Die­ser Fall ist kein Ein­zel­fall

Donauwoerther Zeitung - - Erste Seite - VON RU­DI WAIS rwa@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Ers­tens kommt es an­ders, zwei­tens als man denkt. Kaum ent­schließt sich die Ko­ali­ti­on, ge­fähr­li­che Is­la­mis­ten schnel­ler und kon­se­quen­ter aus­zu­wei­sen, führt ei­ne hö­he­re Macht die neue Ent­schlos­sen­heit schon wie­der ad ab­sur­dum. Fäl­le wie den des jun­gen Man­nes aus Da­ges­tan, den die Be­hör­den schon län­ger als po­ten­zi­el­len At­ten­tä­ter auf dem Ra­dar hat­ten, wird es in Zu­kunft häu­fi­ger ge­ben: Ein­schlä­gig be­kann­te Ex­tre­mis­ten, die erst das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an­ru­fen und dann den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te, um ih­rer Aus­wei­sung zu ent­ge­hen. So nut­zen aus­ge­rech­net die Geg­ner un­se­res li­be­ra­len Rechts­staats al­le Mög­lich­kei­ten aus, die ih­nen eben je­ner Rechts­staat bie­tet.

Das ist ihr gu­tes Recht, ja. Im ak­tu­el­len Fall aber ist die Straß­bur­ger Ent­schei­dung zu­min­dest frag­wür­dig. Der 18-Jäh­ri­ge soll­te schließ­lich nicht in die Re­pu­blik Da­ges­tan ab­ge­scho­ben wer­den, wo ihm Ver­fol­gung und Fol­ter dro­hen, son­dern nach Mos­kau. Wenn der Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te in al­len Fäl­len mit der­art stren­gen Maß­stä­ben misst, wird die Aus­wei­sung von Ge­fähr­dern bald zur Far­ce: Theo­re­tisch ist sie mög­lich, in der Pra­xis bleibt sie ei­ne Il­lu­si­on.

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