Wel­che Schad­stof­fe im Sa­lat ste­cken

Die Stif­tung Wa­ren­test hat ver­schie­de­ne Sor­ten un­ter­sucht und ist fün­dig ge­wor­den. Bei man­chen An­ge­bo­ten aus der Ver­kaufs­the­ke soll­ten Ver­brau­cher des­halb auf­pas­sen

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaft - VON CHRIS­TI­AN GALL

Augs­burg Vie­le Men­schen ach­ten in der son­ni­gen Jah­res­zeit auf ih­re Fi­gur und grei­fen zu Ge­mü­se, ger­ne auch zu Sa­lat. Die Stif­tung Wa­ren­test rät Ver­brau­chern al­ler­dings, bei Blatt­sa­la­ten gut auf­zu­pas­sen. 28 Sa­la­te ha­ben die Ex­per­ten auf Schad­stof­fe un­ter­sucht – zehn Chi­co­rée so­wie je neun Feld­sa­la­te und Ru­co­la aus Dis­coun­tern, Su­per­märk­ten und dem Bio­han­del. Da­bei ha­ben sie in meh­re­ren Sor­ten teils ho­he Ni­trat­be­las­tun­gen nach­ge­wie­sen. Was die Schad­stoff­be­las­tung an­geht, be­wer­te­te die Stif­tung Wa­ren­test le­dig­lich zwei Sa­la­te als „sehr gut“, neun je­doch nur als „aus­rei­chend“. Da­bei ist un­er­heb­lich, ob die Sa­la­te vom Dis­coun­ter oder aus dem Bio­markt kom­men.

Dem Baye­ri­schen Lan- des­amt für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit zu­fol­ge ist Ni­trat selbst zwar un­be­denk­lich. Doch durch Pro­zes­se im Kör­per kön­ne es zu­erst in Ni­trit und wei­ter in Ni­tro­sa­mi­ne um­ge­wan­delt wer­den, die sich in Tier­ver­su­chen als krebs­er­re­gend her­aus­ge­stellt hät­ten. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) emp­fiehlt des­halb, den Ni­trat­kon­sum im Au­ge zu be­hal­ten und be­las­te­te Le­bens­mit­tel nicht in gro­ßen Men­gen zu ver­zeh­ren.

Über­durch­schnitt­lich viel Ni­trat ver­birgt sich der Stif­tung Wa­ren­test zu­fol­ge in Ru­co­la. Die wür­zi­gen Blät­ter ma­chen sich zwar gut auf ei­ner Piz­za, al­ler­dings wa­ren acht von neun ge­tes­te­ten Ru­co­la-Sa­la­ten deut­lich mit Ni­trat be­las­tet.

Doch was be­deu­tet das kon­kret für den Ver­brau­cher? Die Stif­tung Wa­ren­test emp­fiehlt, Ru­co­la nicht täg­lich in grö­ße­ren Men­gen zu es­sen. Um den von der WHO emp­foh­le­nen Grenz­wert ein­zu­hal­ten, soll­te ein Er­wach­se­ner mit 70 Ki­lo­gramm Kör­per­ge­wicht täg­lich ma­xi­mal 40 bis 80 Gramm Ru­co­la es­sen – vor­aus­ge­setzt, er nimmt kei­ne an­de­ren ni­trat­hal­ti­gen Le­bens­mit­tel zu sich. Ein paar Blät­ter auf ei­ner Piz­za oder im ge­misch­ten Sa­lat sind al­so un­be­denk­lich. Be­son­de­re Vor­sicht soll­ten El­tern aber bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern wal­ten las­sen. Das Bun­des­in­sti­tut für Ri­si­ko­be­wer­tung warnt: Ei­ne ho­he Auf­nah­me von Ni­trat kann bei Säug­lin­gen zu Sau­er­stoff­man­gel im Blut füh­ren. Al­ler­dings kom­me es sel­ten vor, dass Ba­bys bei nor­ma­ler Er­näh­rung zu viel Ni­trat auf­neh­men.

Das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit gibt Tipps, wie Ver­brau­cher das Ni­trat aus den Sa­la­ten be­kom­men kön­nen. Ei­ne Maß­nah­me sei es, Stie­le und Rip­pen der Blät­ter zu ent­fer­nen. Auch durch Blan­chie­ren und Ga­ren wird die Ni­trat­men­ge um bis zu 80 Pro­zent re­du­ziert.

Grund­sätz­lich ver­birgt sich Ni­trat in vie­len Le­bens­mit­teln, denn die che­mi­sche Ver­bin­dung ist nö­tig, da­mit ei­ne Pflan­ze Pro­tein­ver­bin­dun­gen auf­bau­en kann. Auch im Trink­was­ser kommt Ni­trat vor. Dem Baye­ri­schen Lan­des­amt für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit zu­fol­ge kommt die Ni­trat­Be­las­tung in Sa­la­ten un­ter an­de­rem von der Dün­gung der Fel­der. Im Zwei­fels­fall hilft auch der Griff zu ni­trat­ar­mem Ge­mü­se, et­wa Gur­ken, Pa­pri­ka und To­ma­ten.

Bei ei­ner Sa­lats­or­te kön­nen Ver­brau­cher üb­ri­gens oh­ne grö­ße­re Be­den­ken zu­grei­fen: bei Chi­co­rée. Die­se Sa­lats­or­te ist in der Un­ter­su­chung der Stif­tung Wa­ren­test Spit­zen­rei­ter bei nied­ri­gen Ni­trat­wer­ten – trotz­dem las­sen Kun­den die Sor­te im Su­per­markt oft im Re­gal lie­gen. Der Stif­tung Wa­ren­test zu­fol­ge liegt der nied­ri­ge Ni­trat­ge­halt dar­an, dass Chi­co­rée Ni­tra­te in der Wur­zel spei­chert. Da­her ge­lan­gen nur ge­rin­ge Men­gen in die Blät­ter.

Gu­te Neu­ig­kei­ten ver­kün­det die Stif­tung Wa­ren­test bei den Wer­ten von Pes­ti­zi­den und Chlo­rat – bei kei­nem Pro­dukt in den drei Sor­ten fan­den die Tes­ter ge­sund­heit­lich be­denk­li­che Rück­stän­de.

Ge­sund­heits­be­wuss­te Men­schen müs­sen im Früh­ling al­so nicht auf Sa­lat ver­zich­ten. Im Ge­gen­teil – in den licht­rei­chen Mo­na­ten ste­cken in Sa­la­ten so­gar we­ni­ger Schad­stof­fe, als es im Win­ter der Fall ist. Dem Baye­ri­schen Lan­des­amt für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit zu­fol­ge gilt ei­ne ein­fa­che Faust­re­gel: Mehr Licht be­deu­tet we­ni­ger Ni­trat in der Pflan­ze.

Fo­to: wo­mue, Fo­to­lia

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