Früh­stü­cken für den Mil­lio­nen-Um­satz

In Augs­burg und Um­ge­bung tref­fen sich Fir­men­ver­tre­ter zu ei­ner be­son­de­ren Art des Kon­takt­aus­tauschs. Ziel ist es, neue Kun­den zu ver­mit­teln und auf die­sem Weg den Um­satz zu stei­gern

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaftsraum Augsburg - VON ANDRE­AS ALT

Die Emp­feh­lun­gen schaf­fen Zu­gang zu neu­en Kun­den

Dies ist ein spe­zi­el­les Früh­stück. Nicht nur, weil 160 Un­ter­neh­mer dar­an teil­neh­men, auch we­gen sei­nes strikt ge­tak­te­ten Ablaufs. Im Augs­bur­ger Kol­ping­saal wird an ei­nem Frei­tag­mor­gen je­der Teil­neh­mer ein­mal auf­ste­hen und sich und sein Ge­schäft vor­stel­len. Spä­ter tun das die meis­ten noch ein­mal, um zu be­rich­ten, wel­che Ab­schlüs­se sie seit dem letz­ten Treff ge­tä­tigt ha­ben.

Die Ge­schäfts­leu­te ge­hö­ren fünf Grup­pen an, die sich re­gel­mä­ßig zum Netz­wer­ken tref­fen, um Kon­tak­te aus­zu­tau­schen, neue Kun­den zu ge­ne­rie­ren und im Op­ti­mal­fall den Um­satz zu stei­gern. Drei Grup­pen sind in Augs­burg an­ge­sie­delt, da­zu kom­men ei­ne aus Aichach und ei­ne aus Fried­berg. Erst­mals sind an die­sem Frei­tag­mor­gen al­le fünf „Ch­ap­ter“zu­sam­men­ge­kom­men.

Hin­ter den Tref­fen steht die Or­ga­ni­sa­ti­on Bu­si­ness Net­work In­ter­na­tio­nal (BNI), die in un­se­rer Re­gi­on noch we­nig be­kannt ist, sich aber gera­de in Deutsch­land aus­brei­tet. Die Idee kommt aus den USA (sie­he In­fo­kas­ten). Doch zu­rück zum Netz­wer­ker­früh­stück: Die Zeit bei die­sem be­son­de­ren Tref­fen ist knapp: In rund ein­ein­halb St­un­den soll der Aus­tausch über die Büh­ne ge­gan­gen sein. Da­her muss es in der Vor­stel­lungs­run­de Schlag auf Schlag ge­hen: Je­der hat 20 Se­kun­den. Da das aber bei je­dem Tref­fen der ein­zel­nen Grup­pen durch­ex­er­ziert wird (die Ch­ap­ter kom­men wö­chent­lich zu­sam­men), ha­ben doch die meis­ten schon Übung dar­in.

Ver­tre­ten ist ei­ne Viel­falt von Bran­chen: Ver­käu­fer und Ver­trieb­ler al­ler Art, Hand­wer­ker wie Mö­bel­schrei­ner, Di­enst­leis­ter, et­wa aus der IT-Bran­che oder PR, Rechts­an­wäl­te oder Ver­tre­ter von Ge­sund­heits­be­ru­fen. Vie­le sind of­fen­bar Ein­zel­kämp­fer, aber es sind auch Chefs grö­ße­rer Fir­men da­bei.

Schon bei der Vor­stel­lung geht es um Ge­schäfts­an­bah­nung: „Ich su­che Kon­takt zu ei­ner Braue­rei“, sag­te ei­ner, ein an­de­rer: „In un­se­rem Ge­schäft wird auch Spa­nisch ge­spro­chen.“Man­che schei­nen um je­den Preis auf­fal­len zu wol­len: „Der ers­te, der zu mir kommt, be­kommt Bar­geld.“Zwi­schen­durch hält Man­fred Gros­se, Ge­schäfts­füh­rer der Fir­ma De­ve­nia Com­mu­ni­ca­ti­ons, ein Kurz­re­fe­rat über Po­wer­Net­wor­king.

In der zwei­ten Run­de wird mit­ge­teilt, wie vie­le Kun­den­emp­feh­lun­gen ein Ch­ap­ter-Mit­glied seit ver­gan­ge­ner Wo­che von an­de­ren Mit­glie­dern er­hal­ten hat und wie viel Um­satz er da­mit er­zielt hat. Die Mehr­heit hat et­was zu be­rich­ten, die Um­sät­ze rei­chen von drei- bis sechs­stel­li­gen Be­trä­gen bei Ab­schlüs­sen. Das Ch­ap­ter „Clau­di­us“konn­te in 2015 nach ei­ge­nen An­ga­ben ins­ge­samt rund zwei Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz ge­ne­rie­ren. Durch die Emp­feh­lun­gen ver­schaf­fen sich die Mit­glie­der Zu­gang zu ih­rem Kun­den­stamm. Das ist mög­lich, weil je­de Bran­che in den Ch­ap­tern nur ein­mal ver­tre­ten sein darf. Ei­ne Emp­feh­lung be­deu­tet, dass ein Kun­de ei­nen Auf­trag er­tei­len oder et­was kau­fen möch­te. Das setzt Ver­trau­en der Mit­glie­der vor­aus.

„Ich hat­te zu­nächst Be­den­ken“, sagt Gros­se, „aber ich ha­be fest­ge­stellt: Hier ist al­les trans­pa­rent und über­prüf­bar. Ei­ne Emp­feh­lung ist ein war­mer Kon­takt.“Gros­se fin­det, dass die Mit­glied­schaft im BNI gera­de für Fir­men­grün­der viel brin­gen kann. Sie hel­fe, das Ge­schäft in Schwung zu brin­gen, aber man ler­ne auch, sei­ne Fir­ma er­folg­reich zu prä­sen­tie­ren. Sehr vor­teil­haft fin­det Gros­se, dass BNI in­ter­na­tio­nal ist und er bei Be­darf auch Kon­tak­te ins Aus­land knüp­fen kann.

Fo­to: Klaus F. Lin­scheid

Im Kol­ping­saal in Augs­burg ha­ben sich 160 Fir­men­ver­tre­ter ge­trof­fen, um sich bei ei­nem ge­mein­sa­men Früh­stück aus­zu­tau­schen, Kon­tak­te zu ver­mit­teln und so das ei­ge­ne Ge­schäft an­zu­kur­beln. Um mehr vom Tag zu ha­ben, be­gin­nen die­se Tref­fen be­reits um 6.30 Uhr.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.