SI­DO: Ganz ehr­lich .....................................

SI­DO im In­ter­view: Wenn du ge­nau weißt, wo du stehst, kann dir kei­ne Kri­tik der Welt et­was an­ha­ben

ERFOLG Magazin - - Inhalt -

Stimmt es, dass du da­mals mit Rap an­ge­fan­gen hast, weil du in der Schu­le nach Auf­merk­sam­keit ge­sucht hast? Ja, klingt hart, aber so könn­te man das aus­drü­cken. Ich war nicht be­son­ders be­liebt in der Schu­le. Ich ha­be ge­merkt, dass der Typ mit der Gi­tar­re aus der Schul­band ne rie­sen War­ze im Ge­sicht hat­te, da wuch­sen schon Haa­re raus. Aber die Frau­en ha­ben trotz­dem sei­ne War­ze ge­leckt, wenn er es woll­te. Und das war, weil er sin­gen konn­te und die ihn in der Band an­schmach­ten konn­ten mit sei­ner Gi­tar­re. Da wur­de mir klar, wenn ich das hin­krie­ge, dann wer­de ich viel­leicht auch ein biss­chen be­lieb­ter. Ich hat­te kei­nen Bock auf die­sen gan­zen Gangs­ter-scheiß, der dich im Vier­tel auch be­liebt hät­te ma­chen kön­nen. Da­für war mein Ad­re­na­lin­haus­halt hoch ge­nug, ich brauch­te das

Ich hat­te kei­nen Bock auf die­sen gan­zen Gangs­ter-scheiß.

nicht. Dann ha­be ich ge­merkt, dass ich nicht sin­gen kann, sonst wä­re ich wahr­schein­lich in ei­ner Boy­band ge­we­sen, weil das da­mals zu der Zeit die An­ge­sag­tes­ten wa­ren. Dann kam der Rap um die Ecke.

Ich ha­be Bu­shi­do mal ge­fragt, war­um er da­mals mit dem Gangs­ta-rap an­ge­fan­gen hat und er sag­te: „Ja gut, du fragst ei­nen Ele­fan­ten auch nicht, war­um er sich so ver­hält wie ein Ele­fant, weil man ein­fach so ist.“War das bei dir auch so oder war das ein Stil­mit­tel für dich?

Ich ha­be ja kei­nen Gangs­ta-rap ge­macht, al­so das muss man un­ter­schei­den. Ich ha­be auch nie er­zählt, ich ver­kau­fe ir­gend­was an ir­gend­wen. Mir war auch im­mer wich­tig, dass ich mich nicht grö­ßer ma­che, als ich bin. Ich ha­be es im­mer als Stra­ßen­rap be­ti­telt, ich bin eben ein Jun­ge von der Stra­ße ge­we­sen und das war mei-

ne Muk­ke. Ich ha­be nie sowas er­zählt wie: „Ich schla­ge euch zu­sam­men“oder „Ich ver­kau­fe vie­le Gramm an ir­gend­wen und fah­re rü­ber nach Hol­land über die Gren­ze“oder ir­gend so ei­nen Schwach­sinn, was die eben al­le er­zäh­len. Ich woll­te nie Un­sinn re­den, son­dern au­then­tisch sein. Des­we­gen kannst du ei­nen Lö­wen nicht fra­gen, war­um er so ist, der ist so.

Du bist heu­te nicht nur Künst­ler, son­dern auch Un­ter­neh­mer. Wie sehr liegt dir Bu­si­ness am Her­zen? Al­so dei­ne Tat­too-stu­di­os und all sol­che Sa­chen?

