Miss­tö­ne we­gen Stra­ßen­mu­si­kern

An­woh­ner und Ge­schäfts­leu­te sind mit­un­ter über die Dar­bie­tun­gen ge­nervt. Die Stadt kennt die Konflikte, sie kon­trol­liert und ver­hängt Stra­fen

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON MICHA­EL HÖR­MANN

Am Mu­sik­ge­schmack schei­den sich be­kannt­lich die Geis­ter. Der ei­ne liebt Klas­sik, der an­de­re Rock, ein drit­ter mag Tech­no. Letz­te­res ha­ben Stra­ßen­mu­si­ker nicht zwin­gend im An­ge­bot. Doch auch ihr Re­per­toire kommt nicht bei al­len im­mer gut an. Stra­ßen­mu­sik kann mit­un­ter ge­wal­tig auf die Ner­ven ge­hen.

In den Som­mer­mo­na­ten ist Hoch­zeit für Mu­si­ker. Spe­zi­ell an Wo­che­n­en­den sind sie an vie­len Ecken im Stadt­ge­biet an­zu­tref­fen. Nicht sel­ten tre­ten sie in di­rek­te Kon­kur­renz zu­ein­an­der. Dar­um gibt es im Stadt­ge­biet auch fes­te Re­geln, an die sich die Mu­si­kan­ten aber nicht im­mer hal­ten. Zum Leid­we­sen von Ge­schäfts­leu­ten und An­woh­nern, die sich über die Dar­bie­tun­gen di­rekt bei der Stadt be­schwe­ren. Wenn die Ver­stö­ße ekla­tant sind, müs­sen die Stra­ßen­mu­si­ker ein Ver­warn­geld zah­len, mit­un­ter bleibt es bei ei­ner münd­li­chen Ver­war­nung. Weil sich über Ge­schmack be­kannt­lich treff­lich strei­ten lässt, hat die Stadt ei­gens ein „Merk­blatt für Stra­ßen­mu­si­kan­ten“aus­ge­ar­bei­tet, das es zu­dem in meh­re­ren Spra­chen gibt. Hier ist klar fest­ge­legt, was in wel­cher Form er­laubt ist. Die zen­tra­le Bot­schaft der Stadt, wie sie die Stra­ßen­mu­sik be­wer­tet, steht da­bei gleich an ers­ter Stel­le: „Die Stadt be­grüßt grund­sätz­lich Stra­ßen­mu­sik zur Be­le­bung der In­nen­stadt. Dies än­dert aber nichts an der Tat­sa­che, dass Mu­sik un­ter Um­stän­den auch als stö­rend emp­fun­den wer­den kann. Er­fah­rungs­ge­mäß be­son­ders dann, wenn mit gro­ßer Laut­stär­ke und im­mer am glei­chen Platz mu­si­ziert wird.“Ord­nungs­re­fe­rent Dirk Wurm be­stä­tigt, dass es in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den Be­schwer­den von Bür­gern gibt: „Drei- bis vier­mal pro Wo­che kommt es schon vor, dass sich An­ru­fer bei uns mel­den.“Der städ­ti­sche Ord­nungs­dienst, aber die Po­li­zei, kön­nen in die­sem Fall ein­schrei­ten. Wer sich als Stra­ßen­mu­si­ker nicht ein­sich­tig zeigt oder gra­vie­rend ge­gen Vor­ga­ben ver­stößt, wird zur Kas­se ge­be­ten. Zu­wi­der­hand­lun­gen sind mit ei­ner Stra­fe von 35 Eu­ro be­legt. Da mit­un­ter die Mu­si­ker nicht mehr Geld da­bei ha­ben, als ih­nen die Zu­hö­rer ge­ge­ben ha­ben, kann es pas­sie­ren, dass dann nur die­ser Geld­be­trag ein­be­hal­ten wird.

Um die mu­si­ka­li­schen Dar­bie­tun­gen nicht aus­ufern zu las­sen, hat die Stadt fest­ge­legt, dass ei­ne Mu­sik­grup­pe ma­xi­mal aus vier Mu­si­kern be­ste­hen darf. Zu­dem ver­bo­ten sind elek­tri­sche In­stru­men­te und Ton­ver­stär­ker. Au­ßer­dem darf von ei­ner Grup­pe an ei­nem Stand­ort le­dig­lich ei­ne hal­be St­un­de mu­si­ziert wer­den. Die Er­fah­run­gen des Som­mers 2016 schil­dert Ord­nungs­re­fe­rent Wurm wie folgt: „Es fällt uns auf, dass mehr Mu­si­ker aus der Slo­wa­kei auf­tre­ten, die­se dann oft mit mehr als den er­laub­ten vier Per­so­nen.“Häu­fig wür­den zu­dem die zu­ge­bil­lig­ten 30 Mi­nu­ten über­schrit­ten. In der Sta­tis­tik spie­len die Stra­fen al­ler­dings kei­ne all­zu gro­ße Rol­le, so Wurm: „In die­sem Jahr wur­den bis­lang sie­ben ent­gelt­li­che und 25 mal un­ent­gelt­li­che Ver­war­nun­gen aus­ge­spro­chen.“

Bei Händ­lern hält sich die Be­geis­te­rung für mu­si­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen in Gren­zen. Dies sa­gen Wolf­gang Puff vom Ein­zel­han­dels­verauch

Uhr­zei­ten Er­laubt ist Stra­ßen­mu­sik in der In­nen­stadt mon­tags bis frei­tags von 10 bis 12 Uhr so­wie von 15 bis 18 Uhr. An Sams­ta­gen ist das Mu­si­zie­ren von 10 bis 13 Uhr mög­lich. Stra­ßen­mu­sik ist an Sonn- und Fei­er­ta­gen un­ter­sagt.

Auf­tritt Er darf ma­xi­mal 30 Mi­nu- band und Heinz Sting­l­wag­ner, Ge­schäfts­füh­rer der Ci­ty Initia­ti­ve Augs­burg. Puff meint: „Da die Stra­ßen­mu­sik nicht zu ei­nem be­son­de­ren Ver­kaufs­er­leb­nis bei­trägt, ste­hen Kauf­leu­te und Mit­ar­bei­ter den Auf­trit­ten da­her über­wie­gend sehr kri­tisch ge­gen­über.“Sting­l­wag­ner sagt: „Lei­der sind die Dar­bie­tun­gen zu­meist eher ner­vig, des­halb sind die meis­ten Ein­zel­händ­ler auch wie­der froh, wenn die­se ,Künst­ler‘ wei­ter­zie­hen.“

Die­se Re­geln gel­ten für Stra­ßen­mu­sik in Augs­burg

ten dau­ern und ist pro Tag nur ein­mal an­zu­steu­ern.

Ver­bots­zo­ne Stra­ßen­mu­sik ist nicht er­laubt am Mar­tin-Lu­ther-Platz na­he der Anna­kir­che, auf dem Mo­ritz­platz so­wie in der An­na­stra­ße rund 50 Me­ter süd­lich und nörd­lich vor der Kir­che St. An­na. (möh)

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