Sol­len At­ten­tä­ter in Bay­ern be­er­digt wer­den?

Nach Würz­burg und Ans­bach stellt sich erst­mals die­se Fra­ge. Was ein Ver­tre­ter der Mus­li­me dar­über denkt

Friedberger Allgemeine - - Bayern - Fo­to: Hil­den­brand, dpa

Er­lan­gen Den mut­maß­lich is­la­mis­ti­schen At­ten­tä­tern von Würz­burg und Ans­bach könn­te nach Ein­schät­zung des Zen­tral­rats der Mus­li­me in Deutsch­land ei­ne Be­er­di­gung auf ei­nem is­la­mi­schen Fried­hof ver­wehrt blei­ben. Da es ei­nen sol­chen Fall in Bay­ern bis­her nicht ge­ge­ben hat, sei der­zeit un­klar, wie sich die mus­li­mi­schen Ge­mein­den ver­hal­ten wer­den, sagt Mo­ha­med Abu El Qomsan, Bay­ern-Be­auf­trag­ter des Zen­tral­rats der Mus­li­me. „Soll­te aber an is­la­mi­sche Ge­mein­den in Bay­ern die Bit­te her­an­ge­tra­gen wer­den, ei­nen Selbst­mord­at­ten­tä­ter zu be­er­di­gen, dann wird es bei den Vor­stän­den si­cher­lich ei­ne gro­ße Dis­kus­si­on dar­über ge­ben.“

Er selbst ist der Auf­fas­sung, dass At­ten­tä­tern so­wohl ein Be­gräb­nis auf ei­nem is­la­mi­schen Fried­hof als auch ei­ne is­la­mi­sche Ze­re­mo­nie ver­wei­gert wer­den soll­te. Dann blei­be den An­ge­hö­ri­gen nur die Mög­lich­keit, den To­ten auf ei­nem öf­fent­li­chen Fried­hof bei­zu­set­zen.

Vor zwei Wo­chen hat­te ein 17-jäh­ri­ger Flücht­ling in ei­nem Re­gio­nal­zug bei Würz­burg meh­re­re Men­schen mit ei­ner Axt und ei­nem Mes­ser schwer ver­letzt und war an­schlie­ßend von Po­li­zis­ten er­schos­sen wor­den. In Ans­bach hat­te vor ei­ner Wo­che ein 27 Jah­re al­ter Sy­rer in der Nä­he ei­nes Mu­sik­fes­tes ei­ne Bom­be ge­zün­det und war da­bei ums Le­ben ge­kom­men. 15 Men­schen wur­den bei dem An­schlag ver­letzt. Wann es in bei­den Fäl­len zu ei­ner Be­stat­tung kom­men könn­te, ist noch nicht si­cher. Ei­ne Spre­che­rin der Bun­des­an­walt­schaft in Karls­ru­he sagt le­dig­lich, die Lei­chen der bei­den jun­gen Män­ner sei­en von den Er­mitt­lern noch nicht frei­ge­ge­ben. Wann dies der Fall sein wer­de, kann sie nicht sa­gen.

Das Land­rats­amt Würz­burg be­schäf­tigt sich be­reits grund­sätz­lich mit dem The­ma. Der­zeit müs­se ge­klärt wer­den, was mit den sterb­li­chen Über­res­ten des 17 Jah­re al­ten Flücht­lings ge­sche­hen könn­te, so­bald die­se frei­ge­ge­ben sind. „Wo und nach wel­chen Kri­te­ri­en wird er be­stat­tet und wer über­nimmt die Kos­ten da­für?“, nennt ei­ne Be­hör­den­spre­che­rin die Fra­gen, die dann zu klä­ren sei­en. Mög­li­cher­wei­se ge­be es auch ei­ne Fa­mi­lie, die den Leich­nam in das Hei­mat­land des Ju­gend­li­chen zu­rück­ho­len wol­le. Soll­te dies nicht der Fall sein, müs­se sich vor­aus­sicht­lich das Land­rats­amt um ei­ne Be­stat­tung küm­mern.

Zwei mut­maß­li­che An­ge­hö­ri­ge des Würz­bur­ger At­ten­tä­ters ha­ben sich bei der deut­schen Bot­schaft in Ka­bul ge­mel­det und ei­ne Über­füh­rung der Lei­che nach Af­gha­nis­tan be­an­tragt. Dies sag­te der lei­ten­de Würz­bur­ger Ober­staats­an­walt Bar­do Ba­ckert in der ver­gan­ge­nen Wo­che. Der 17-Jäh­ri­ge galt zu­nächst als Af­gha­ne. Spä­ter wur­den an sei­ner Na­tio­na­li­tät Zwei­fel laut. Zum Fall des Bom­ben­at­ten­tä­ters von Ans­bach konn­te ei­ne Spre­che­rin der Stadt zu­nächst nichts zu Über­le­gun­gen zu ei­ner Be­stat­tung sa­gen. (dpa)

Spu­ren ei­nes At­ten­tä­ters: die In­nen­stadt von Ans­bach.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.