Die letz­te Par­ty in der Sand­gru­be

Ver­an­stal­tung Nach der 25. Auf­la­ge ist Schluss. Die Or­ga­ni­sa­to­ren in­for­mie­ren über die Grün­de und Ide­en für die Zu­kunft

Donauwoerther Zeitung - - Landkreis - VON CHRIS­TI­AN MÜHLHAUSE

Mon­heim Re­hau Am Sams­tag­abend um 20 Uhr ge­hen in der Sand­gru­be in Re­hau ein letz­tes Mal die Lich­ter an, und es wer­den wahr­schein­lich wie­der deut­lich über 1000 Gäs­te aus­ge­las­sen zur Mu­sik fei­ern. Bei so man­chen Re­hau­ern dürf­te dann aber auch ein ko­mi­sches Ge­fühl mit­schwin­gen. Schließ­lich en­det am nächs­ten Mor­gen, wenn die letz­ten Gäs­te den Heim­weg an­ge­tre­ten ha­ben, ein lan­ges und mit vie­len Emo­tio­nen und Er­in­ne­run­gen ver­bun­de­nes Ka­pi­tel in der Ge­schich­te des Mon­hei­mer Stadt­teils. Auf der Kip­pe stand die Par­ty­rei­he, die im­mer am zwei­ten Sams­tag im Au­gust statt­fin­det, vor ein paar Jah­ren schon ein­mal. Da­mals fand sich län­ge­re Zeit nie­mand, der den Vor­sitz im Ver­ein Sand­gru­ben­freun­de über­neh­men woll­te. Letzt­lich er­klär­te sich der heu­ti­ge Vor­sit­zen­de Alex­an­der May­er be­reit, das Amt zu über­neh­men. Heu­te hat der Ver­ein 120 Mit­glie­der.

Dass nun Schluss ist, hat un­ter an­de­rem da­mit zu tun, dass Un­ter­stüt­zer aus dem Ort in­zwi­schen bis zu 65 Jah­re alt sind und kür­zer­tre­ten wol­len. Hin­zu kom­men die im­mer stren­ger ge­wor­de­nen Auf­la­gen, da­mit die Ver­an­stal­tung statt­fin­den kann, bei­spiels­wei­se beim Ju­gend­schutz oder der Si­cher­heit. Auch müs­sen die Re­hau­er, die al­les eh­ren­amt­lich or­ga­ni­sie­ren, Se­cu­ri­ty an­heu­ern und ei­nen Ver­kehrs­leit­plan vor­le­gen. Das sei ein enor­mer Auf­wand, auch wenn das Ver­hält­nis zur Po­li­zei „aus­ge­zeich­net“sei, so May­er. „Das sind Pro­ble­me, mit de­nen an­de­re Ver­an­stal­ter in der Re­gi­on auch kämp­fen. Sie über­le­gen eben­falls, ob sie noch wei­ter­ma­chen sol­len“, be­rich­tet Mar­kus Schus­ter über den Aus­tausch mit Or­ga­ni­sa­to­ren an­dern­orts.

Schus­ters an­ge­stamm­ter Platz bei den Par­tys ist hin­ter dem DJ-Pult. Er wech­selt sich bei der rund acht­stün­di­gen Par­ty mit ei­nem an­de­ren DJ ab. Erst­mals stand er vor 17 Jah­ren auf der Büh­ne. „Es ist im­mer noch ein fan­tas­ti­sches Ge­fühl, wenn so vie­le Men­schen zu der Mu­sik tan­zen, die ich spie­le.“Vor al­lem Aktuelles aus den Charts ist in­zwi­schen zu hö­ren. In den ers­ten Jah­ren war es vor al­lem Rock­mu­sik, doch das jun­ge Pu­bli­kum woll­te an­de­re Mu­sik hö­ren, wes­we­gen die DJs um­schwenk­ten. „Na­tür­lich kom­men Men­schen aus al­len Al­ters­klas­sen, aber es sind eben doch sehr vie­le jun­ge Leu­te, des­we­gen ha­ben wir re­agiert“, so Schus­ter. Am Sams­tag kom­men aber auch die Äl­te­ren wie­der mehr auf ih­re Kos­ten. Die Mu­sik sol­le die His­to­rie der Par­ty­rei­he wi­der­spie­geln, wes­we­gen dann in der ers­ten St­un­de Rock läuft, kün­digt Schus­ter an. Zwei­mal setz­ten die Ver­an­stal­ter auf ex­ter­ne DJs, das funk­tio­nier­te aber nicht wie er­hofft. „Sie ha­ben viel Tech­no und Elek­tro ge­spielt, das kam beim Pu­bli­kum nicht an“, er­in­nert sich der Ver­eins­vor­sit­zen­de May­er.

Ein Rein­fall sei­en die Par­tys aber nie ge­we­sen, sagt er. Nur ein­mal sei ein Ver­lust ent­stan­den. Meist er­ziel­ten sie aber ei­nen Ge­winn. Den spen­de­ten sie teils an wohl­tä­ti­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen oder für Pro­jek­te in Re­hau. Da­von wur­de un­ter an­de­rem auch ein Brun­nen für den Mon­hei­mer Stadt­teil fi­nan­ziert.

Doch jetzt wird erst noch ein­mal ein letz­tes Mal aus­ge­las­sen ge­fei­ert, auch wenn das Ge­län­de nach Mei­nung der Aus­rich­ter im Ver­gleich zu den ers­ten Jah­ren et­was an Flair ver­lo­ren hat. Da­mals war noch Platz für mehr als 3000 Leu­te, und es war ei­ne rei­ne Sand­gru­be. Ir­gend­wann ha­be die Stadt dann aber Aus­hub dort auf­ge­schüt­tet und das Aus­se­hen des Ge­län­des da­mit mas­siv ver­än­dert. Ge­fei­ert wur­de trotz­dem wei­ter, auch bei schlech­tem Wet­ter, wie es am Wo­che­n­en­de wie­der droht. Falls es nö­tig sein soll­te, wird Kies oder Rin­den­mulch auf der Flä­che ver­teilt. Dann tau­fen sie ih­re Par­ty, wie in der Ver­gan­gen­heit auch schon, um in die „Sau­bä­ren­par­ty“. 2005 war bei­spiels­wei­se so ein Jahr, in dem im Vor­feld al­les un­ter Was­ser stand.

Und auch wenn es dann kei­ne Par­tys mehr gibt, löst sich der Ver­ein nicht auf. „Wir wol­len den Ju­gend­li­chen die Chan­ce er­hal­ten, so et­was auch auf­zu­zie­hen, wenn sie so weit sind. Bis da­hin ma­chen wir an­de­re Din­ge. Ein Som­mer­fest für den Ort ist so ei­ne Über­le­gung“, sagt May­er.

Fo­to: Chris­ti­an Mühlhause

Der Auf­bau für die letz­te Sand­gru­ben­par­ty in Mon­heim Re­hau ist im vol­len Gan­ge. Mar­kus May­in­ger, Mar­co Dol­lin­ger, Alex­an­der May­er und Mar­kus Schus­ter pa­cken mit an, da­mit al­les recht­zei­tig fer­tig wird.

Fo­to: Ver­ein Sand­gru­ben­freun­de

Weit mehr als 1000 Gäs­te ka­men in der Ver­gan­gen­heit zu den Par­tys in der Sand­gru be.

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