Donauwoerther Zeitung

Ein Traum war zerplatzt

Mit Leidenscha­ft kämpften die Nachbarsta­dt Neuburg und der Landkreis dafür, dass der Ryder Cup 2018 auf der Anlage in Rohrenfeld ausgetrage­n wird. Nun wurde also in Paris abgeschlag­en. Geschichte einer Ernüchteru­ng

- – VON MANFRED RINKE

Die Ausstellun­gseröffnun­g ist am Mittwoch, 3. Oktober, um 11 Uhr in der Alten Schranne. Oberbürger­meister Hermann Faul wird ein Grußwort sprechen. Dr. Sabine Heilig wird aus kunsthisto­rischer Sicht in die Ausstellun­g einführen. Die Ausstellun­g ist dann an den folgenden drei Wochenende­n jeweils freitags von 17 bis 20 Uhr und Samstag/Sonntag von 12 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellun­g erscheint ein Katalog. (pm)

Über drei Jahre war vor Ort viel Arbeit und Energie in die Bewerbung für den Ryder Cup 2018 gesteckt worden, jenem seit 1927 groß inszeniert­en Kampf zwischen den besten Golfern aus Europa und den USA. Wie stolz war die Stadt, als sie sich 2009 zunächst mit ihrer Bewerbung national gegen die Metropolen München und Berlin durchsetzt­e, und dann für Deutschlan­d gegen die Mitbewerbe­r aus Frankreich, Holland, Portugal, Spanien und Schweden antrat. Im Frühjahr 2011 platzten dann die Träume. Nicht Deutschlan­d mit dem Wittelsbac­her Golfclub in Neuburg-Rohrenfeld, sondern Frankreich erhielt den Zuschlag. In Paris ist nun seit Freitag bis zum gestrigen Sonntag das prestigetr­ächtige Kräftemess­en über die Bühne gegangen.

Als am 17. Mai um 13.18 Uhr im ehrwürdige­n Londoner Golfklub Wentworth die Entscheidu­ng bekannt gegeben war, saß die Enttäuschu­ng bei der deutschen Delegation tief. Und auch in Neuburg reagierten Politik und Wirtschaft ernüchtert. Die Befürworte­r sahen und sehen nach wie vor eine große Chance für Neuburg, den Landkreis und die gesamte Region vertan. „Der Ryder Cup hätte unsere Stadt zum Positiven verändert. Es wäre noch mehr Leben eingezogen und die Entwicklun­g der Infrastruk­tur wäre deutlich schneller vorangegan­gen“, sagt Oberbürger- meister Bernhard Gmehling und denkt beispielsw­eise an den abschnitts­weise dreispurig­en Ausbau der B 16 von Neuburg zur Autobahn. Wie der OB ist auch Landrat Roland Weigert davon überzeugt, dass der Ryder Cup touristisc­he Impulse gesetzt hätte. Das internatio­nal hochbeacht­ete Sportereig­nis hätte mit dem geplanten Golfleistu­ngszentrum am Gut Rohrenfeld nachhaltig positive Auswirkung­en auf Stadt und Landkreis gehabt. Es hätte, so Weigert, dem Hightech-Standort um Ingolstadt auch als qualitativ hochwertig­e Alternativ­e gutgetan. Für Weigert war es „eine leichtfert­ig vertane Chance“. Auch Gmehling findet es schade und ist „schon a bisserl traurig“, dass nichts daraus geworden ist. Für Golfer und Geschäftsm­ann Sepp Dünstl hätte ein „Ja“Neuburg auch als Sportstadt enorm aufgewerte­t. Als einer der Hauptgründ­e der Ablehnung wird die negative Haltung der Bundes- und Landespoli­tik gesehen und damit gleichzeit­ig auch der fehlende finanziell­e Rückhalt. Aber Deutschlan­d ist es auch nicht gelungen, den Slogan der Bewerbung umzusetzen. „Emotions made in Germany“hätten anders aussehen müssen. „Wir waren zu technisch, zu sachlich“, beschreibt der damalige Geschäftsf­ührer des Wittelsbac­her Golfclubs in Rohrenfeld, Frank Thonig, noch in London. Dies war nicht zuletzt ein Seitenhieb auf das Engagement der Bewerbungs­gesellscha­ft RC Deutschlan­d (RCD) mit seinem Auch er wäre im Team USA in Neuburg am Start gewesen: Golf-Superstar Tiger Woods.

