Im Ur­laub Geld ver­die­nen – darf man das?

Recht Wer mit dem Ge­dan­ken spielt, sei­ne freie Zeit ge­winn­brin­gend ein­zu­set­zen, muss ei­ni­ges be­ach­ten

Donauwoerther Zeitung - - Geld & Leben -

Nicht je­der, der Ur­laub ge­nom­men hat, ver­spürt die Lust – oder hat das Geld da­zu –, dem häus­li­chen Herd zu ent­flie­hen. Vie­le blei­ben lie­ber zu Hau­se und er­ho­len sich im ei­ge­nen Gar­ten oder auf dem Bal­kon. Manch ei­ner mag aber auch mit dem Ge­dan­ken spie­len, die Frei­zeit ge­winn­brin­gend ein­zu­set­zen und zu ar­bei­ten und Geld zu ver­die­nen. Aber geht das über­haupt? Ein Über­blick.

Was ist er­laubt?

Wäh­rend des Er­ho­lungs­ur­laubs darf der Ar­beit­neh­mer „kei­ne dem Ur­laubs­zweck zu­wi­der­lau­fen­de Er­werbs­tä­tig­keit leis­ten“. So steht es im Bun­des­ur­laubs­ge­setz.

Rech­nen auch Ge­fäl­lig­kei­ten für Freun­de oder den Nach­barn da­zu?

Nein, so­ge­nann­te Freund­schafts­diens­te ver­bie­tet nie­mand.

Und wenn ich wäh­rend mei­nes Ur­laubs mein Häu­schen auf Vor­der­mann brin­gen will?

Auch dar­an wird sich der Ar­beit­ge­ber nicht stö­ren – selbst wenn dies an­stren­gend sein soll­te. Der Ar­beit­neh­mer geht dann näm­lich kei­ner „Er­werbs­tä­tig­keit“nach. Das­sel­be gilt für den Fall, dass aus ide­el­len Grün­den ge­ar­bei­tet wird, wie zum Bei­spiel ge­mein­nüt­zig in ei­ner Ju­gend­frei­zeit.

Was ist denn ei­ne ver­bo­te­ne Er­werbs­tä­tig­keit?

Wenn ein Ar­beit­neh­mer, egal ob voll- oder teil­zeit­be­schäf­tigt, bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber ar­bei­tet, viel­leicht so­gar bei ei­nem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men. „Ver­bo­ten“sind ganz all­ge­mein sol­che Tä­tig­kei­ten, bei de­nen der Er­werbs­zweck im Vor­der­grund steht.

Und wenn ein Mit­ar­bei­ter so­wie­so zwei Ar­beits­stel­len hat: ei­ne in Voll- und ei­ne in Teil­zeit?

Dann kann die Teil­zeit­ar­beit wäh­rend des Ur­laubs durch­aus wei­ter­lau­fen, wenn in dem be­tref­fen­den Be­trieb nicht zeit­gleich Ur­laub ge­ziem­lich nom­men wer­den kann. „Er­hol­sam“ist das na­tür­lich nicht un­be­dingt.

Ist es nicht so­gar rat­sam, dass je­mand, der wäh­rend sei­ner Ar­beit kaum Be­we­gung hat, et­wa im Bü­ro, für ein paar Ta­ge oder Wo­chen mal sei­nen Kör­per „for­dert“?

Durch­aus – doch ist das ei­ne Fra­ge des Ein­zel­falls, ob es sich da­bei um ei­ne „emp­feh­lens­wer­te“oder um ei­ne „ver­bo­te­ne“Tä­tig­keit han­delt.

Was pas­siert, wenn ein Ar­beit­neh­mer „ver­bo­ten“bei ei­nem Kon­kur­ren­ten ar­bei­tet, da­bei dann al­ler­dings ei­nen Un­fall hat und wo­chen­lang fehlt?

Dann kann sein Ar­beit­ge­ber ihm frist­los kün­di­gen – und so­gar Scha­den­er­satz ver­lan­gen. Ar­beit­neh­mer ge­hen mit „Schwarz­ar­beit“wäh­rend ih­rer Fe­ri­en al­so ein ho­hes Ri­si­ko ein.

Muss dann auch die Ur­laubs­ver­gü­tung/das Ur­laubs­ent­gelt zu­rück­ge­zahlt wer­den?

Nein – je­den­falls den ge­setz­li­chen Min­de­s­t­ur­laub von vier Wo­chen be­tref­fend nicht. Ob Ur­laubs­ent­gelt, das für Er­ho­lungs­ur­laub über vier Wo­chen hin­aus ge­zahlt wor­den ist, zu­rück­ge­for­dert wer­den kann, rich­tet sich nach dem Ar­beits-/Ta­rif­ver­trag.

Von al­lem ab­ge­se­hen, das zu­vor ge­schil­dert wur­de: Muss sich ein Ar­beit­neh­mer wirk­lich wäh­rend sei­nes Ur­laubs „er­ho­len“?

Das steht so nicht im Bun­des­ur­laubs­ge­setz. Selbst wenn Mit­ar­bei­ter sich wäh­rend ih­res Ur­laubs durch ei­ne wei­te Rei­se mehr an­stren­gen als er­ho­len, er­gibt sich dar­aus kei­ne Fol­ge für das Ur­laubs­ent­gelt.

Ma­ik Heit­mann ist un­ser Ex­per­te rund ums Recht. Der Fach­jour­na­list be­fasst sich seit fast 20 Jah­ren mit Ver­brau­cher­fra­gen.

Fo­to: Ar­no Bur­gi, dpa

Frei­zeit ist für vie­le Men­schen zum Ent­span­nen da. Wer den­noch im Ur­laub Geld ver die­nen möch­te, darf das nicht in je­dem Fall.

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