Gas ge­ben, falls man VW-Ak­ti­en hat

Al­le Ak­tio­nä­re, die auf­grund des Die­sel-Ab­gas­be­trugs mit Volks­wa­gen-Pa­pie­ren Geld ver­lo­ren ha­ben, soll­ten sich spu­ten. Es lau­fen wich­ti­ge Fris­ten ab. Wer An­sprü­che gel­tend ma­chen will, hat nicht mehr viel Zeit

Friedberger Allgemeine - - Geld & Leben -

Die Die­sel­ga­te-Af­fä­re des VWKon­zerns hat im Jah­re 2015 die Öf­fent­lich­keit er­schüt­tert. Es kam her­aus, dass Volks­wa­gen ei­ne ma­ni­pu­lier­te Soft­ware ein­ge­setzt hat, um die Die­sel­ab­gas­wer­te in den USA, aber auch auf der gan­zen Welt nach un­ten zu ma­ni­pu­lie­ren. Der Vor­wurf be­steht, dass VW sehr viel frü­her wuss­te, dass es Ma­ni­pu­la­tio­nen an der Soft­ware der Mo­to­ren gab, aber hier­über die Öf­fent­lich­keit nicht in­for­miert hat. So äu­ßert sich auch die öf­fent­li­che An­kla­ge­er­he­bung durch die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft New York, die ih­re Kla­ge­schrift auf In­for­ma­tio­nen der Kanz­lei Jo­nes Day stützt, die En­de Sep­tem­ber 2015 vom Auf­sichts­rat der Volks­wa­gen AG be­auf­tragt wor­den war, die „Die­sel-The­ma­tik“zu un­ter­su­chen. Da­mit nicht ge­nug, auch die Straf­an­zei­ge der Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (Ba­fin) ge­gen ExVW-Chef Mar­tin Win­ter­korn so­wie ei­ne wei­te­re Per­son bei der Staats­an­walt­schaft Braunschweig sind die­ser An­sicht. Der bei­spiel­lo­se Ab­sturz der VW-Ak­tie am 21. Sep­tem­ber 2015 zeig­te deut­lich, wel­chen Ver­trau­ens­ver­lust die­ses Schwei­gen mit sich brach­te. Der Kurs der VW-Vor­zugs­ak­tie stürz­te bis auf 106,00 Eu­ro. Vie­le Ak­tio­nä­re wol­len ih­re Kurs­ver­lus­te von VW er­setzt be­kom­men.

Die Hoff­nung war, dass VW wie in den USA ei­ne au­ßer­ge­richt­li­che Ei­ni­gung den deut­schen Ak­tio­nä­ren an­bie­ten wird. Da­von ist nicht aus­zu­ge­hen! VW hat aus­drück­lich er­klärt, dass es güt­li­chen Ei­ni­gun­gen oder Sch­lich­tungs­ver­fah­ren nicht bei­tre­ten wird. Des­halb müs­sen Ak­tio­nä­re nun selbst ak­tiv wer­den. Da­bei ist der maß­geb­li­che Zeit­punkt für ei­ne Ver­jäh­rung von An­sprü­chen der 18. Sep­tem­ber 2016. Al­le Ak­tio­nä­re müs­sen ih­re An­sprü­che spä­tes­tens bis zum 19. Sep­tem­ber 2016 an­mel­den.

Die Gel­tend­ma­chung von An­sprü­chen kann nur im Rah­men ei­nes Scha­dens­er­satz­pro­zes­ses beim Land­ge­richt er­fol­gen. Die Ein­lei­tung ei­nes Schieds­ver­fah­rens oder ei­nes Gü­te­ver­fah­rens wird vor­aus­sicht­lich nicht fris­t­hem­mend sein, da VW be­reits mehr­fach er­klärt hat, dar­an nicht teil­zu­neh­men. Auch die für die An­le­ger kos­ten­güns­ti­ge­re Va­ri­an­te, sich ei­nem Mus­ter­ver­fah­ren an­zu­schlie­ßen, wird nicht recht­zei­tig mög­lich sein. Das neue Ka­pi­tal­mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz sieht grund­sätz­lich die Mög­lich­keit für Ak­tio­nä­re vor, sich ei­nem Mus­ter­ver­fah­ren an­zu­schlie­ßen und da­mit die Ver­jäh­rungs­fris­ten zu hem­men. Not­wen­dig ist da­für aber, dass das Mus­ter­ver­fah­ren er­öff­net ist. Lei­der ist nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die­se Er­öff­nung vor dem 18. Sep­tem­ber 2016 statt­fin­den wird. Das Land­ge­richt Braunschweig hat zwar das Mus­ter­ver­fah­ren in die We­ge ge­lei­tet. Der Er­öff­nungs­be­schluss wird aber ver­mut­lich nicht recht­zei­tig vor- lie­gen. Des­halb soll­ten sich al­le Ak­tio­nä­re von ei­nem im Bank- und Ka­pi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten An­walt be­ra­ten las­sen und ih­re An­sprü­che an­mel­den. So­weit die Ak­tio­nä­re rechts­schutz­ver­si­chert sind, über­neh­men je­den­falls teil­wei­se auch Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen die Kos­ten. Hier hilft es, wenn der An­le­ger sich recht­zei­tig mit sei­ner Rechts­schutz­ver­si­che­rung in Ver­bin­dung setzt, um prü­fen zu las­sen, ob die Kos­ten ge­deckt sind.

Da­nie­la Berg­dolt ist Fach­an­wäl­tin für Ka­pi­tal­markt­recht und Vi­ze­prä­si­den­tin der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz.

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