Ich ha­be kei­ne Tat­too-stu­di­os mehr. Mitt­ler­wei­le ha­be ich ei­ne an­de­re Fir­ma, die heißt Ea­sy Me­al. Da ver­trei­ben wir ge­sun­des Es­sen, Vod­ka, Gin und so wei­ter. Und ich ha­be ei­ne Plat­ten­fir­ma. Ich bin da so rea­lis­tisch, wie man nur sein kann, dass mei­ne Kar­rie­re ei­nes Ta­ges vor­bei sein wird. Dar­über war ich mir schon im­mer ge­wiss. Von mir aus ma­che ich noch bis zum En­de ir­gend­was. Mit 50 wer­de ich wahr­schein­lich nicht mehr Rap­pen, aber ir­gend­wo wür­de ich schon Mu­sik ma­chen. Nur ir­gend­wann wird sich wahr­schein­lich kei­ner mehr für mich in­ter­es­sie­ren. Das wird pas­sie­ren. Und die Zei­ten wer­den im­mer schnel­ler, dass kann so­gar schon dem­nächst sein, al­so brau­che ich ja ir­gend­was für da­nach.

Macht dir das dann trotz­dem Spaß, al­so kannst du auch da ei­ne Lei­den­schaft ent­wi­ckeln oder ist das tat­säch­lich ei­ne Sa­che, wo man sagt: „Na­ja, Geld muss ich ja ver­die­nen“?

Ich ma­che nur Sa­chen, für die ich wirk­lich die Lei­den­schaft ent­wi­ckeln kann. Zum Bei­spiel ist CBD ei­ne Sa­che, für die ich mich jetzt sehr in­ter­es­sie­re und in die ich un­be­dingt ein­stei­gen möch­te. Ge­sun­des Es­sen, da­für in­ter­es­sie­re ich mich sehr und es ist mir sehr wich­tig, kei­nen Müll, wie ab­ge­pack­tes Fleisch, zu es­sen. Ich ver­su­che da bei Leu­ten ein ge­wis­ses Be­wusst­sein zu schaf­fen. Frü­her konn­te ich es mir nicht leis­ten. Da hat man dann ‘ne Pa­ckung Nu­deln ge­ges­sen und war glück­lich für den Tag. Da war das egal, man konn­te sich über sowas nicht so rich­tig ‘nen Kopf ma­chen. Aber es ist nicht teu­er, sich ge­sund zu er­näh­ren und das ist ganz wich­tig. Man soll­te das den Leu­ten sa­gen.

Wann hast du das mit Ea­sy Me­al ge­macht? Wann ging das los?

Seit Ok­to­ber ist die Fir­ma on­li­ne, aber es gab sie schon an­dert­halb Jah­re vor­her. Man ar­bei­tet ja lan­ge be­vor man über­haupt on­li­ne geht.

War das ei­ne ge­mein­sa­me Idee oder bist du als In­ves­tor ein­ge­stie­gen?

Das war ein Start-up, das mit der Idee zu uns kam. Aber ent­wi­ckelt ha­ben wir das dann al­le zu­sam­men. Die Idee reicht ja nicht.

Aber dann müs­sen die ja auch ir­gend­wie aus dem Mu­sik­sek­tor ge­kom­men sein oder wie kommt man an dich ran als In­ves­tor? Oder hast du ei­ne In­vest­ment­fir­ma?

Nö, aber das kriegt man schon hin.

Jetzt mal zum The­ma X Fac­tor: Für dei­nen mu­si­ka­li­schen Auf­stieg muss­test du hart kämp­fen. Kön­nen sol­che Cas­ting­shows auch ver­hin­dern, dass man sich erst­mal über Jah­re ent­wi­ckelt und sich ein di­ckes Fell zu­legt? Ja, da hast du recht. Es ist schwer, aber ich muss sa­gen, ich ha­be mehr Re­spekt vor je­man­dem, der sich sei­nen Er­folg schwer er­kämpft hat. Na­tür­lich ist es in den Cas­ting­shows auch nicht ein­fach, weil du auch der bes­te von al­len sein musst, die da kom­men. Aber der Weg ist eben sehr kurz und die Zeit da­nach ist dann sehr schwie­rig. Wirst du ins kal­te Was­ser ge­schmis­sen und al­lei­ne ge­las­sen? Oder bleibt je­mand bei dir und du hast ei­nen gu­ten Ma­na­ger, der dich be­rät? Das sind al­les Sa­chen, die du kei­ne Zeit hast zu ler­nen. Die musst du jetzt ganz schnell drauf­krie­gen. Und da­zu brauchst du Be­ra­ter.

