Es wird ein­fa­cher, Müll zu ent­sor­gen

Das neue Ab­fall­ge­setz stärkt die Kom­mu­nen. Für die Bür­ger wird’s über­sicht­li­cher

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite - VON MAR­TIN FER­BER

Ber­lin Gelb für Ver­pa­ckun­gen und Blau fürs Alt­pa­pier, Weiß fürs Weiß­glas und Grün fürs Bunt­glas, Braun für den Bio­müll und Grau für den Rest – bei den Müll­ton­nen geht es in deut­schen Vor­gär­ten und Hin­ter­hö­fen schon jetzt ziem­lich bunt zu. Und wä­re es nach Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) ge­gan­gen, wä­re bald schon ei­ne wei­te­re Ton­ne ver­bind­lich in ganz Deutsch­land hin­zu­ge­kom­men – die Wert­stoff­ton­ne in Oran­ge, in der re­cy­cling­fä­hi­ger Rest­müll aus Kunst­stoff oder Me­tall für die Wie­der­ver­wer­tung ge­sam­melt wor­den wä­re.

Doch die­se Plä­ne sind end­gül­tig vom Tisch. Wenn der Bun­des­tag am heu­ti­gen Don­ners­tag nach lan­gem und zä­hem Rin­gen das neue Ver­pa­ckungs­ge­setz ver­ab­schie­det, än­dert sich für die Ver­brau­cher auf den ers­ten Blick we­nig. Es kommt kei­ne neue Ton­ne hin­zu, der Müll wird wei­ter nach den bis­he­ri­gen Kri­te­ri­en ge­trennt, das Ne­ben­ein­an­der von kom­mu­na­ler und pri­vat­wirt­schaft­li­cher Müll­ent­sor­gung bleibt be­ste­hen. Gleich­zei­tig stärkt die Gro­ße Ko­ali­ti­on die Rol­le der Kom­mu­nen und er­höht die ver­bind­li­chen Re­cy­cling­quo­ten bis zum Jahr 2021, da­mit noch mehr wert­vol­le Roh­stof­fe als bis­her aus dem Müll ge­won­nen wer­den kön­nen.

In zwei Schrit­ten wer­den bis zum Jahr 2021 die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Re­cy­cling­quo­ten deut­lich er­höht: für Glas von der­zeit 75 Pro­zent auf dann 90 Pro­zent, eben­so für Pa­pier (der­zeit 70 Pro­zent) und für Alu­mi­ni­um (der­zeit 60 Pro­zent). Die stoff­li­che Ver­wer­tung der Kunst­stof­fe soll von 22,5 auf 63 Pro­zent stei­gen, bei Ge­trän­ke­kar­tons wird ei­ne Wie­der­ver­wer­tung von 80 Pro­zent vor­ge­schrie­ben.

„Wir ha­ben da­mit den Ge­setz­ent­wurf der Um­welt­mi­nis­te­rin vom Kopf auf die Bei­ne ge­stellt“, sagt die Um­welt­ex­per­tin der Uni­ons­frak­ti­on, An­ja Weis­ger­ber (CSU), die das neue Ab­fall­ge­setz maß­geb­lich aus­ge­han­delt hat, ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Vor al­lem die Kom­mu­nen, die nicht nur für die Ent­sor­gung des Rest­mülls zu­stän­dig sind, son­dern oft auch in Ei­gen­re­gie Wert­stoff­hö­fe be­trei­ben und vom lu­kra­ti­ven Ge­schäft um die wie­der­ver­wert­ba­ren Roh­stof­fe pro­fi­tie­ren, wa­ren Sturm ge­lau­fen ge­gen die Plä­ne Hend­ricks’, ei­ne wei­te­re Wert­stoff­ton­ne ver­pflich­tend ein­zu­füh­ren.

Nun sieht das Ge­setz vor, dass die Ver­pa­ckun­gen mit dem „Grü­nen Punkt“– für de­ren Ent­sor­gung die Her­stel­ler Li­zenz­ge­büh­ren be­zah­len – mit stoff­glei­chem Rest­müll ge­mein­sam durch das in Deutsch­land am wei­tes­ten ver­brei­te­te Müll­tren­nungs­sys­tem (das Dua­le Sys­tem) ent­sorgt wer­den kön­nen. Auf frei­wil­li­ger Ba­sis, wenn die Kom­mu­ne dies wünscht und das je­wei­li­ge Dua­le Sys­tem da­mit ein­ver­stan­den ist.

Und auch an an­de­rer Stel­le wur­de die Rol­le der Kom­mu­nen ge­stärkt: Sie kön­nen den Ent­sor­gern die Grö­ße der Sam­mel­be­häl­ter und die Ab­fall­in­ter­val­le vor­schrei­ben. Und bleibt der Müll lie­gen, kann die Kom­mu­ne ei­ne Ab­ho­lung or­ga­ni­sie­ren und die Kos­ten dem je­wei­li­gen Dua­len Sys­tem in Rechnung stel­len. „Kom­mu­nen sind die An­sprech­part­ner der Bür­ger bei der Ab­fall­ent­sor­gung. Da­her wol­len wir ih­nen mehr Rech­te ge­gen­über dem Dua­len Sys­tem ge­ben und ih­re Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten er­hö­hen“, so Weis­ger­ber.

Wei­te­re Neue­rung: Die Li­zenz­ge­büh­ren, die Her­stel­ler im Rah­men des „Grü­nen Punkts“an die Dua­len Sys­te­me zah­len müs­sen, wer­den um­welt­ge­rech­ter. Das soll ein zu­sätz­li­cher An­reiz sein, mög­lichst re­cy­cling­fä­hi­ge Ma­te­ria­li­en für die Ver­pa­ckung zu ver­wen­den.

War­um die Ein­füh­rung ei­ner oran­gen Ton­ne bes­ser ge­we­sen wä­re, steht im Kom­men­tar.

Es wird kei­ne neue, oran­ge Ton­ne ge­ben

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