Der Joker weint

Ten­nis Der Welt­rang­lis­ten-Ers­te Djo­ko­vic er­lebt wie­der ei­ne bit­te­re Plei­te. Er ist nicht der ein­zi­ge Fa­vo­rit, der früh schei­tert

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Mit ge­senk­tem Kopf kehr­te No­vak Djo­ko­vic auf ein­mal wie­der um. Nach sei­nem bit­te­ren Olym­pia-Aus in der ers­ten Run­de hat­te sich der Top­fa­vo­rit schon ei­ni­ge Me­ter an den fra­gen­den Re­por­tern vor­bei ge­ar­bei­tet, als er sei­ne Ge­füh­le nicht mehr kon­trol­lie­ren konn­te. Schon auf dem Cent­re Court hielt der Schütz­ling von Bo­ris Be­cker die Trä­nen nicht zu­rück. Zu schmerz­haft war das 6:7 (4:7), 6:7 (2:7) ge­gen den frü­he­ren US-OpenSie­ger Juan Mar­tín del Po­tro.

„Oh­ne Zwei­fel ist es ei­ne der bit­ters­ten Nie­der­la­gen in mei­nem Le­ben, in mei­ner Kar­rie­re“, sag­te der Bron­ze-Me­dail­len­ge­win­ner von 2008 we­nig spä­ter, als er sich ge­fan­gen hat­te und sich doch noch kurz wei­te­ren Fra­gen stell­te. „Es ist nicht leicht, da­mit um­zu­ge­hen. Die Wun­den sind noch frisch.“

Wie ein fai­rer Ver­lie­rer hat­te die Num­mer eins der Welt am Netz lan­ge und herz­lich sei­nen Kon­tra­hen­ten aus Ar­gen­ti­ni­en um­armt, der we­gen drei Hand­ge­lenks-Ope­ra­tio­nen ei­ne klei­ne Ewig­keit auf der Tour ge­fehlt hat­te.

Es war ein hoch­klas­si­ges Du­ell in ei­ner be­geis­tern­den At­mo­sphä­re, das sich die bei­den Ten­nis­pro­fis auf dem Cent­re Court lie­fer­ten. Bo­ris Be­cker ver­folg­te das Match in ser­bi­scher Team­klei­dung. In Rio be­treut die deut­sche Ten­nis-Iko­ne nicht nur Djo­ko­vic, son­dern die ge­sam­te ser­bi­sche Ten­nis-Mann­schaft.

Am spä­ten Sonn­tag­abend (Orts­zeit) konn­te er dem 12-fa­chen Grand-Slam-Sie­ger je­doch nicht viel hel­fen. Nur fünf Wo­chen nach dem sen­sa­tio­nel­len Dritt­run­den-Aus in Wim­ble­don muss das Er­folgs­ge­spann Djo­ko­vic/Be­cker die nächs­te her­be Ent­täu­schung ver­kraf­ten.

„Es ist nicht das ers­te oder das letz­te Mal, dass ich ein Ten­nis­Match ver­lie­re. Aber das bei den Olym­pi­schen Spie­len – das ist et­was kom­plett an­de­res“, sag­te der 29-Jäh­ri­ge. In Bra­si­li­en woll­te der Ten­nis-Star nichts an­de­res ho­len als Gold. Bis zu sei­ner Plei­te beim Ra­sen-Klas­si­ker in Lon­don galt Djo­ko­vic mo­na­te­lang als un­an­tast­bar. Der Per­fek­tio­nist hat­te nach­ein­an­der al­le vier Grand-Slam-Tur­nie­re für sich ent­schie­den und erst­mals auch bei den French Open in Pa­ris tri­um­phiert.

Der Ser­be selbst hielt al­les für mög­lich. Auch sei­ne Kon­kur­ren­ten trau­ten ihm zu, al­le vier wich­tigs­ten Ti­tel im Jahr 2016 ab­zu­räu­men. Oder gar den Gol­den Slam mit dem Olym­pia­sieg zu schaf­fen, der bis­lang nur St­ef­fi Graf ge­lang. Dann patz­te er in Wim­ble­don, jetzt schei­ter­te er an ei­nem gran­di­os auf­spie­len­den del Po­tro. Mit sei­ner Vor­hand stell­te der Ar­gen­ti­ni­er den Welt­rang­lis­ten­Ers­ten vor un­lös­ba­re Auf­ga­ben.

Djo­ko­vic war nicht der ein­zi­ge Fa­vo­rit, der früh schei­ter­te. So ha­ben Se­re­na und Ve­nus Wil­li­ams die Chan­ce auf ihr vier­tes Olym­pia­Gold im Dop­pel be­reits ver­spielt. Die Schwes­tern un­ter­la­gen Lu­cie Sa­fa­ro­va und Bar­bo­ra Stry­co­va aus Tsche­chi­en 3:6, 4:6. Für das Dop­pel Se­re­na und Ve­nus Wil­li­ams war es die ers­te Nie­der­la­ge bei Olym­pi­schen Spie­len, 2000, 2008 und 2012 hat­ten sie Gold ge­holt. Al­ler­dings spiel­te die 36-jäh­ri­ge Ve­nus mit ei­ner Vi­rus­er­kran­kung. Sie hat­te be­reits im Ein­zel ge­gen die Bel­gie­rin Kirs­ten Flip­kens ver­lo­ren.

Fo­to: Micha­el Reynolds, dpa

Ab­schied un­ter Trä­nen: No­vak Djo­ko­vic.

Fo­to: Pas­cal le Se­g­re­tain/Get­ty

Bo­ris Be­cker (im Ge­spräch mit Ana Iva­no­vic, Ehe­frau Bas­ti­an Schwein­stei­gers) ist in Rio als Trai­ner für das ser­bi­sche Team ak­tiv, wie sei­ner Ak­kre­di­tie­rung zu ent­neh­men ist (Bild un­ten).

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