Ste­fan Hen­ze schenkt vier Men­schen neu­es Le­ben

Die Or­ga­ne des töd­lich ver­un­glück­ten deut­schen Ka­nu-Trai­ners wur­den ge­spen­det, sei­ne Fa­mi­lie traf in Bra­si­li­en die Ent­schei­dung da­zu. Nun hat sich sein Schütz­ling, die Augs­bur­ge­rin Me­la­nie Pfei­fer, zu dem tra­gi­schen To­des­fall ge­äu­ßert

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Der tra­gi­sche Tod von Ste­fan Hen­ze be­deu­tet für vier Men­schen die Hoff­nung auf ein län­ge­res Le­ben. Wie die Ge­sund­heits­be­hör­de des Bun­des­lan­des Rio de Janei­ro dem

mit­teil­te, sei­en vier Or­ga­ne Hen­zes ge­spen­det wor­den.

„Herz, Le­ber und bei­de Nie­ren wur­den er­folg­reich trans­plan­tiert. Da­mit hat er vier Men­schen­le­ben ge­ret­tet“, wird die Spre­che­rin der ört­li­chen Ge­sund­heits­be­hör­de, Ro­ber­ta Na­po­lis, vom zi­tiert. Ste­fan Hen­zes Fa­mi­lie, die nach dem schwe­ren Un­fall des Trai­ners nach Rio ge­reist war, ha­be ei­ner Or­gan­spen­de den Be­rich­ten zu­fol­ge zu­ge­stimmt. In Deutsch­land und vie­len an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern wä­re ei­ne Zu­stim­mung der An­ge­hö­ri­gen nicht not­wen­dig ge­we­sen, falls Hen­ze, wie bra­si­lia­ni­sche Me­di­en be­rich­ten, ei­nen Or­gan­spen­de­aus­weis be­saß. „Es ist je­doch auch bei uns üb­lich, noch ein­mal mit der Fa­mi­lie Rück­spra­che zu hal­ten, be­vor Or­ga­ne ent­nom­men wer­den, auch wenn die Zu­stim­mun­gen auf ei­nem Spen­de­aus­weis ver­merkt ist“, sagt ei­ne Spre­che­rin der Deut­schen Stif­tung Or­gan­spen­de­trans­plan­ta­ti­on. Alex­and­re Si­ci­lia­no, der Chef­chir­urg der Kli­nik In­sti­tu­to Na­cio­nal de Car­dio­lo­gia, in der die Ope­ra­ti­on durch­ge­führt wur­de, be­zeich­ne­te die Ent­schei­dung von Ste­fan Hen­zes Fa­mi­lie in der bra­si­lia­ni­schen Zei­tung als „Ges­te enor­mer Groß­zü­gig­keit“.

Bei den deut­schen Ath­le­ten herr­schen wei­ter Fas­sungs­lo­sig­keit und Trau­er über den Tod des Ka­nu­Trai­ners, der am Frei­tag in Rio in ein Ta­xi ge­stie­gen war und dort bei ei­nem Un­fall ein Schä­del-Hirn­T­rau­ma er­lit­ten hat­te. Die deut­schen Fah­nen wur­den auf dem ge­sam­ten Olym­pia-Ge­län­de nach dem Tod Hen­zes auf halb­mast ge­setzt.

Mitt­ler­wei­le mel­de­te sich auch die Augs­bur­ger Ka­nu­tin Me­la­nie Pfei­fer, die von Ste­fan Hen­ze betreut wur­de, auf ih­rer Face­boo­kSei­te zu Wort. „Seit Ta­gen bin ich fas­sungs­los. Wir trau­ern um mei­nen Trai­ner und Freund Ste­fan Hen­ze, der mich seit Jah­ren auf mei­nem Weg be­glei­tet hat. Es fällt mir un­glaub­lich schwer, mei­ne Trau­er in Wor­te zu fas­sen. Du fehlst mir Ste­fan!“, schreibt Pfei­fer, die sich seit dem Tod ih­res Trai­ners aus der Öf­fent­lich­keit zu­rück­ge­zo­gen hat­te.

„Wir wa­ren im Flug­zeug oft ne­ben­ein­an­der ge­ses­sen. Dein Platz wird jetzt leer sein und kei­ner kann ihn er­set­zen“, pos­te­te der Augs­bur­ger Ka­nu­sla­lom-Olym­pia­sie­ger von Pe­king, Alex­an­der Grimm, auf sei­ner Face­book-Sei­te. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­zeich­ne­te Hen­ze als Vor­bild, das in Er­in­ne­rung blei­ben wer­de – als Sport­ler, wie als Trai­ner. Den An­ge­hö­ri­gen teil­te sie ih­re „tief emp­fun­de­ne An­teil­nah­me“mit.

Fo­to: Lu­kas Schul­ze, dpa

Zei­chen der Trau­er: Die deut­sche Fah­ne weh­te in Rio auf halb­mast.

Ste­fan Hen­ze

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