Daim­ler Boss un­ter Druck, Au­di Chef er­leich­tert

Ak­tio­nä­re üben Kri­tik an Die­ter Zet­sche. VW-Auf­sichts­rat steht hin­ter Ru­pert Stad­ler

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaft -

Ber­lin/In­gol­stadt Ein mög­li­cher Die­sel-Skan­dal auch bei Daim­ler? Die Fra­ge nach Ma­ni­pu­la­tio­nen von Ab­gas­wer­ten bei Fahr­zeu­gen des Stutt­gar­ter Au­to­bau­ers trieb die Ak­tio­nä­re des Au­to­bau­ers bei der Haupt­ver­samm­lung am Mitt­woch in Ber­lin um. „Kön­nen Sie Ent­war­nung ge­ben, dass wir nicht ein Volks­wa­gen 2.0 wer­den?“, sag­te Marc Tüng­ler von der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DSW) in An­spie­lung auf den Ab­gas­skan­dal bei der Wolfs­bur­ger Kon­kur­renz.

Jens Hil­gen­berg von den Kri­ti­schen Ak­tio­nä­ren hat sich ein Ur­teil ge­bil­det: Auch Daim­ler-Chef Die­ter Zet­sche tra­ge die Ver­ant­wor­tung für die ho­hen Be­las­tun­gen mit Fe­in­staub und Stick­oxi­den in Städ­ten. Selbst wenn Ge­rich­te an­ders ur­tei­len soll­ten, „ethisch ist das nicht ak­zep­ta­bel“, so Hil­gen­berg. „Her­stel­ler wie Daim­ler tra­gen die Ver­ant­wor­tung, dass Städ­te als letz­tes Mit­tel Fahr­ver­bo­te er­las­sen müs­sen.“

Bis­lang ist Daim­ler ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on nicht nach­ge­wie­sen wor­den, auch wenn Um­welt­or­ga­ni­sa­tio­nen und US-An­wäl­te in ei­ner Zi­vil­kla­ge die­sen Vor­wurf er­he­ben. Ne­ben der US-Jus­tiz hat die Stutt­gar­ter Staats­an­walt­schaft Er­mitt­lun­gen we­gen des Ver­dachts auf Ab­gas­ma­ni­pu­la­tio­nen bei Die­sel­fahr­zeu­gen auf­ge­nom­men. Daim­ler be­tont aber, sich an gel­ten­des Recht zu hal­ten, und ver­weist auf die Un­ter­su­chun­gen des Kraft­fahrt­bun­des­am­tes, die 2016 nur ei­nen „frei­wil­li­gen“Rück­ruf zur Fol­ge hat­ten.

Ei­ni­ge Ak­tio­nä­re hal­ten be­reits Daim­ler-Vor­stand und -Auf­sichts- rat für ver­ant­wort­lich: Der Frie­dens­und Öko-Ak­ti­vist Paul Russ­mann rief für die Kri­ti­schen Ak­tio­nä­re da­zu auf, Vor­stand und Auf­sichts­rat we­gen an­geb­lich zu ho­her Ab­gas­wer­te selbst bei den neu­es­ten Die­seln nicht zu ent­las­ten.

In­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren, Ver­tre­ter von Fonds wie Uni­on In­vest­ment wol­len den Vor­stand da­ge­gen ent­las­ten – aber: „Mit der Ent­las­tung ver­bin­den wir je­doch die drin­gen­de For­de­rung, Licht ins Dun­kel des Lkw-Kar­tells zu brin­gen so­wie of­fen und trans­pa­rent bei ,Emis­si­ons­the­men‘ zu be­rich­ten“, sag­te Fonds­ma­na­ger In­go Speich. Daim­ler war an ei­nem Lkw-Kar­tell be­tei­ligt, das die EU auf­ge­deckt hat­te.

