Wenn die Woh­nung zum Ho­tel wird

Rei­se Die In­ter­net­platt­form Airb­nb wird im­mer be­lieb­ter. Pri­vat­per­so­nen kön­nen ihr Zu­hau­se ver­mie­ten, die Gäs­te müs­sen sich selbst ver­sor­gen. Auch im Land­kreis ist die Nach­fra­ge groß

Donauwoerther Zeitung - - Wirtschaft In Der Region - VON FA­BI­AN KLU­GE

Land­kreis Ge­ra­de sind die Pfingst­fe­ri­en zu En­de ge­gan­gen. Vie­le ha­ben die zwei Wo­chen ge­nutzt, um in Ur­laub zu ge­hen. Doch da­bei su­chen Tou­ris­ten im­mer sel­te­ner Ho­tels auf – Airb­nb macht es mög­lich. Die eng­li­sche Ab­kür­zung steht über­setzt für „Luft­ma­trat­ze und Früh­stück“.

Tat­säch­lich funk­tio­niert das im Jahr 2008 ge­grün­de­te Un­ter­neh­men wie ein Markt­platz: Gast­ge­ber in­se­rie­ren ih­re Woh­nung oder ein­zel­ne Räu­me. Mie­ter su­chen nach der pas­sen­den Stadt, Grö­ße und Preis der Un­ter­kunft. Wäh­rend die Ver­mie­ter le­dig­lich ein Bild von sich hoch­la­den und ei­ne Te­le­fon­num­mer an­ge­ben müs­sen, sind Gäs­te ge­zwun­gen, deut­lich mehr Da­ten an die Platt­form zu über­mit­teln: un­ter an­de­rem Zah­lungs­art und ei­ne E-Mail-Adres­se.

Des­halb wur­de Airb­nb be­reits mehr­fach da­für kri­ti­siert, das The­ma Da­ten­schutz zu lo­cker zu neh­men. Ge­zahlt wird on­li­ne. Nach dem Auf­ent­halt kön­nen sich Gast und Gast­ge­ber zu­dem ge­gen­sei­tig in den Ka­te­go­ri­en Sau­ber­keit oder Preis/Leis­tung be­wer­ten.

Auch im Land­kreis gibt es vie­le sol­cher Gast­ge­ber. Gibt man auf der Home­page von Airb­nb Do­nau­wörth als Ziel­ort ein, er­hält man 45 Un­ter­künf­te. Ei­ne da­von ge­hört Micha­el Öhl­horn. Er selbst ist auf Airb­nb vor ei­ni­gen Jah­ren auf­merk­sam ge­wor­den: Er war auf der Su­che nach ei­nem Zim­mer in ei­ner Groß­stadt – und das wäh­rend ei­ner Mes­se. Über die Platt­form ha­be es aber funk­tio­niert.

Gast­ge­ber ist Öhl­horn al­ler­dings erst seit die­sem Jahr. „Ich be­kom­me An­fra­gen von über­all. Am häu­figs­ten sind Ur­lau­ber bei mir zu Gast.“In dem gro­ßen Mehr­zweck­raum, den er an­bie­tet, kön­nen bis zu elf Per­so­nen schla­fen. Da­her sei die­ser be­son­ders bei gro­ßen Grup­pen be­liebt. Wäh­rend sei­ner Zeit als Gast­ge­ber hat Öhl­horn auch ei­ni­ge An­ek­do­ten mit­er­lebt. „Ein­mal wa­ren Fi­scher aus Ba­den-Würt­tem­berg mei­ne Gäs­te. Sie ha­ben an der Wör­nitz ge­an­gelt. Mit­ten in der Nacht hat­ten sie plötz­lich ei­nen gro- ßen Fang, den sie na­tür­lich noch in der Nacht zu­be­rei­tet ha­ben.“Auch ein Jung­ge­sel­lin­nen­ab­schied war bei ihm schon zu Gast.

Doch nicht nur in der Stadt selbst stößt man auf vie­le Airb­nb-An­ge­bo­te. Auf den ge­sam­ten Land­kreis be­zo­gen be­deu­tet dies ei­ne Zahl im drei­stel­li­gen Be­reich. Und die Un­ter­künf­te sind kei­nes­wegs nur auf die Städ­te be­schränkt, wie das Bei­spiel von Ur­su­las Woh­nung zeigt: Ih­re „Fe­ri­en­woh­nung im Grü­nen“, wie sie bei Airb­nb aus­ge­schrie­ben ist, liegt in Wol­fer­stadt bei Wem­ding. Und doch fin­det die gan­ze Welt in die klei­ne Ge­mein­de: „Ich hat­te schon Gäs­te aus Ja­pan, Aus­tra­li­en und Grie­chen­land“, sagt Ur­su­la. Ei­ni­ge da­von sei­en auf Welt­rei­se ge­we­sen und hät­ten Zwi­schen­stopp in Wol­fer­stadt ge­macht.

Mit den Gäs­ten selbst hat Ur­su­la re­la­tiv we­nig Kon­takt. „Ich se­he sie ei­gent­lich nur zur Schlüs­sel­über­ga­be, die meis­ten blei­ben auch nur ei­ne Nacht.“Aber sie macht auch Aus­nah­men: „Ein­mal ha­ben sich zwei Ja­pa­ne­rin­nen in der Woh­nung ein­quar­tiert. Sie hat­ten kein Au­to. Wir ha­ben sie dann zum Früh­stück ein­ge­la­den und zum Bahn­hof ge­fah­ren“, er­in­nert sich die Haus­her­rin. Ur­su­la ist durch ih­re er­wach­se­nen Söh­ne auf den In­ter­net­markt­platz auf­merk­sam ge­wor­den. Seit Au­gust 2016 ist sie nun selbst Gast­ge­be­rin.

Sie ist über­rascht, dass solch gro­ße Nach­fra­ge im Land­kreis be­steht. Zu­nächst woll­te sie die Platt­form aus­pro­bie­ren. „Wir ha­ben ei­nen neu­en Mie­ter ge­sucht, aber mitt­ler­wei­le sind mir die wech­seln­den Gäs­te lie­ber. Da ist man nicht län­ger an­ein­an­der ge­bun­den, falls man sich nicht ver­steht“, er­klärt Ur­su­la. Im Mo­ment wer­de ih­re Woh­nung im Schnitt ein­mal pro Wo­che ge­bucht – das sei zwar über­schau­bar, doch ihr rei­che das Pen­sum voll­kom­men. „Schließ­lich muss ich nach je­dem Gast die Woh­nung wie­der sau­ber ma­chen und her­rich­ten.“

Auch Ur­su­la selbst hat mitt­ler­wei­le schon zwei­mal über Airb­nb als Mie­te­rin ei­ne Un­ter­kunft ge­bucht. Bei­de Ma­le sei sie sehr zu­frie­den ge­we­sen, „auch wenn es zu­nächst un­ge­wohnt war, nicht die Gast­ge­be­rin zu sein.“

Fo­to: Jens Ka­lae­ne/dpa

Das Lo­go der On­li­ne Platt­form und des Com­mu­ni­ty Markt­plat­zes für Pri­vat­un­ter­künf­te, Airb­nb. Auch im Land­kreis er­freut sich das Un­ter­neh­men größ­ter Be­liebt­heit. Al­lei­ne in und um Do­nau­wörth gibt es 45 Pri­vat­un­ter­künf­te.

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