

Donauwoerther Zeitung - - Feuilleton -

Un­lös­bar sind Per­son, Le­ben und Werk von Sal­man Rush­die mit ei­nem Datum ver­knüpft: 14. 2. 1989. Da ver­ur­teil­te der ira­ni­sche Re­li­gi­ons­füh­rer Aya­tol­lah Khomei­ni den Schrift­stel­ler mit ei­ner Fat­wa zum To­de. Be­grün­det wur­de der is­la­mi­sche Richt­spruch da­mit, dass Rush­dies Buch „Die sa­ta­ni­schen Ver­se“, ein Jahr zu­vor er­schie­nen, „ge­gen den Is­lam, den Pro­phe­ten und den Koran“ge­rich­tet sei.

Rush­die, 1947 als Sohn mus­li­mi­scher El­tern in Bom­bay ge­bo­ren, leb­te un­ter­des­sen über vie­le Jah­re un­ter Po­li­zei­schutz in ver­schie­de­nen Ver­ste­cken. Erst seit ei­ni­ger Zeit tritt er wie­der öf­fent­lich auf. Über sein Le­ben un­ter der To­des­dro­hung be­rich­tet der Au­tor, den die bri­ti­sche Kö­ni­gin Eli­sa­beth II. al­len Pro­tes­ten aus Teheran zum Trotz vor zehn Jah­ren in den Adels­stand er­hob, in sei­ner Au­to­bio­gra­fie „Jo­seph An­ton“von 2012.

Mit 14 Jah­ren kam Rush­die nach En­g­land. In Cam­bridge stu­dier­te er Ge­schich­te und ar­bei­te­te zu­nächst am Thea­ter, als frei­er Jour­na­list und als Wer­be­tex­ter. Und schrieb Ro­ma­ne im ma­gi­schen Rea­lis­mus: Von „Mit­ter­nachts­kin­der“aus dem Jahr 1981, das ihm den in­ter­na­tio­na­len Durch­bruch ver­schaff­te, bis zu sei­nem neu­es­ten Ro­man „Zwei Jah­re, acht Mo­na­te und acht­und­zwan­zig Näch­te“von 2015.

Die Wahr­neh­mung Rush­dies bleibt in­des ge­prägt durch das To­des­ur­teil, das bis heu­te gilt. Das auf ihn aus­ge­setz- te Kopf­geld liegt in­zwi­schen bei fast vier Mil­lio­nen Dol­lar. Aber er mel­det sich wei­ter zu Wort. Et­wa nach dem At­ten­tat auf die Re­dak­ti­on von Char­lie Heb­do, da be­zeich­ne­te Rush­die Re­li­gi­on als „ei­ne mit­tel­al­ter­li­che Form der Un­ver­nunft“– mit mo­der­nen Waf­fen kom­bi­niert wer­de sie „zu ei­ner ech­ten Ge­fahr un­se­rer Frei­hei­ten“. Der­ar­ti­ger re­li­giö­ser To­ta­li­ta­ris­mus ha­be „zu ei­ner töd­li­chen Mu­ta­ti­on im Her­zen des Is­lam ge­führt“. Aber: „Den Krieg ge­gen den Ter­ror kann man nicht ge­win­nen.“Man kön­ne dem Ter­ror nur trot­zen, in­dem man nicht zu Hau­se blei­be – und der Furcht kei­nen Raum ge­be. (kna)

Er nann­te sich „Jo­seph An­ton“

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