Kön­nen die­se Au­gen lü­gen?

Schwim­men Am An­fang stand die Aus­sa­ge von US-Star Ryan Loch­te, er sei mit vor­ge­hal­te­ner Waf­fe über­fal­len wor­den. In­zwi­schen ist klar: Al­les er­fun­den. Bleibt die Fra­ge: War­um?

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janeiro Von den olym­pi­schen Wett­be­wer­ben ver­ab­schie­de­te sich Ryan Loch­te eher still, die letz­ten St­un­den des US-Schwimm­stars in Rio da­ge­gen sor­gen für mäch­tig Wir­bel. Es geht um ei­ne Nacht im Her­zen der bra­si­lia­ni­schen Me­tro­po­le, Loch­te be­rich­te­te von ei­nem Über­fall mit Waf­fen­ein­satz. Al­les er­fun­den, sagt Ri­os Po­li­zei – und der US-Ver­band muss das St­un­den spä­ter im We­sent­li­chen zu­ge­ben und sich hoch­not­pein­lich bei den Gast­ge­bern ent­schul­di­gen.

Das Ver­hal­ten der Schwim­mer sei „we­der ak­zep­ta­bel, noch re­prä­sen­tie­re es die Wer­te des Teams USA“, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung des Ver­bands. Man den­ke nun über Stra­fen für die Be­tei­lig­ten nach, sag­te Ge­ne­ral­di­rek­tor Chuck Wiel­gus. Vi­deo­ka­me­ras der Tank­stel­le leg­ten na­he, dass ein Schwim­mer in ei­ner Toi­let­te ran­da­liert ha­be. Nach ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit zwei be­waff­ne­ten Si­cher­heits­kräf­ten hät­ten die Schwim­mer Geld für den Scha­den hin­ter­las­sen und dar­auf­hin ge­hen dür­fen. Auf dem Vi­deo, das im In­ter­net kur­siert, wir­ken die vier Schwim­mer we­nig tritt­si­cher.

Ges­tern mel­de­te sich Loch­te dann auch selbst zu Wort. Er be­daue­re, den Vor­fall nicht auf­rich­ti­ger ge­schil­dert zu ha­ben, schrieb Loch­te auf Twit­ter. „Es ist trau­ma­tisch, spät mit sei­nen Freun­den in ei­nem frem­den Land – mit ei­ner Sprach­bar­rie­re – un­ter­wegs zu sein, und sich ei­nem Frem­den mit ei­ner Waf­fe ge­gen­über zu se­hen, der Geld will, um dich ge­hen zu las­sen“, schrieb Loch­te. Die Si­tua­ti­on sei zu ver­mei­den ge­we­sen. „Ich über­neh­me die Ver­ant­wor­tung für mei­ne Rol­le und ha­be mei­ne Lek­ti­on ge­lernt.“

Si­cher ist: So hat­te sich Loch­te sein ver­mut­li­ches En­de auf der ganz gro­ßen Büh­ne be­stimmt nicht vor­ge­stellt. Sechs­mal ge­wann er bei vier ver­schie­de­nen Olym­pi­schen Spie­len Gold. Ins­ge­samt weist sei­ne Vi­ta zwölf olym­pi­sche Me­dail­len auf. Mit 39 WM-Ti­teln auf Kurz- und Lang­bahn liegt er so­gar vor Micha­el Phelps, 27, der aber Kurz­bahnWett­kämp­fe fast im­mer aus­ließ. In je­der Na­ti­on wä­re Loch­te da­mit der größ­te Star; viel­leicht wä­re er es zu ei­ner an­de­ren Zeit so­gar in den USA ge­we­sen. Aber sei­ne Ge­ne­ra­ti­on hat­te eben die­sen Micha­el Phelps. „Wir schwim­men seit 2004 ge­gen­ein­an­der, ha­ben ei­ne gu­te Ri­va­li­tät und ei­ne gu­te Freund­schaft ent­wi­ckelt“, sag­te Loch­te wäh­rend der Wett­kämp­fe in Rio, bei de­nen er ein­mal Gold ge­wann.

Auf­fäl­lig war Loch­te dort mit sei­ner de­mons­tra­ti­ven Ge­las­sen­heit und grau ge­färb­ten Haa­ren – dies­mal als Ac­ces­soire an­stel­le von Bril­lan­ten-De­ko im Mund. In Rio muss­te sich Loch­te, wie ei­gent­lich im­mer, beim ein­zi­gen Ein­zel­start über 200 Me­ter La­gen als Fünf­ter dem Olym­pia­sie­ger Phelps ge­schla­gen ge­ben. Nur ein­mal konn­te Loch­te den Re­kord­cham­pi­on bei ei­nem gro­ßen Wett­kampf über­haupt be­zwin­gen: 2011 bei den Welt­meis­ter­schaf­ten in Shang­hai ver­wies er Phelps über 200 Me­ter La­gen in Welt­re­kord­zeit auf Rang zwei.

Doch nun be­stimmt nicht der Sport, son­dern die Par­ty-Nacht von Loch­te mit den Staf­fel-Olym­pia­sie­gern Jack Con­ger, Gun­nar Bentz und Jim­my Fei­gen die Schlag­zei­len. Con­ger und Bentz wur­den so­gar vor der ge­plan­ten Abrei­se noch aus dem Flie­ger ge­holt, um vor den Be­hör­den in Rio aus­zu­sa­gen. Erst da­nach durf­ten sie Bra­si­li­en ver­las­sen. Loch­te war da schon in der Hei­mat. Die bra­si­lia­ni­sche Po­li­zei will nun das FBI um Mit­hil­fe bit­ten, um wei­te­re In­for­ma­tio­nen von Loch­te zu be­kom­men. Zwar äu­ßer­te Ri­oSpre­cher Ma­rio And­ra­da Ver­ständ­nis für die „Bur­schen“und de­ren Par­ty-Nacht. Aber den Är­ger um Si­cher­heit im Zei­t­raum der Spie­le hät­ten sich die Or­ga­ni­sa­to­ren ger­ne er­spart. Völ­lig of­fen ist zu­dem, ob Loch­te sei­ne Kar­rie­re fort­setzt: „Ich kann nicht sa­gen, dass es vor­bei ist. Aber es sind ei­ne Men­ge Sa­chen, die ich än­dern muss, wenn ich in den Sport zu­rück­kom­men will.“

Foto: Patrick B. Kra­e­mer, dpa

Ryan Loch­te ist ei­ner der bes­ten Schwim­mer al­ler Zei­ten. In Rio sorgt er al­ler­dings mit ei­nem er­fun­de­nen Über­fall für viel Wir­bel. Der 32-Jäh­ri­ge selbst hat sich noch nicht zu dem Vor­fall ge­äu­ßert.

Foto: Get­ty Images

Das Cor­pus De­lic­ti: Die­se Toi­let­ten­tür ei­ner Tank­stel­le ging zu Bruch, als die USSchwim­mer sie zu spä­ter St­un­de be­such­ten. Um den Vor­fall zu ver­tu­schen, be­haup­te­ten sie da­nach, über­fal­len wor­den zu sein.

Foto: afp

Au­ßer Loch­te (oben rechts) wa­ren Ja­mes Fei­gen (oben links), Gun­nar Bentz (un­ten links) und Jack Con­ger be­tei­ligt.

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