Muss App­le Steu­ern nach­zah­len?

Trick­se­rei­en EU er­höht den Druck auf US-Kon­zer­ne. Auch Ama­zon und Star­bucks müs­sen zit­tern

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaft - VON DETLEF DREWES

Brüs­sel Der Ton zwi­schen der Brüs­se­ler EU-Kom­mis­si­on und den US­Fi­nanz­be­hör­den wird schär­fer. Schon seit Mo­na­ten är­gert man sich in Wa­shing­ton über die Er­mitt­lun­gen der eu­ro­päi­schen Kar­tell­wäch­ter un­ter an­de­rem ge­gen ame­ri­ka­ni­sche Kon­zer­ne, die dies­seits des At­lan­tiks mit trick­rei­chen Mo­del­len ih­re Steu­er­last ge­drückt ha­ben.

Die Kaf­fee­haus-Ket­te Star­bucks zählt eben­so zu den Be­schul­dig­ten wie Groß­ver­sen­der Ama­zon und der Com­pu­ter­kon­zern App­le, des­sen mög­li­che Rück­zah­lun­gen nach ei­ner Schät­zung der In­vest­ment­bank JP­Mor­gan so­gar bis zu 19 Mil­li­ar­den Dol­lar be­tra­gen könn­ten.

Zu­nächst hat­te sich US-Fi­nanz­mi­nis­ter Jack Lew in ei­nem Brief an Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker An­fang des Jah­res be­schwert, dass ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men un­ver­hält­nis­mä­ßig ins Vi­sier ge­nom­men wür­den. In die­ser Wo­che nun hol­te das Wa­shing­to­ner Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um zu ei­nem neu­en Schlag aus und warf der Brüs­se­ler Kom­mis­si­on, wel­che die Kar­tell­ver­fah­ren führt, vor, sie agie­re als über­na­tio­na­le Steu­er­be­hör­de und ge­fähr­de da­durch in­ter­na­tio­na­le Ver­ein­ba- run­gen zur Steu­er­flucht. Kon­kret geht es vor al­lem um das Steu­er­spar­mo­dell in Ir­land. Vie­le Fir­men hat­ten ih­re Eu­ro­pa-Zen­tra­le auf die Grü­ne In­sel ver­legt, um dort von ei­nem nied­ri­gen Steu­er­satz zu pro­fi­tie­ren. An­ge­sichts die­ser Pra­xis wa­ren wei­te­re EU-Län­der in glei­cher Wei­se zu Son­der­an­ge­bo­ten für Kon­zer­ne über­ge­gan­gen – dar­un­ter auch die Nie­der­lan­de und Lu­xem­burg. Das eu­ro­päi­sche Recht sieht der­ar­ti­ge Son­der­re­ge­lun­gen als Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen so­wie ver­bo­te­ne staat­li­che Bei­hil­fe. Sol­che Vor­tei­le müs­sen, wenn sie fest­ge­stellt wer­den, zu­rück­ge­zahlt wer­den.

Nach ers­ten Er­geb­nis­sen der Er­mitt­lun­gen klag­ten Star­bucks so­wie Fi­at Chrys­ler ge­gen zu er­war­ten­de Steu­er­nach­zah­lun­gen. Von Sei­ten der Kom­mis­si­on wur­de stets auf die Recht­mä­ßig­keit der Un­ter­su­chun­gen so­wie der Buß­gel­der ver­wie­sen. EU-Ge­set­ze sei­en für al­le Un­ter­neh­men, die auf dem Bin­nen­markt agie­ren, ver­bind­lich. Trotz­dem dro­hen US-Ver­ant­wort­li­che Brüs­sel. Die EU-Kom­mis­si­on hat aber kei­nen Spiel­raum, um ame­ri­ka­ni­sche Fir­men ei­nen Bo­nus zu er­lau­ben. Das Wett­be­werbs­recht lässt ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung je nach Haupt­sitz ei­nes Kon­zerns nicht zu.

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