Ein biss­chen Spaß muss sein

Der le­gen­dä­re Fi­at 500 als Ca­brio von heu­te: War­um der Klei­ne nicht nur durch sein Äu­ße­res be­geis­tern kann

Friedberger Allgemeine - - Kfz-börse - VON TO­BI­AS SCHAUMANN

War­um lä­cheln im­mer noch ei­ni­ge (Män­ner) mit­lei­dig, wenn die Re­de auf den Fi­at 500 kommt? Weil sie es nicht bes­ser wis­sen! Ist doch der Cin­que­cen­to von heu­te, ge­ra­de als Ca­brio aus­ge­führt, ein Rie­sen-Au­to, zu­min­dest im über­tra­ge­nen Sin­ne: Er kann nicht nur auf ei­ne ruhm­rei­che His­to­rie zu­rück­bli­cken – weit über fünf Mil­lio­nen 500er tu­cker­ten seit der Markt­ein­füh­rung 1957 über die Stra­ßen der Welt –, son­dern sieht sich auch bes­tens ge­rüs­tet für die Zu­kunft. Zu Recht. Win­zi­ge Ci­ty-Cars, die ein pfif­fi­ges De­sign mit ho­her Wirt­schaft­lich­keit ver­ei­nen, lie­gen im Trend.

Op­tisch kann dem Re­tro-Star von Fi­at wohl al­lein das nicht we­ni­ger kul­ti­ge Mi­ni Ca­brio die Schau steh­len, wo­bei den klei­nen Bri­ten, die Pau­scha­lie­rung sei ver­zie­hen, ja fast je­der fährt. Dann doch lie­ber den ita­lie­ni­schen Kon­kur­ren­ten, der noch ei­nen Schuss aus­ge­fal­le­ner und in­di­vi­du­el­ler da­her­kommt.

Gut, die räum­li­chen Qua­li­tä­ten ei­nes Mi­ni er­reicht er nicht. Pas­sa­gie­re, die grö­ßer als 1,80 Me­ter sind, kön­nen froh sein, dass sich das Ver­deck öff­nen lässt. Sie sto­ßen sonst näm­lich mit dem Kopf an. Auch die re­la­tiv ho­he und auf­rech­te Sitz­po­si­ti­on wirkt ge­wöh­nungs­be­dürf­tig. Da­für be­lohnt der Cin­que­cen­to sei­ne bis zu vier Mit­fah­rer mit ei­ner ein­zig­ar­ti­gen Kom­pakt­heit. Er wi­der­steht dem Zeit­geist, Au­tos im- mer noch grö­ßer und fet­ter zu ma­chen. Das ist nicht nur in der en­gen Stadt Gold wert, es wirkt sich auch äu­ßerst po­si­tiv auf das Fahr­ge­fühl aus. Das ist, um den ita­lie­ni­schen Wur­zeln ge­recht zu wer­den: fan­tas­ti­co! Im Test­wa­gen wer­kel­te ein Zwei­zy­lin­der­lein mit 105 PS, die Top­mo­to­ri­sie­rung. Und das kann man wört­lich neh­men. Das 0.9-Li­ter-Ag­gre­gat dreht lust­voll hoch; ab et­wa 2800 Tou­ren setzt der Tur­bo ein und sorgt für tro­cke­nen Schub. Da staunt so man­cher SUV-Pi­lot auf der Ne­ben­spur. Die größ­te Über­ra­schung aber of­fen­bart sich im Klang. Aus zwei Töp­fen holt der Cin­que­cen­to ei­nen er­staun­lich ker­ni­gen Sound – das ist Ita­lo-Pop nach dem Gus­to des Au­to­mo­bi­lis­ten. Die Sechs­gang-Hand­schal­tung ist gut ab­ge­stimmt, könn­te sich aber prä­zi­ser und mit kür­ze­ren We­gen durch die Ku­lis­se di­ri­gie­ren las­sen.

An­ders als die meis­ten an­de­ren Oben-oh­ne-Mo­del­le hat der Fi­at sei­ne star­re C-Säu­le be­hal­ten dür­fen. Das hat vie­le Vor­tei­le: Die Ka­ros­se­rie er­hält da­durch ih­re Strei­fig­keit. Das sta­bil ge­führ­te Ver­deck lässt sich auch bei Land­stra­ßen­Tem­po elek­trisch be­we­gen. Und das in gleich drei Po­si­tio­nen: als Schie­be­dach, als Pan­ora­ma­dach oder als kom­plett of­fe­ne Va­ri­an­te. Letz­te­re Kon­fi­gu­ra­ti­on birgt ei­ne Be­son­der­heit: Will man den Kof­fer­raum­de­ckel öff­nen (die Kon­struk­ti­on er­in­nert an ei­nen Brot­kas­ten), fährt das Ver­deck ei­ni­ge Zen­ti­me­ter nach oben, um nicht im Weg zu sein.

Und der Preis? Los geht es be­reits bei knapp 15000 Eu­ro. Min­des­tens 19 390 Eu­ro kos­tet das hier ge­tes­te­te Fi­at 500 Ca­brio­let „Lounge“, wo­bei man ihm zu­gu­te­hal­ten muss, dass es für die­se Sum­me ex­zel­lent aus­ge­stat­tet ist, et­wa mit schi­cken Chrom-De­tails rund­um, ei­nem tol­len Au­dio- und In­fo­tain­ment­sys­tem und at­trak­ti­ven Leicht­me­tall­fel­gen. Le­dig­lich ei­ne Sitz­hei­zung ver­misst man auf der Ex­tra-Lis­te.

Foto: Fi­at

Lie­be zum De­tail: Das Heck­leuch­ten-De­sign des Fi­at 500 ist ein­zig­ar­tig. Tra­pez­för­mig kommt der Lack durch.

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