Die Deut­sche Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz kri­ti­sier­te, dass der Auf­sichts­rat kei­ne Scha­den­er­satz­for­de­run­gen an Ma­na­ger und Vor­stän­de gel­tend ge­macht hat­te. Daim­ler-Chef Zet­sche ver­ant­wor­te­te von 1999 bis 2000 im Vor­stand das Lkw-Ge­schäft. Der Auf­sichts­rat ha­be 2011 ei­ne An­walts­kanz­lei mit der Fra­ge be­auf­tragt, sag­te Auf­sichts­rats­chef Bi­sch­off, und „ge­gen­wär­tig von der Gel­tend­ma­chung von Scha­den­er­satz“ab­ge­se­hen. „Ei­ne ab­schlie­ßen­de Ent­schei­dung ist nicht ge­trof­fen.“

Für die deut­schen Au­to­her­stel­ler ha­gelt es im­mer neue schlech­te Nach­rich­ten: Au­di und Mer­ce­des müs­sen in Chi­na fast ei­ne Mil­li­on Au­tos zu­rück­ru­fen. Es könn­ten Pro­ble­me durch ein un­dich­tes Son­nen­dach bei mehr als 572 000 Au­tos vom Typ Au­di Q5 und SQ5 auf­tre­ten. Der Rück­ruf be­trifft 556 196 in Chi­na ge­bau­te so­wie 16226 im­por­tier­te Wa­gen. Daim­ler muss 398 429 Mer­ce­des ver­schie­de­ner Ty­pen in die Werk­stät­ten ho­len. Das Pro­blem sei ei­ne mög­li­che Über­hit­zung der Zünd­schal­tung und ei­ne da­mit ver­bun­de­ne Brand­ge­fahr.

Doch es gibt auch gu­te Nach­rich­ten, zu­min­dest für Au­di-Chef Ru­pert Stad­ler. Der VW-Auf­sichts­rat spricht dem Vor­stand des Au­to­bau­ers trotz ei­ner lau­fen­den Prü­fung auf Scha­den­er­satz­an­sprü­che in­fol­ge des Ab­gasskan­dals sein Ver­trau­en aus. Stad­ler sitzt als Au­di-Chef auch im Vor­stand der Volks­wa­gen AG. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung ha­ben auch Ver­tre­ter der bei VW mäch­ti­gen Ge­werk­schaft IG Me­tall dem VW-Vor­stand und da­mit Stad­ler das Ver­trau­en aus­ge­spro­chen. Zu­spruch er­hielt Stad­ler ges­tern auch vom Au­di-Auf­sichts­rat. Der sprach sich am Vor­mit­tag eben­falls da­für aus, den Vor­stand für das Ge­schäfts­jahr 2016 zu ent­las­ten. Wie im Um­feld der gest­ri­gen Be­triebs­ver­samm­lung in In­gol­stadt zu hö­ren war, steht ein Groß­teil der Be­leg­schaft – auch zwei Wo­chen nach der Raz­zia der Staats­an­walt­schaft – wei­ter­hin hin­ter dem Au­di­Chef. The­ma bei der Ver­samm­lung war aber vor al­len Din­gen die Zu­kunft des In­gol­städ­ter Stand­orts. Der Be­triebs­rat for­dert vom Un­ter­neh­men den Bau ei­nes rei­nen Elek­tro­mo­dells im Werk. Ne­ben der Die­sel­af­fä­re hat Au­di aber noch mit ei­nem ganz an­de­ren Pro­blem zu kämp­fen: We­gen ei­nes Bran­des bei ei­nem Zu­lie­fe­rer ste­hen die Bän­der bei der A4- und A5-Fer­ti­gung noch bis heu­te still.

Noch gibt es kei­ne Be­wei­se

Fo­tos: Sö­ren Stache, dpa, und Uli Wagner

Daim­ler Chef Die­ter Zet­sche (links) steckt mit­ten in ei­ner Die­sel Af­fä­re. Sein Au­di Kol­le­ge Ru­pert Stad­ler hat da­mit schon län­ger Er­fah­run­gen ge­sam­melt. Im­mer­hin sprach ihm der VW Auf­sichts­rat das Ver­trau­en aus.

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