Ran­da­le nach zwei Fla­schen Wod­ka

Jus­tiz Ei­ne Grup­pe Ju­gend­li­cher trinkt, zer­stört ei­nen Gar­ten­zaun und be­lei­digt An­woh­ner und Po­li­zis­ten

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis - VON RE­NÉ LAU­ER

Nörd­lin­gen Für die­se Grup­pe Ju­gend­li­cher war es an­schei­nend ein ganz nor­ma­ler Som­mer­nach­mit­tag. Ent­span­nen im Nörd­lin­ger Frei­bad und „ein biss­chen was trin­ken“, wie sie es in der Ju­gend­ge­richts­ver­hand­lung am Nörd­lin­ger Amts­ge­richt for­mu­lie­ren. „Ein biss­chen was“heißt für die An­ge­klag­ten: zu viert zwei Fla­schen Wod­ka.

Auf dem Weg nach Hau­se mach­ten sie auf ei­ner Bank in der Nä­he des Fried­hofs Halt. Sie wa­ren laut, das ge­ben die vier Ju­gend­li­chen, da­mals zwi­schen 14 und 18 Jah­re alt, zu. Doch was ih­nen von der Staats­an­walt­schaft zur Last ge­legt wird, das sei so nicht pas­siert, sa­gen sie. Die drei Ju­gend­li­chen und das 14-jäh­ri­ge Mäd­chen hät­ten es nicht bei Mu­sik und Ge­sprä­chen be­las­sen, sagt ein Ehe­paar, des­sen Gar­ten di­rekt an be­sag­te Park­bank an­schließt. „Zu­erst ha­ben sie ge­strit­ten, ich glau­be es ging um Geld“, er­in­nert sich die An­woh­ne­rin, die das Ge­sche­hen vom Bal­kon aus be­ob­ach­tet hat. Vor lau­ter Wut ha­be dann ei­ner der Ju­gend­li­chen ge­gen ih­ren Zaun ge­tre­ten, aus dem Lat­ten her­aus­bra­chen. „Da ha­be ich na­tür­lich ge­sagt, sie sol­len das las­sen und ver­schwin­den.“Dann sei die Si­tua­ti­on je­doch es­ka­liert.

Laut der An­woh­ne­rin und ih­rem Mann, der in­zwi­schen da­zu ge­kom­men war, hät­ten die drei jun­gen Män­ner sich nun al­le am Zaun zu schaf­fen ge­macht. Ei­ner ha­be ein Holz­brett mit ei­nem ros­ti­gen Na­gel auf das Ehe­paar ge­wor­fen. „Es ist knapp ne­ben mei­nem Kopf ein­ge­schla­gen“, sagt der Mann. Von­sei­ten der Grup­pe sei­en zu­vor zahl­rei­che Be­lei­di­gun­gen ge­fal­len. Die An­woh­ner rie­fen die Po­li­zei, die Ju­gend­li­chen flüch­te­ten.

Dass die Si­tua­ti­on so es­ka­liert ist, be­strei­ten die An­ge­klag­ten vor Ge­richt. Es sei zu Be­lei­di­gun­gen ge­kom­men, ei­ner von ih­nen ha­be ge­gen den Zaun ge­tre­ten, das gab ein jun­ger Mann zu. Doch ge­fähr­li­che Ge­gen­stän­de ha­be nie­mand ge­wor­fen. Nach­dem die Po­li­zei ge­ru­fen wur­de, ha­be man sich in der Stadt auf­ge­teilt.

Es dau­er­te nicht lan­ge, bis die Be­am­ten die Mit­glie­der der Grup­pe fan­den. Die jun­gen Män­ner mach­ten kei­ne Pro­ble­me. Die 14-Jäh­ri­ge, die nach ei­ge­ner Aus­sa­ge kei­nen Al­ko­hol ge­trun­ken und sich schon vor dem Streit am Gar­ten­zaun von der Grup­pe ent­fernt hat­te, je­doch schon. Als die Be­am­ten sie nach ih­rem Aus­weis ge­fragt hät­ten, sei sie grund­los aus­ge­ras­tet. Die Po­li­zis­ten be­rich­ten, das Mäd­chen ha­be sie als „Drecks­bul­len“be­schimpft und sich ge­wei­gert, ih­ren Na­men zu nen­nen. Als ei­ner der Po­li­zis­ten sie am Weg­lau­fen hin­der­te, ha­be sie sich zu Bo­den fal­len las­sen und wild um sich ge­tre­ten. Zu Dritt hal­fen die Be­am­ten zu­sam­men, um die 14-Jäh­ri­ge zu bän­di­gen. Mit Hand­schel­len sei sie letzt­end­lich zur Po­li­zei­in­spek­ti­on trans­por­tiert wor­den, wäh­rend der Fahrt ha­be sie die Be­am­ten wei­ter be­lei­digt. Auch auf der Di­enst­stel­le sei das Mäd­chen noch au­ßer Rand und Band ge­we­sen. Sie ha­be mit ih­ren Hand­schel­len ge­gen Mö­bel ge­schla­gen und un­flä­ti­ge Din­ge ge­ru­fen.

Ein klä­ren­des Ge­spräch, das die 14-Jäh­ri­ge we­ni­ge Ta­ge spä­ter mit der Nörd­lin­ger Po­li­zei füh­ren woll­te, ha­be sie er­neut ge­nutzt, um die Be­am­ten zu be­lei­di­gen. „So ein un­freund­li­ches Mäd­chen ha­be ich noch nie er­lebt“, sag­te ei­ner der Ord­nungs­hü­ter vor Ge­richt.

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter Andre­as Krug be­zeich­ne­te die Aus­sa­gen der Po­li­zis­ten und des be­trof­fe­nen Ehe­paars als „sehr glaub­wür­dig“. Die 14-Jäh­ri­ge, die sich nach dem Plä­doy­er der Staats­an­wäl­tin über­ge­ben muss­te, be­kam we­gen der Be­lei­di­gun­gen und Wi­der­stands ge­gen Voll­stre­ckungs­be­am­te ei­ne Ver­war­nung, ei­ne Wo­che Ju­gen­d­ar­rest und 60 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit auf­er­legt.

Der Ju­gend­li­che, der als Wer­fer der Zaun­lat­te iden­ti­fi­ziert wer­den konn­te, muss we­gen Be­lei­di­gung und ver­such­ter ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung zwei Wo­chen Ju­gen­d­ar­rest ab­sit­zen und 100 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit ab­leis­ten. Zwei wei­te­re Mit­glie­der der Grup­pe er­hiel­ten we­gen Be­lei­di­gung, ei­ner zu­sätz­lich we­gen Sach­be­schä­di­gung, ei­ne Ver­war­nung und müs­sen je­weils 60 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit ab­leis­ten. Ein An­ge­klag­ter wur­de vom Vor­wurf der Be­lei­di­gung frei­ge­spro­chen. Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

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