Über ei­ne Be­rufs­krank­heit

Donauwoerther Zeitung - - Medien - VON DA­NI­EL WIRSCHING

Trends Jour­na­lis­ten lie­ben Trends. Sie ent­de­cken so­gar ei­nen Trend, wo es kei­nen gibt. Es ist ei­ne Be­rufs­krank­heit, ein Vi­rus, das Jour­na­lis­ten be­fällt, wenn ih­nen et­was auf­fällt. Ein­mal hät­te mich die Tren­de­ri­tis fast selbst er­wischt.

Und das kam so: Ich schrei­be ge­le­gent­lich über Co­mics, ein viel­fäl­ti­ges Me­di­um, das auch vom Jour­na­lis­mus ent­deckt wor­den ist. Denn auch in Co­mic-Form las­sen sich The­men auf­ar­bei­ten. Da­vid Schra­ven und Jan Feindt et­wa ha­ben das vor­bild­lich vor­ge­führt in ih­rer „gra­fi­schen Re­por­ta­ge über rech­ten Ter­ror“. Das Buch, das 2015 er­schien und 213 Sei­ten hat, heißt „Weis­se Wöl­fe“.

Aber ich schwei­fe ab. Zu­rück zur Tren­de­ri­tis: Ich mein­te, auf et­was ge­sto­ßen zu sein, das bis da­hin nie­mand groß zum The­ma ge­macht hat­te. Die 50er Jah­re, glaub­te ich, er­leb­ten ei­nen Boom im Me­di­um Co­mic. Woll­ten die Au­to­ren ei­ne stei­gen­de Nach­fra­ge nach ei­ner ver­meint­lich we­ni­ger chao­ti­schen Welt be­die­nen? Ich fand auf An­hieb drei „Gra­phic No­vel“ge­nann­te Co­mi­cRo­ma­ne, die in je­nem Jahr­zehnt spiel­ten oder es zu­min­dest streif­ten. Ich frag­te bei Ver­la­gen nach, er­kun­dig­te mich über den neu­en, of­fen­bar noch jun­gen Trend, der kurz da­vor stand, zum Mas­sen­phä­no­men zu wer­den. Wie ich dach­te. Die Ant­wor­ten wa­ren er­nüch­ternd.

„Sie ha­ben Recht da­mit“, schrieb mir ein Ver­lag, „dass sich in der letz­ten Zeit Gra­phic No­vels und Co­mics zu häu­fen schei­nen, die sich mit den Um­stän­den und Ent­wick­lun­gen der Ge­sell­schaft in be­stimm­ten zeit­li­chen Ab­schnit­ten oder Epo­chen be­schäf­ti­gen.“Von ei­nem Trend wuss­te der Ver­lag nichts. Al­len­falls eben von ei­ner eher zu­fäl­li­gen Häu­fung. Ja, schlim­mer noch: Laut Ver­lag gab es le­dig­lich den An­schein ei­ner Häu­fung! Das war’s mit mei­nem Trend. Von der Tren­de­ri­tis bin ich seit­dem ku­riert.

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