Werth zieht an Klim­ke vor­bei

Das deut­sche Team holt Gold. Für des­sen rou­ti­nier­tes­te Rei­te­rin ist es der sechs­te Olym­pia­sieg – ei­ne neue Best­mar­ke. Die­se hat­te zu­vor ei­ne Le­gen­de ge­hal­ten

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Isa­bell Werth ball­te die Faust. Be­freit lä­chelnd ritt die 47 Jah­re al­te Rei­te­rin aus dem Dres­sur­vier­eck und fei­er­te mit dem deut­schen Team in Rio de Janei­ro die sechs­te Gold­me­dail­le in ih­rer bei­spiel­lo­sen Kar­rie­re. Da­durch ist sie die er­folg­reichs­te Rei­te­rin der Olym­pia-Ge­schich­te. Schon wäh­rend des Rit­tes im Grand Prix Spe­cial am Frei­tag muss­te sie im­mer wie­der lä­cheln. „Es ist heu­te op­ti­mal ge­lau­fen. Heu­te war der Tag der Ta­ge. Al­les hat ge­klappt“, sag­te die 47-Jäh­ri­ge aus Rhein­berg. „Da darf auch ein Lä­cheln ab­fal­len.“

Sie über­hol­te in der Re­kord­lis­te die 1999 ge­stor­be­ne Dres­sur-Le­gen­de Rei­ner Klim­ke. „Ich ha­be lie­ber ei­ne Gold­me­dail­le we­ni­ger und ei­fe­re mei­ner Oma mit 102 Jah­ren nach“, sag­te Werth, die den Re­kord „nicht so wich­tig“nimmt. Aber dass sie die Gold­me­dail­len mit drei un­ter­schied­li­chen Pfer­den ge­won­nen ha­be, „das macht mich stolz und ist mehr wert als vie­les an­de­res“.

Werth ritt mit Wei­he­gold ei­ne Run­de und er­hielt die Ta­ges­höchst­wer­tung. „Das war ei­ne per­fek­te Prü­fung von Wei­he“, lob­te sie ih­re Stu­te. Sie si­cher­te sich den Sieg zu­sam­men mit Kris­ti­na Br­ö­rin­gSpre­he aus Din­kla­ge mit De­spe­ra­dos, Do­ro­thee Schnei­der aus Fra­mers­heim mit Show­time und Sön­ke Rothenberger aus Bad Hom­burg mit Cos­mo.

Sil­ber hol­te Groß­bri­tan­ni­en. Bron­ze ging an die USA.

Die ers­ten Ju­bel­schreie gab es schon vor dem letz­ten Ritt der Kon­kur­renz. Die deut­sche Mann­schaft fei­er­te be­reits, als die Bri­tin Char­lot­te Du­jar­din mit Va­le­gro ein­ritt. So über­le­gen war das Team, dass der Sieg vor­zei­tig fest­stand. „Da fällt jetzt auch ei­ne Last ab. Bes­ser geht es nicht“, sag­te Bun­des­trai­ne­rin Mo­ni­ca Theo­do­res­cu mit Trä­nen in den Au­gen. „Ich bin über­wäl­tigt. Das ist noch gar nicht an­ge­kom­men.“

Die über­ra­gen­de deut­sche Rei­te­rin war wie­der ein­mal Werth. Sie hat bei fünf Olym­pia-Teil­nah­men seit 1992 nun sechs­mal Gold und drei­mal Sil­ber ge­won­nen. Sie über­flü­gel­te Klim­ke, der sechs­mal Olym­pia­sie­ger war und drei­mal Bron­ze hol­te. Die Pro­fi-Rei­te­rin sag­te zum Ver­gleich mit Klim­kes Er­fol­gen: „Es hört sich viel­leicht blöd an, aber für Sta­tis­ti­ken ha­be ich we­nig üb­rig.“

Be­gon­nen hat die glän­zen­de Kar­rie­re Werths vor 24 Jah­ren in Bar­ce­lo­na. Gi­go­lo trug die da­mals 23-Jäh­ri­ge zur ih­rer ers­ten Gold­me­dail­le mit der Mann­schaft. Vier Jah­re spä­ter in At­lan­ta gab es so­gar Dop­pel­Gold. Den bis­her letz­ten Olym­pia­sieg fei­er­te Werth 2008 in Hong­kong mit dem Team.

„Die Gold­me­dail­le war zu lan­ge in bri­ti­scher Hand“, kom­men­tier­te Werth au­gen­zwin­kernd. 2012 war die Sie­ges­se­rie der deut­schen Dres­sur ge­ris­sen, in London hat­ten erst­mals die Bri­ten ge­won­nen. Bis da­hin hat­te es für deut­sche Mann­schaf­ten nach 1972 bei je­dem Start Gold ge­ge­ben.

„Ich bin froh, in die­ser Mann­star­ke schaft ge­we­sen zu sein“, sag­te Sön­ke Rothenberger. Der Olym­pia-Neu­ling war mit sei­nem De­büt zu­frie­den: „Ich ha­be das jüngs­te Pferd im Star­ter­feld. Cos­mo hat ge­zeigt, wenn er noch reift, kann er in der Welt­spit­ze mit­mi­schen.“

Nur klei­ne Feh­ler zeig­te Schnei­der. Die 47-Jäh­ri­ge aus Fra­mers­heim zeig­te mit Show­time ei­ne star­ke Leis­tung. „Ich bin er­grif­fen“, kom­men­tier­te sie ih­ren Ritt: „Ich ha­be mich gran­di­os ge­fühlt.“Ihr zehn­jäh­ri­ger Wal­lach sei „sehr mo­ti­viert und wach“ge­we­sen.

Be­vor Werth den Sieg per­fekt mach­te, ritt Br­ö­ring-Spre­he mit De­spe­ra­dos ei­nen si­che­ren Spe­cial. Die Team-Welt­meis­te­rin lenk­te ih­ren Hengst sou­ve­rän. „Wir ha­ben ei­ne Su­per-Stim­mung im Team, das macht viel aus“, sag­te sie.

Ei­ne wei­te­re Me­dail­len­chan­ce gibt es am Mon­tag. In der Kür mit Mu­sik kann Werth ih­re Me­dail­len­samm­lung er­wei­tern. Fa­vo­ri­tin im Ein­zel ist aber Dop­pel-Olym­pia­sie­ge­rin Char­lot­te Du­jar­din.

Fo­to: John Mac­dou­gall, afp

Isa­bell Werth hat die deut­sche Mann­schaft zum Olym­pia­sieg in der Dres­sur ge­führt.

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