VOLL

Kaum ei­ne Rei­se ist so span­nend wie die mit dem Zug. Ob in den Al­pen oder An­den, durch Russ­land oder Ka­na­da – wer ein Land auf Glei­sen er­kun­det, sieht ein­fach mehr. Ant­ho­ny Lam­bert hat für Sie die spek­ta­ku­lärs­ten Zugreisen der Welt zu­sam­men­ge­stellt

Food and Travel (Germany) - - Aktivreisen -

GLAS­GOW—MALLAIG,

SCHOTT­LAND

Auf die­ser Zug­rei­se er­kun­den Sie auf ein­spu­ri­gen Glei­sen die sa­gen­um­wo­be­ne Land­schaft der schot­ti­schen West­küs­te. Gleich hin­ter Glas­gow ist der Fluss Cly­de zu se­hen, ab Crai­gen­do­ran bie­tet die West-High­land-Li­ne fan­tas­ti­sche Aus­bli­cke auf Ber­ge, Moo­re und Se­en. Hier sind Ge­schich­ten wie die des Volks­hel­den Rob Roy zu Hau­se, und auch der Ro­man Kid­nap­ped von Ro­bert Lou­is Ste­ven­sons spielt in der ein­sa­men Land­schaft des Ran­noch Moors. Nach Loch Lo­mond und Loch Tu­lia geht es 51 Ki­lo­me­ter lang durch ma­jes­tä­ti­sche Wild­nis vor­bei am rei­ßen­den Fluss Mon­es­sie Gor­ges und dem Berg Ben Ne­vis bis nach Fort Wil­li­am. Hier kehrt der Zug um und fährt am Loch Eil ent­lang. Vor­bei an idyl­lisch-ma­le­ri­schen Pan­ora­men geht es über den aus den Har­ry Pot­ter-Fil­men be­kann­ten Glen­finn­an-Via­dukt, von wo aus das Glen­finn­an-Mo­nu­ment zu se­hen ist. Es kenn­zeich­net den Ort, an dem der be­rühm­te Bon­nie Prin­ce Char­lie im Jahr 1745 sei­ne Flag­ge hiss­te. Vor der An­kunft im Fi­scher­ha­fen von Mallaig ver­zau­bert der Blick auf den wei­ßen Sand­strand und den Mee­res­arm, der zu den In­seln Muck, Eigg und Rum führt. DE­TAILS Über sco­trail.co.uk gibt es Ti­ckets be­reits ab et­wa 40 Eu­ro pro Per­son. Die Rei­se­zeit be­trägt et­was über fünf St­un­den. Im be­lieb­ten Ja­co­b­iteDampf­zug geht es zum Preis von rund 35 Eu­ro von Fort Wil­li­ams nach Mallaig, west­co­as­trail­ways.co.uk

MOS­KAU—WLADIWOSTOK, RUSS­LAND

Es gibt wohl kaum ei­ne an­de­re Zug­rei­se, die so be­kannt ist wie die mit der Trans­si­bi­ri­schen Ei­sen­bahn. Und ja, die ge­fühl­te Gren­zen­lo­sig­keit der Step­pen- und Tai­ga-Land­schaf­ten ist wirk­lich mehr als be­ein­dru­ckend. Wer nicht das Glück hat, mit dem Lu­xus­zug Gol­den Eag­le fah­ren zu kön­nen (über gol­de­nea­gle­lu­xu­ry­trains.com ab 15 195 Eu­ro p. P.), soll­te die 9288 Ki­lo­me­ter auf meh­re­re Etap­pen ver­tei­len. Kein Pro­blem, denn die­sel­be Stre­cke wird von di­ver­sen Re­gio­nal­zü­gen be­dient. Be­son­ders se­hens­wert sind Je­ka­te­r­in­burg und Ir­kutsk. Hier se­hen Sie ei­nen der als Mu­se­ums­stü­cke er­hal­te­nen Eis­bre­cher, die vor der Fer­tig­stel­lung der Ei­sen­bahn­li­nie im Ein­satz wa­ren. Der wohl ma­le­rischs­te Teil der Rei­se ist der kurz nach der Ab­fahrt aus Ir­kutsk, wenn der Zug über ei­ne Berg­ket­te fährt und den Blick auf den Bai­kal­see frei­gibt. Im An­schluss fährt er 200 Ki­lo­me­ter am Was­ser ent­lang durch un­end­lich wir­ken­de Wäl­der, vor­bei an Ber­gen und durch die Tai­ga des Bai­kal-Le­na-Na­tur­re­ser­vats. DE­TAILS Der Ver­an­stal­ter Ler­n­idee Er­leb­nis­rei­sen bie­tet ei­ne 17tä­gi­ge Rei­se mit Klos­ter­be­su­chen, Wod­ka-Pro­ben und Ex­kur­sio­nen ab 4650 Eu­ro p. P. inkl. Flug und Un­ter­kunft an, ler­n­idee.de