Aber dann bist du doch schon in der Si­tua­ti­on, so­zu­sa­gen in Wat­te ge­packt zu sein. Du machst dann ei­gent­lich gar kei­ne Feh­ler mehr, weil du ei­nen per­fek­ten Ma­na­ger hast.

Du suchst dir ja das Team sel­ber aus, dir wird ja nicht auf­ge­zwun­gen, wer dein Ma­na­ger sein soll. Du suchst es dir aus und da

Ich ma­che nur Sa­chen, für die ich wirk­lich Lei­den­schaft ent­wi­ckeln kann.

kannst du Feh­ler ma­chen, dir ein fal­sches Team aus­su­chen. Ich ha­be auch ein Team, oh­ne geht es nicht.

Du teilst ja aus und steckst aber auch viel ein. Wie geht man so mit Kri­tik im gro­ßen Stil um?

Man muss sich ganz be­wusst über sei­nen Stand­punkt sein. Wenn man ganz ehr­lich mit sich sein kann und sich be­wusst ist, dass es im­mer je­man­den gibt, der coo­ler, bes­ser, schö­ner, rei­cher und kras­ser ist als du und weiß, wo man ge­nau steht, dann kann dir kei­ne Kri­tik der Welt was an­ha­ben. Du darfst dich nicht grö­ßer se­hen, als du bist. Dann kann dich je­mand schon ver­let­zen, wenn er sagt, dass dei­ne Uhr voll bil­lig ist. Das ver­letzt dich, weil du denkst: „Boah, ich bin doch so reich.“Aber du musst ein­fach wis­sen, wo du stehst und dass es im­mer rei­che­re Leu­te gibt. Du kaufst dir ein Boot für zwei Mil­lio­nen und ei­nen Tag spä­ter fährt ei­ner mit ei­nem Boot für zehn Mil­lio­nen an dei­nem Boot vor­bei.

Ist das ein even­tu­el­les Pro­blem der Cas­ting­shows? Die Teil­neh­mer wa­ren nicht so wie du frü­her in der Hood und wur­den run­ter­ge­macht oder kri­ti­siert. Ihr legt euch über die Jah­re ein har­tes Fell zu und in ei­ner Cas­ting­show wird man gleich zum Er­folg und auf die Ti­tel­sei­ten ka­ta­pul­tiert.

Trotz­dem reich, trotz­dem be­rühmt und trotz­dem wahr­schein­lich al­les, was man sich je er­träumt hat. Die er­träu­men sich ja nicht den Weg da­hin, die er­träu­men sich nur das, was sie am En­de ha­ben. Wenn es funk­tio­niert, ha­ben die das al­les, oh­ne den lan­gen Weg. Re­spekt ha­ben sie sich trotz­dem ver­dient. Und sie ha­ben al­les, wo­von sie ge­träumt ha­ben, als sie zu die­sem Cas­ting ge­kom­men sind. Al­so nichts zu me­ckern.

Gibt es da ein Er­folgs­ge­heim­nis von Si­do oder ein Prin­zip, dem du sel­ber ver­suchst im­mer treu zu blei­ben? Du hast eben schon über Cha­rak­ter ge­re­det.

Ehr­lich sein. Im­mer ehr­lich sein und lie­ber ei­ne Sa­che nicht an­spre­chen, wenn du weißt, es könn­te je­man­den ver­let­zen. Das ha­be ich ge­lernt.

Du darfst dich nicht grö­ßer se­hen, als du bist.

Im­mer ehr­lich sein und lie­ber ei­ne Sa­che nicht an­spre­chen, wenn du weißt, es könn­te je­man­den ver­let­zen.

SI­DO und Ju­li­en Back­haus un­ter­hiel­ten sich über Rap, das Le­ben und Ge­schäf­te.

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