Neu­es Ur­he­ber­recht kann kom­men

Me­di­en Nach lan­gem Rin­gen hat sich die Gro­ße Ko­ali­ti­on auf ei­nen Kom­pro­miss ge­ei­nigt

Donauwoerther Zeitung - - Politik - VON DA­NI­EL WIRSCHING

Augs­burg/Berlin „Schwie­rig“ist das Wort, das man in den ver­gan­ge­nen Ta­gen am häu­figs­ten hör­te, wenn es um die ge­plan­te Re­form des Wis­sen­schafts-Ur­he­ber­rechts ging. Um ei­nen von SPD-Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas vor­ge­leg­ten Ge­setz­ent­wurf ent­brann­te ein hef­ti­ger Streit, der bis zu­letzt an­dau­er­te – und der nun mit ei­nem Kom­pro­miss bei­ge­legt wer­den soll.

Dar­um geht es Maas will das Ur­he­ber­recht ver­ein­fa­chen und lo­ckern, um es den „Er­for­der­nis­sen der Wis­sens­ge­sell­schaft“an­zu­pas­sen. Di­gi­tal ver­füg­ba­re Ma­te­ria­li­en in For­schung und Leh­re, Schu­len und Bi­b­lio­the­ken sol­len un­kom­pli­zier­ter nutz­bar sein. Die Al­li­anz der Wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen und Bi­b­lio­the­ka­re wa­ren für den ur­sprüng­lich ge­plan­ten Ge­setz­ent­wurf; der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels, Pres­se­ver­la­ge, aber auch CDU und CSU strikt da­ge­gen. Dem Ge­setz­ent­wurf zu­fol­ge soll­ten Stu­die­ren­den et­wa pro Sit­zung an ei­nem Bi­b­lio­theks­com­pu­ter bis zu zehn Pro­zent ei­nes ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ten Wer­kes – zum Bei­spiel ei­nes Lehr­bu­ches – in di­gi­ta­ler Form zu­gäng­lich sein. In­klu­si­ve der Mög­lich­keit, es zu ver­viel­fäl­ti­gen und zu ver­brei­ten. Zei­tungs­ar­ti­kel hät­ten kom­plett ver­wen­det wer­den kön­nen, oh­ne die Ver­la­ge zu fra­gen.

Das war um­strit­ten Was zu­nächst ver­gleichs­wei­se harm­los klang, hät­te dras­ti­sche, mög­li­cher­wei­se exis­tenz­be­dro­hen­de Fol­gen auch für Pres­se­ver­la­ge und den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus. Und das in Zei­ten von „Fa­ke News“, in de­nen die Pres­se ei­nen un­ver­zicht­ba­ren Bei­trag zum Funk­tio­nie­ren der De­mo­kra­tie leis­tet. Um beim Bei­spiel der Bi­b­lio­the­ken zu blei­ben. In ih­nen kann man auch auf Ta­ges­zei­tun­gen zu­grei­fen. Und künf­tig be­quem an de­ren In­hal­te kom­men und die­se öf­fent­lich ma­chen? In­hal­te, die auf­wen­dig und kos­ten­in­ten­siv re­cher­chiert wer­den muss­ten? Die Ver­le­ger spra­chen von „Ent­eig­nung“und ei­ner Be­dro­hung ih­res Ge­schäfts­mo­dells.

Das ist der Kom­pro­miss Nach lan­gem Rin­gen ver­stän­dig­te sich die Gro­ße Ko­ali­ti­on am Di­ens­tag – und da­mit kurz vor den Par­la­ments­fe­ri­en – auf ein neu­es Ur­he­ber­recht. Ein Kom­pro­miss. Der Ge­setz­ent­wurf pas­sier­te am Mitt­woch den Rechts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges und soll, wie es heißt, am Frei­tag vom Par­la­ment be­schlos­sen wer­den.

Er wur­de un­ter an­de­rem da­hin­ge­hend ge­än­dert, dass Stu­die­ren­de oder For­scher Zei­tungs­ar­ti­kel nur nut­zen dür­fen, wenn vor­her ent­spre­chen­de Li­zenz­ver­trä­ge mit den Ver­la­gen aus­ge­han­delt wor­den sind. Die Re­ge­lung für Lehr­bü­cher bleibt. Das Ge­setz soll – auf Druck der Uni­on hin – auf fünf Jah­re be­fris­tet und nach vier Jah­ren über­prüft wer­den.

Der Bun­des­ver­band Deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger er­klär­te ges­tern auf An­fra­ge, dass er da­von aus­ge­he, „dass ei­ne pres­se­schüt­zen­de Re­ge­lung ver­ab­schie­det wird“. Denn: „Ei­ne Aus­wei­tung der ge­setz­lich er­laub­ten Nut­zung auf Kos­ten be­ste­hen­der und künf­ti­ger markt­wirt­schaft­li­cher Li­zen­zen in der ur­sprüng­lich ge­plan­ten Form wür­de die Fi­nan­zie­rung der Zei­tun­gen und so auch die jour­na­lis­ti­sche Ar­beit in Tei­len in­fra­ge stel­len.“

Foto: dpa

Jus­tiz­mi­nis­ter Maas wur­de für sei­nen Ge­setz­ent­wurf stark kri­ti­siert.

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