„Der wohl ma­le­rischs­te Teil der Rei­se ist der kurz nach der Ab­fahrt aus Ir­kutsk, wenn der Zug über ei­ne klei­ne Berg­ket­te fährt und den Blick auf den Bai­kal­see frei­gibt“

LI­MA—HUANCAYO, PE­RU

Vor dem Bau der Lha­sa-Bahn war die­se Stre­cke über die An­den die welt­weit höchs­te, die man mit ei­nem Per­so­nen­zug be­fah­ren konn­te: Auf 4780 Me­ter geht es nach oben – da kann es ei­nem schon mal schwin­de­lig wer­den. Da­für sind me­di­zi­ni­sche Be­glei­ter an Bord, die Sie bei Be­darf mit Sau­er­stoff ver­sor­gen. Die Er­rich­tung der Bahn­li­nie war müh­sam: Meh­re­re Spitz­keh­ren wa­ren nö­tig, da­mit der Zug die Hän­ge auf Zick­zack-Rou­ten hin­auf­fah­ren kann – mal vor­wärts, mal rück­wärts. Zu­dem wur­den zahl­rei­che Tun­nel und Brü­cken ge­baut, an man­chen Stel­len di­rekt hin­ter­ein­an­der, so­dass der Zug aus dem Dun­keln kom­mend di­rekt über ei­nen Ab­grund fährt. Ner­ven­kit­zel pur! Die pe­rua­ni­sche Zen­tral­bahn fährt zwar nur ein­bis zwei­mal im Mo­nat, doch es lohnt sich, das Er­leb­nis in die Pe­ruRei­se ein­zu­pla­nen. Be­wun­dern Sie die An­den von den Glei­sen aus und las­sen Sie sich Ga­le­ra, ei­ner der höchst­ge­le­ge­nen Bahn­hö­fe der Welt, nicht ent­ge­hen. Die Aus­sicht ist ein­ma­lig.

DE­TAILS Ei­ne ein­fa­che Fahr­kar­te für die sie­ben­stün­di­ge Zug­rei­se von Li­ma nach Huancayo gibt es ab 140 Eu­ro – mit Rück­fahr­kar­te sind es et­wa 196 Eu­ro, fer­ro­car­rilcen­tral.com.pe

ADE­LAI­DE—DAR­WIN, AUS­TRA­LI­EN

Sei­nen Na­men ver­dankt das so­ge­nann­te Red Cent­re dem ro­ten Sand, der ei­ne Flä­che von der Grö­ße Eu­ro­pas be­deckt. Die Halb­wüs­te im süd­li­chen Nort­hern Ter­ri­to­ry Aus­tra­li­ens lässt sich am bes­ten auf die­ser zwei­tä­gi­gen Tour er­kun­den.

Im 19. Jahr­hun­dert durch­quer­ten Ka­mel­trei­ber aus Af­gha­nis­tan die­se aus­ge­dörr­te Land­schaft – nach ih­nen ist der Zug be­nannt, der zwi­schen Ade­lai­de und Dar­win fährt: the (Af-)Ghan. Vom äu­ßers­ten Sü­den bis ganz in den Nor­den führt die­se Rei­se quer durch Down Un­der. Bu­chen Sie den Pla­ti­num-Ser­vice, um First-Clas­sAn­nehm­lich­kei­ten wie über­gro­ße Pan­ora­ma­fens­ter, in­di­vi­du­el­len Ka­bi­nen­ser­vice und ei­nen ex­klu­si­ven Spei­se­wa­gen an Bord zu ge­nie­ßen. Im Preis au­ßer­dem ent­hal­ten sind al­le Aus­flü­ge, die wäh­rend der fünf Zwi­schen­stopps in Port Au­gus­ta, Tar­coo­la, Ali­ce Springs und Tenant Creek un­ter­nom­men wer­den. Kurz vor En­de der Rei­se hält der Zug in Ka­the­ri­ne, wo Sie ei­ne Boots­tour über den gleich­na­mi­gen Fluss, um­ge­ben von Fels­wän­den, er­war­tet. Au­gen of­fen hal­ten: Manch­mal tau­chen auch Kro­ko­di­le auf.

