Vier von fünf Putz­hil­fen wer­den il­le­gal be­schäf­tigt

Stu­die Da­bei ist es nicht deut­lich teu­rer, die Kräf­te an­zu­mel­den. So klappt das mit der le­ga­len Be­schäf­ti­gung

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite -

Köln Un­ge­ach­tet der Be­mü­hun­gen um mehr Mi­ni-Jobs in deut­schen Pri­vat­haus­hal­ten, ar­bei­tet die über­wie­gen­de Mehr­heit der Putz­hil­fen ei­ner Stu­die zu­fol­ge wei­ter schwarz. So wa­ren nach Be­rech­nun­gen des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts der deut­schen Wirtschaft rund 80 Pro­zent der Haus­halts­hil­fen – und da­mit et­wa drei Mil­lio­nen Men­schen – 2015 il­le­gal be­schäf­tigt.

Der Schwarz­ar­beit-Ex­per­te Fried­rich Schnei­der von der Uni Linz hält die Ein­schät­zung für rea­lis­tisch. Er ta­xiert die Sum­me der Ein­kom­men von Schwarz­ar­beit in deut­schen Haus­hal­ten in die­sem Jahr auf 25 bis 30 Mil­li­ar­den Eu­ro. Das Pro­blem ist für Schnei­der, dass Schwarz­ar­beit so­wohl Ar­beit­ge­bern wie Ar­beit­neh­mern Vor­tei­le bringt: Für Pri­vat­haus­hal­te sei es bil­li­ger, Hilfs­kräf­te schwarz zu be­schäf­ti­gen. Und für Hilfs­kräf­te steu­er­lich oft güns­ti­ger, den Zu­ver­dienst nicht an­zu­ge­ben. Zu­dem hät­ten bei­de Sei­ten ei­nen ge­rin­ge­ren bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand.

Das In­sti­tut der deut­schen Wirtschaft führt ei­nen wei­te­ren Punkt an: Haus­halts­hil­fen un­ter­stüt­zen über­wie­gend äl­te­re Men­schen und hel­fen bei Gut­ver­die­nern aus. Weil sie aber nicht in Voll­zeit ge­braucht sei­en nur re­la­tiv we­ni­ge von ih­nen of­fi­zi­ell re­gis­triert. Die­je­ni­gen, die als Haus­halts­hil­fe haupt­be­ruf­lich ar­bei­ten wol­len, schei­tern nach Darstel­lung des In­sti­tuts an der 450-Eu­ro-Gren­ze.

Wer sei­ne Putz­hil­fe an­mel­den will, soll­te sich an die Mi­ni­job-Zen­tra­le der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Knapp­schaft Bahn-See wen­den. Die Be­hör­de küm­mert sich um die Ab­wick­lung des Mel­de- und Bei­trags­ver­fah­rens. Bei Mi­ni-Jobs in Pri­vat­haus­hal­ten über­nimmt sie die An­mel­dung zur ge­setz­li­chen Un­fall­ver­si­che­rung und den Ein­zug der Bei­trä­ge für die So­zi­al­ver­si­che­rung.

Um sei­ne Putz­hil­fe an­zu­mel­den, braucht man ei­nen Haus­halts­scheck – er um­fasst ei­ne DIN-A4-Sei­te und kön­ne bin­nen we­ni­ger Mi­nu­ten aus­ge­füllt wer­den. Das For­mu­lar lässt sich bei der Mi­ni­job-Zen­tra­le un­ter der Te­le­fon­num­mer 0355/2902 70799 an­for­dern oder un­ter www.mi­ni­job-zen­tra­le.de her­un­ter­la­den. Der Vor­druck muss von Ar­wer­den, beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer un­ter­schrie­ben und an die Mi­ni­job-Zen­tra­le ge­schickt wer­den. Al­les an­de­re läuft dann au­to­ma­tisch.

Pri­va­te Ar­beit­ge­ber zah­len für Haus­halts­hil­fen nied­ri­ge­re Pau­schalbei­trä­ge als ge­werb­li­che Ar­beit­ge­ber für Mi­ni­job­ber. Fäl­lig wer­den je fünf Pro­zent zur Kran­ken­ver­si­che­rung und zur Ren­ten­ver­si­che­rung. Hin­zu kom­men 1,6 Pro­zent zur ge­setz­li­chen Un­fall­ver­si­che­rung, ge­ring­fü­gi­ge Um­la­gen zum Aus­gleich von Ar­beit­ge­be­rauch Auf­wen­dun­gen im Krank­heits­fall und bei Schwan­ger­schaft so­wie pau­schal zwei Pro­zent als Lohn­steu­er. Ins­ge­samt sind es höchs­tens 14,9 Pro­zent des Ar­beits­ent­gelts.

Wie viel teu­rer ei­ne le­gal be­schäf­tig­te Putz­frau ist, lässt sich mit dem Haus­halts­scheck-Rech­ner auf der In­ter­net­sei­te der Mi­ni­job-Zen­tra­le aus­rech­nen. Ver­dient die Haus­halts­hil­fe bei ei­ner ge­ring­fü­gi­gen Be­schäf­ti­gung die ma­xi­mal mög­li­chen 450 Eu­ro im Mo­nat, kos­tet sie zu­züg­lich al­ler Ab­ga­ben mo­nat­lich 517,05 Eu­ro – al­so 67,05 Eu­ro mehr als in Schwarz­ar­beit. Von der Sum­me kön­nen steu­er­zah­len­de Ar­beit­ge­ber 42,50 Eu­ro beim Fis­kus gel­tend ma­chen. Üb­rig bleibt ein Mehr­be­trag von 24,55 Eu­ro im Mo­nat. Be­kommt die Putz­frau 300 Eu­ro im Mo­nat, sind es für den Ar­beit­ge­ber 344,70 Eu­ro – und nach Ab­zug der 42,50 Eu­ro nur 2,20 Eu­ro im Mo­nat mehr als in Schwarz­ar­beit. Da­bei ist Schwarz­ar­beit im Haus­halt ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit. Es dro­hen Geld­bu­ßen von bis zu 5000 Eu­ro. Nach ei­ner An­mel­dung ist der Ar­beit­ge­ber durch die Un­fall­ver­si­che­rung zu­dem bei Ar­beits­un­fäl­len ab­ge­si­chert, et­wa wenn die Haus­halts­hil­fe beim Fens­ter­put­zen von der Lei­ter fällt. (dpa/afp)

Fo­to: Förs­ter­ling, dpa

Wer es sich leis­ten kann, lässt sei­ne Woh­nung oder sein Haus put­zen. Da­bei soll­te man die Ar­beits­kräf­te an­mel­den. Das kann den Be­tei­lig­ten viel Är­ger er­spa­ren, et­wa wenn sich ei­ne Hilfs­kraft bei ih­rer Tä­tig­keit im Haus­halt ver­letzt.

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