In­di­en ju­belt

Olym­pia Frau­en ret­ten die Me­dail­len­bi­lanz des Sub­kon­ti­nents, auf dem ei­ne Mil­li­ar­de Men­schen le­ben. Ge­för­dert wer­den dort vor al­lem Män­ner

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janeiro Ei­ne Se­kun­de lang schaut P.V. Sind­hu, als kön­ne sie es selbst nicht ganz fas­sen. Ge­ra­de hat sie im olym­pi­schen Bad­min­tonHalb­fi­na­le zehn Punk­te in Se­rie ge­macht. Sie ballt ih­re Faust, wie schon so oft in die­sem Spiel, um sich für den viel­leicht letz­ten Ball­wech­sel zu mo­ti­vie­ren. Der ver­läuft so, wie es die vor­he­ri­gen Punk­te schon an­ge­deu­tet hat­ten. Nach ei­nem schwa­chen Ball ih­rer ja­pa­ni­schen Geg­ne­rin No­zo­mi Oku­ha­ra be­en­det Sind­hu das Spiel mit ei­nem un­wi­der­steh­li­chen Schmet­ter­ball – und schreibt da­mit Ge­schich­te. Als ers­te in­di­sche Frau in der Ge­schich­te des Lan­des wird sie mehr als ei­ne Bron­ze­me­dail­le bei Olym­pia ge­win­nen.

„Es ist der Tag der Frau­en“, ti­tel­te die Ti­mes of In­dia. „Zwei Frau­en las­sen ei­ne Mil­li­ar­de Men­schen lä­cheln“, schrieb The Asi­an Age. Die Olym­pi­schen Spie­le sind für In­di­en die Spie­le der Frau­en.

Zu­erst turn­te sich die Gym­nas­tin Di­pa Kar­ma­kar in die Her­zen des Pu­bli­kums. Als ers­te in­di­sche Olym­pia­teil­neh­me­rin in ih­rem Sport über­haupt ver­pass­te sie das Po­di­um nur um 0,15 Punk­te. An­schlie­ßend be­en­de­te die Rin­ge­rin Sak­shi Ma­lik die zwölf­tä­gi­ge Durst­stre­cke In­di­ens oh­ne Me­dail­le. Am Mitt­woch be­sieg­te sie im Kampf um Bron­ze die Kir­gi­sin Ai­su­luu Tyny­be­ko­wa – die ers­te Me­dail­le In­di­ens bei die­sen Spie­len, und die vier­te für ei­ne in­di­sche Frau in der Ge­schich­te des Lan­des.

Nach die­sem Sieg und dem Fi­nal- ein­zug von Sind­hu tags dar­auf gab es auf den in­di­schen Ti­tel­sei­ten nur ein The­ma: Ju­beln­de Frau­en und je­de Men­ge Glück­wün­sche für In­di­ens ge­schun­de­ne Sport­ler­see­le. Selbst Pre­mier­mi­nis­ter Na­ren­dra Mo­di ließ es sich nicht neh­men, sei­ne per­sön­li­chen Glück­wün­sche aus­zu­spre­chen.

Dass es aus­ge­rech­net Frau­en sind, die nun in In­di­en ganz oben ste­hen, ist aber kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich. Noch im­mer gibt es im Land so gut wie kei­ne sys­te­ma­ti­sche Sport­för­de­rung für Män­ner – und für Frau­en noch we­ni­ger. Im Ge­gen­teil: In gro­ßen Tei­len der in­di­schen Ge­sell­schaft gilt Leis­tungs­sport im­mer noch als et­was, das sich für ei­ne Frau nicht ge­hört.

„Frau­en wer­den tra­di­tio­nell eher da­von ab­ge­hal­ten, viel Sport zu trei­ben“, sag­te In­di­ens zwei­te be­kann­te Bad­min­ton­spie­le­rin, Sai­na Neh­wal, be­reits vor über ei­nem Jahr in ei­nem In­ter­view der Zei­tung Ti­mes of In­dia.

Das gilt auch für Bron­ze-Ge­win­ne­rin Ma­lik. Sie stammt aus der Stadt Roh­tak im nord­west­lich ge­le­ge­nen Bun­des­staat Ha­rya­na. Erst im Jahr 2003 schick­te die­ser zum ers­ten Mal ei­ne Rin­ge­rin zu ei­nem na­tio­na­len Wett­be­werb.

Noch im Jahr zu­vor gab es gro­ßen Wi­der­stand ge­gen den Ver­such, Spit­zen­frau­en und -män­ner ge­mein­sam trai­nie­ren zu las­sen. Nur lang­sam be­ginnt der Er­folg der in­di­schen Sport­le­rin­nen, al­te Vor­ur­tei­le auf­zu­wei­chen.

Auch Amit­abh Bach­chan, der be­kann­tes­te Bol­ly­wood­schau­spie­ler des Lan­des, setz­te wäh­rend des Bad­min­ton-Halb­fi­na­les ein hal­bes Dut­zend Tweets ab. „Un­ter­schätzt nie­mals die Kraft der Frau­en“, heißt es in ei­nem da­von. „Sind­hu, Du hast so vie­le Nein­sa­ger zer­stört. Du bist der Stolz In­di­ens.“

Foto: dpa

Die In­de­rin P.V. Sind­hu steht im Bad­min­ton-Fi­na­le – ei­ne Pre­mie­re.

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