DE­TAILS Rei­se­zeit: 50 St­un­den. Ti­ckets für die Fahrt von Ade­lai­de nach Dar­win mit Plan­ti­num-Ser­vice ab et­wa 2900 Eu­ro p. P., buch­bar über die eu­ro­päi­sche RailAus­tra­lia-Ver­tre­tung, railaus­tra­lia.eu

OS­LO—BER­GEN, NOR­WE­GEN

Ei­ne der wohl aben­teu­er­lichs­ten Zug­stre­cken Eu­ro­pas führt mit­ten durch die raue Na­tur Nor­we­gens: Mit der Ber­gen­bahn ver­las­sen Sie Os­lo in Rich­tung My­dral, von wo die Flåm­bahn bis an den Aur­lands­fjord führt. 200 Ki­lo­me­ter ins Lan­des­in­ne­re reicht die­ser so­ge­nann­te Kö­nig der Fjor­de – fast die ge­sam­te Fahrt lang kön­nen Sie al­so den herr­lich ent­span­nen­den Blick aufs Was­ser ge­nie­ßen. Hal­ten Sie da­bei aber auch un­be­dingt Aus­schau nach den tra­di­tio­nell­u­ri­gen Holz­hüt­ten, die wie Farb­tup­fer in der Land­schaft lie­gen und im Win­ter Ski­fah­rer, im Som­mer Wan­de­rer be­her­ber­gen.

Nach ei­ner Nacht in dem Fjord-Städt­chen Flåm wird die Na­tur auf dem Weg nach Ber­gen rau­er – so rau, dass die Re­gi­on als Kulisse für den Eis­pla­ne­ten Hoth im Film Star Wars – Das Im­pe­ri­um schlägt zu­rück dien­te. Die Stadt Ber­gen lie­fert mit ih­ren Holz­häu­sern und dem bun­ten Fisch­markt je­doch ei­ne far­ben­fro­he Ent­schä­di­gung für die spek­ta­ku­lä­re, wenn auch kar­ge An­fahrt. DE­TAILS Der­tour bie­tet sechs­tä­gi­ge Rei­sen mit dem Schiff und der Ber­gen­bahn ab 1300 Eu­ro p. P. an, der­tour.de

„Von Ade­lai­de im Sü­den des Lan­des bis nach Dar­win ganz im Nor­den führt die Rei­se mit dem Ghan quer durch Down Un­der“

ZERMATT—ST. MO­RITZ, SCHWEIZ

Der Schmal­spur­zug Gla­cier Ex­press mit sei­nen Pan­ora­ma-Fens­tern ist un­ter Tou­ris­ten und Lo­cals glei­cher­ma­ßen ei­ner der be­lieb­tes­ten Zü­ge in der Schweiz, viel­leicht so­gar in ganz Eu­ro­pa – und zwar zu Recht. Be­son­ders spek­ta­ku­lä­re Aus­bli­cke bie­ten sich Ih­nen bei der Fahrt auf der Al­bula­li­nie, die über zahl­rei­che Via­duk­te führt und seit 2008 zum Unesco-Welt­kul­tur­er­be ge­hört. Aber auch der Rest der Rei­se kann da lo­cker mit­hal­ten: Berg-Pan­ora­men und un­be­rühr­te Na­tur wo­hin man sieht. Über ei­nen Au­dio-Gui­de er­fah­ren Sie zu­dem die wich­tigs­ten Stre­cken­in­for­ma­tio­nen, da­mit Sie kei­nes der High­lights, wie et­wa den 65 Me­ter ho­hen Land­was­ser-Via­dukt oder das wei­ße Be­ne­dik­ti­ner-Kloster Di­sen­tis, ver­pas­sen. Auf Wunsch wer­den da­zu ein re­gio­na­les Drei-Gän­ge-Me­nü so­wie Wei­ne aus der Berg­re­gi­on di­rekt am Sitz­platz ser­viert.

DE­TAILS Rei­se­zeit: et­wa acht St­un­den. Ein ein­fa­ches Ti­cket von Zermatt nach St. Mo­ritz gibt es ab et­wa 140 Eu­ro p. P., swit­z­er­land­tra­vel­cen­ter.de

HAR­ZER BER­GE, DEUTSCH­LAND

Die Rä­der rat­tern über die Glei­se, Dampf steigt em­por. Als wä­re sie ge­ra­de ei­ner Zeit vor der un­se­ren ent­sprun­gen, schlän­gelt sich die Schmal­spur­bahn durch die Har­zer Ber­ge. Auf der klei­nen Platt­form zwi­schen zwei Wag­gons zu ste­hen, wäh­rend die viel­fäl­ti­ge Na­tur des Mit­tel­ge­bir­ges vor­bei­zieht, ist ein wahr­lich ein­ma­li­ges Er­leb­nis. Bis hin­auf auf den Bro­cken, den höchs­ten Berg Nord­deutsch­lands, geht die nost­al­gi­sche Fahrt durch grü­ne Fich­ten-Wäl­der. Mit über ei­ner Mil­li­on Fahr­gäs­ten pro Jahr ist die Har­zer Schmal­spur­bahn mit ih­ren 25 Damp­fund sechs Die­sel-Lo­ko­mo­ti­ven so­wie zehn Trieb­wa­gen so­wohl für Tou­ris­ten als auch für Ein­hei­mi­sche ein be­lieb­tes Fort­be­we­gungs­mit­tel. Ei­ni­ge der Zü­ge ver­fü­gen über Bis­tro­wa­gen, und an vie­len Bahn­sta­tio­nen fin­den sich Gast­stät­ten, in de­nen re­gio­na­le Ge­rich­te ser­viert wer­den.