Geschäftsf­ührer Erwin Langer. „An Neuburg hat es jedenfalls nicht gelegen. Stadt und Landkreis haben erstklassi­ge Arbeit geleistet“, betonte Thonig.

Die große Politik hatte sich nicht mehr umstimmen lassen. Die starre Haltung hatte sich auch bei einem Besuch von OB Bernhard Gmehling mit FDP-Stadträtin Bettina Häring beim damaligen bayerische­n Wirtschaft­sminister Martin Zeil (FDP) Mitte Januar in München gezeigt. Tenor: Wenn der Bund nicht zahlt, dreht auch Bayern den Geldhahn nicht auf. Und der Bund weigerte sich strikt. Der damalige Innenminis­ter Thomas de Maizière qualifizie­rte das traditions­reichste Golfturnie­r der Welt sogar süffisant damit ab, dass es sich nüchtern betrachtet um einen Wettbewerb zwischen Europa und den USA in einer Randsporta­rt handle. Dass ihn eine Milliarde Zuschauer weltweit – mehr haben nur die Fußball-WM und Olympia – am Bildschirm verfolgen, ignorierte er. Die Argumentat­ion, dass die Unterstütz­ung Bayerns vom Bund abhänge, kam auch Horst Seehofer, damals Ministerpr­äsident, entgegen. Zunächst war er ein Verfechter des Ryder-Cup-Standortes Bayern, unterstütz­te ihn dann aber nicht mehr. Schließlic­h bewarb sich der Freistaat mit Garmisch-Partenkirc­hen ja auch für die Winterolym­piade 2018. Letztlich wurde aus Beidem nichts. Den Zuschlag für Olympia erhielt die südkoreani­sche Region Pyeongchan­g.

Während die große Politik Neuburg hängen ließ, betrieben derweil vor Ort Befürworte­r und Gegner Aufklärung­sarbeit in ihrem jeweiligen Sinne. Der Bund Naturschut­z sah im Bau des Golfplatze­s „die größte Landschaft­sverschand­elung seit dem Bau der Staustufen“. Die Bürgerinit­iative „Ende RC 18“sowie Stadt und Landkreis luden zu Infoverans­taltungen ein. Gleichzeit­ig wurden Unterschri­ften für Pro und Contra gesammelt. Im März sorgte ein Brief der BI in London für Aufregung. In dem Schreiben werden nicht nur Argumente dargelegt, weshalb das Golfturnie­r nicht in Neuburg stattfinde­n soll. Es wird auch die Stadt schlechtge­redet. Das schiefe Bild rückten OB Gmehling und Landrat Weigert ihrerseits in einem Brief an die Ryder Cup Europe wieder gerade. Nachdem Befürworte­r und Gegner lange Zeit ihre Argumente nur vor ihrem jeweiligen Publikum vorgebrach­t hatten, brachte die Heimatzeit­ung sie Mitte April zusammen. Im vollbesetz­ten Kolpingsaa­l tauschten sie bei einer Podiumsdis­kussion unter dem Motto „Ryder Cup 2018 – Fluch oder Segen?“ihre Ansichten aus. Näher kamen sie sich dabei aber nicht. Ende April überreicht­en dann die Befürworte­r ihre 3585 gesammelte­n Unterschri­ften für das Turnier an Landrat und OB. Die Gegner schickten ihre Listen gleich nach London mit der Bemerkung: „Wir freuen uns auf ihre Entscheidu­ng für Frankreich, Portugal oder die Niederland­e.“Dass es einige Tage später so kam wie gewünscht, war letztlich keine große Überraschu­ng mehr. Doch den Einfluss der BI auf die Entscheidu­ng stufte selbst ihr Sprecher Günther Krell damals als nur marginal ein. Dafür gab es triftigere Gründe.

Mit der Absage starben auch sämtliche Überlegung­en des Wittelsbac­her Ausgleichs­fonds für die Sanierung von Gut Rohrenfeld. Ein Traum war somit ausgeträum­t. Letzten Endes bleibt dennoch ein gutes Gefühl. Neuburg hat Deutschlan­d bei der Bewerbung um das renommiert­este Golfturnie­r der Welt vertreten und zumindest vor Ort dafür alles in die Waagschale geworfen, was möglich war.

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Foto: Tim Bradbury

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