Jetzt bit­te kei­ne Macht­spie­le

Friedberger Allgemeine - - Politik - Kom­men­tar VON DET­LEF DRE­WES dr@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Der Brief aus Lon­don wird die EU er­schüt­tern. Ein schwar­zer Tag war der Mitt­woch für Eu­ro­pa aber nicht. Das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich, das sich aus ei­ner po­pu­lis­ti­schen Stim­mung her­aus zum Br­ex­it hat über­re­den las­sen, wird die Fol­gen zu spü­ren be­kom­men – auch oh­ne, dass die EU die Dau­men­schrau­ben an­zieht und die Ge­sprä­che nutzt, um ein ab­schre­cken­des Bei­spiel zu in­sze­nie­ren.

Der­ar­ti­ge Macht­spie­le wä­ren völ­lig un­sin­nig und auch un­nö­tig, weil sich die Mehr­heit der Bri­ten von ei­ner EU ab­ge­wen­det hat, die tat­säch­lich ei­ne Ross­kur braucht. Denn wäh­rend Brüs­sel sich im­mer wie­der sehr in der Rol­le des Mah­ners für mehr Re­form­wil­len der Mit­glied­staa­ten ge­fiel, un­ter­lie­ßen es die Staats- und Re­gie­rungs­chefs, die Ge­mein­schaft fort­zu­ent­wi­ckeln. Die Bü­ro­kra­tie auf dem Bin­nen­markt hat teil­wei­se un­sin­ni­ge Aus­ma­ße an­ge­nom­men.

Im­mer­hin gibt es In­di­zi­en da­für, dass die 27 Mit­glie­der die­se Lek­ti­on zu ver­ste­hen be­gin­nen. Die EUIn­sti­tu­tio­nen müs­sen nicht je­de Schrau­be har­mo­ni­sie­ren. We­ni­ger ist oft mehr. In­so­fern wür­de man der EU bei den be­gin­nen­den Ge­sprä­chen mit Lon­don, bei de­nen nicht we­ni­ger als 21000 Ge­set­ze durch­fors­tet und neu ver­ein­bart wer­den müs­sen, auch ei­ne Pha­se der Selbst­be­sin­nung wün­schen. Nur so kann klar wer­den, wo Ab­stim­mung und Zu­sam­men­wir­ken not­wen­dig sind und wo nicht.

Der Aus­stieg der Bri­ten kann ei­ne Chan­ce sein, wenn man kei­ne Angst hat, auch EU-Er­run­gen­schaf­ten in­fra­ge zu stel­len.

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