Die Harz­quer­bahn, ei­ne von drei Bahn­stre­cken der Har­zer Schmal­spur­bahn, führt in das klei­ne Ört­chen Wer­ni­ge­ro­de. Seit dem 12. Jahr­hun­dert thront das Schloss Wer­ni­ge­ro­de, zu­nächst als mit­tel­al­ter­li­che Burg er­baut und spä­ter zum Schloss um­ge­baut, über der Stadt. Nicht ver­pas­sen: die be­rühm­ten Wein-Ter­ras­sen.

DE­TAILS Rei­se­zeit: et­wa zwei St­un­den. Ein ein­fa­ches Ti­cket von al­len Sta­tio­nen der Har­zer Schmal­spur­bahn bis zum Bro­cken gibt es schon ab 27 Eu­ro, hsb-wr.de

„Auf der klei­nen Platt­form zwi­schen zwei Wag­gons zu ste­hen, wäh­rend die viel­fäl­ti­ge Na­tur des Mit­tel­ge­bir­ges vor­bei­zieht, ist ein wahr­lich ein­ma­li­ges Er­leb­nis“

Das knapp 500 Ki­lo­me­ter lan­ge Schie­nen­netz im Her­zen Ecua­dors wur­de über vie­le Jah­re hin­weg sträf­lich ver­nach­läs­sigt, be­vor es 2013 kom­plett sa­niert wur­de und mit dem Pan­ora­ma­zug Tren Cru­ce­ro zum ab­so­lu­ten Tou­ris­ten-High­light avan­cier­te. Der Zug wur­de in Spa­ni­en ge­baut und ver­fügt ne­ben ei­ner Lounge und ei­ge­ner Bar auch über ei­ne of­fe­ne Veran­da für Hob­by- oder Pro­fi-Fo­to­gra­fen. Ei­ne vier­tä­gi­ge Rei­se mit Start im Ha­fen von Guayaquil führt durch die sie­ben ver­schie­de­nen Kli­ma­zo­nen des Lan­des. Die Näch­te ver­brin­gen Sie in teils his­to­ri­schen Ho­tels wie der Ha­ci­en­da La Cié­ne­ga aus dem Jah­re 1580.

Dass es die­se Stre­cke über­haupt gibt, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit: Meh­re­re Jahr­zehn­te dau­er­te es, bis ein USIn­ge­nieur 1908 in der teils un­zu­gäng­li­chen Land­schaft Ecua­dors end­lich ei­ne Stre­cke fand, die über­haupt be­fah­ren wer­den konn­te. Sie führt noch heu­te ent­lang von Flüs­sen durch schma­le Tä­ler und schwin­del­er­re­gen­de Kur­ven. Hö­he­punkt der Rou­te ist die Zick­zack-Fahrt hin­auf auf den Berg Na­ríz del Dia­blo, der Teu­fels­na­se. Zu­dem er­war­tet Sie je­den Tag ein Aus­flug: Spa­zie­ren Sie ent­lang der Lim­pio­pun­go-La­gu­ne oder pro­bie­ren Sie He­la­do de Pai­la – ein Spei­se­eis, das aus dem Glet­scher­eis des in­ak­ti­ven Vul­kans Chim­bo­ra­zo her­ge­stellt wird.

DE­TAILS Pa­pa­ya Tours bie­tet ei­ne vier­tä­gi­ge Rei­se ab 1505 Eu­ro p. P. im DZ inkl. al­ler Aus­flü­ge an. Diens­tags star­tet sie in Quito, sonn­tags in Guayaquil, pa­pa­ya­tours.de

Grü­ne Fich­ten be­wal­den groß­flä­chig die Har­zer Ber­ge

Mit dem Ghan ein­mal quer durch das aus­tra­li­sche Red Cent­re

Von links nach rechts: die Han­se­stadt Ber­gen; Ca­fés in Os­lo; bun­tes Ber­gen

Die­se Sei­te, im Uhr­zei­ger­sinn von oben: Die An­den bil­den ein Tor; Endstation Huancayo; der Zug schlän­gelt sich durch die rie­si­gen Ber­ge

Mit der Ei­sen­bahn Dör­fer und Kul­tu­ren ent­de­cken

Der Tren Cru­ce­ro fährt durch sie­ben Kli­ma­zo­nen

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