Wie der Früh­ling uns kopf­ste­hen lässt

Raus ins Freie, die Son­ne ge­nie­ßen, Freun­de tref­fen: Vie­le von uns sind zur­zeit so ak­tiv wie sel­ten. Sind die Früh­lings­ge­füh­le am Werk? Zwei Ex­per­ten klä­ren auf

Friedberger Allgemeine - - Panorama - VON ANDRE­AS BAU­MER

Augs­burg Lau­er Wind, blau­er Him­mel und Son­nen­schein: Der Früh­ling zeigt sich die­se Tage von sei­ner bes­ten Sei­te. Und es wird noch bes­ser. Am Frei­tag sol­len die Tem­pe­ra­tu­ren in der Re­gi­on so­gar auf bis zu 22 Grad klet­tern. Das treibt die Menschen ins Freie. So vie­le luf­ti­ge Klei­der und fröh­li­che Ge­sich­ter wie in den ver­gan­ge­nen Ta­gen gab es in den In­nen­städ­ten von Augs­burg und Neu-Ulm, Do­nau­wörth und Füs­sen die­ses Jahr noch nicht. Steckt hin­ter der neu er­wa­chen­den Le­bens­freu­de der Menschen das war­me Wet­ter?

„Hö­he­re Tem­pe­ra­tu­ren sind nicht Aus­lö­ser für bes­se­re Stim­mung“, sagt Helmut Schatz, Hor­mon­for­scher von der Deut­schen Ge­sell­schaft für En­do­kri­no­lo­gie. Ent­schei­dend sei et­was an­de­res. „Durch die zu­neh­men­de Licht­ein­wir­kung über das Au­ge in der Zir­bel­drü­se im Ge­hirn wird das Schlaf­hor­mon Me­la­to­nin re­du­ziert“, er­klärt der 79-jäh­ri­ge Bochu­mer. Zu­gleich stei­ge der Spie­gel der Glücks­hor­mo­ne Do­pa­min und Se­ro­to­nin an. Da­durch füh­le man sich ak­ti­ver und wa­cher, er­läu­tert der For­scher. Sind Früh­lings­ge­füh­le al­so nur die Fol­ge hor­mo­nel­ler Wech­sel­spie­le?

Nein, sagt Schatz. Auch psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren reg­ten Früh­lings­ge­füh­le an. Zum Bei­spiel spiel­ten das Ge­fühl, vor ei­nem Neu­be­ginn zu ste­hen, und der Ge­ruch ei­ne gro­ße Rol­le. „Wir rie­chen, dass der Früh­ling wie­der kommt, wenn wir den er­di­gen Duft ei­nes fri­schen Bo­dens in der Na­se ha­ben“, schil­dert er. Die Stim­mung wer­de da­durch gleich bes­ser.

Menschen re­agier­ten un­ter­schied­lich auf den Früh­ling, sagt Psy­cho­lo­gin Ju­lia Scharn­horst. „Bei den meis­ten ver­bes­sert sich tat­säch­lich die Stim­mung. Sie sind mun­te­rer und en­er­gie­ge­la­de­ner, an­de­re da­ge­gen kom­men auch mit we­nig Son­nen­licht gut zu­recht und mö­gen es im Küh­len.“Be­son­ders star­ke Früh­lings­ge­füh­le kä­men bei Menschen auf, die im Win­ter nicht mehr aus dem Haus ge­hen woll­ten und be­drückt bis re­gel­recht de­pres­siv „Sie ge­nie­ßen es um­so mehr, wenn die Tage län­ger und Näch­te kür­zer wer­den“, sagt die 56-Jäh­ri­ge. Wer da­ge­gen auch im Win­ter oft im Frei­en ge­we­sen sei und viel Ta­ges­licht auf­ge­saugt ha­be, der spü­re we­ni­ger star­ke Stim­mungs­schwan­kun­gen.

Das ak­tu­el­le Hoch­druck­ge­biet schenkt Deutsch­land nicht nur viel Son­nen­schein, es leg­te sich auch just zu dem Zeit­punkt über Eu­ro­pa, als dort die Uh­ren um­ge­stellt wur­den. Seit Sonn­tag wird es ei­ne St­un­de spä­ter dun­kel. Heu­te bei­spiels­wei­se geht die Son­ne in der Re­gi­on erst um et­wa 19.45 Uhr un­ter. Und bis Ju­ni wer­den die Tage Mi­nu­te um Mi­nu­te län­ger. Vie­le Menschen nutz­ten das aus, sagt Scharn­horst. „Sie ge­nie­ßen ih­ren Fei­er­abend mehr, ge­hen nach der Ar­beit noch ein­mal raus und tref­fen sich mit an­de­ren. Da steigt die Stim­mung.“

Oh­ne­hin eig­ne sich die Früh­lings­zeit her­aus­ra­gend, um neue Kon­tak­te zu knüp­fen. „Wer mehr un­ter­wegs ist, lernt mehr Leu­te ken­nen“, sagt Scharn­horst „Im Win­ter tun wir uns schwe­rer, an­de­re Menschen ein­zu­schät­zen. Müt­zen, Schals und di­cke Ja­cken er­schwe­ren uns den Blick für Mi­mik, Ges­tik und Kör­per­hal­tung un­se­res Ge­gen­übers.“Ganz an­ders sei das im Früh­ling, wenn die Klei­dung leich­ter und luf­ti­ger wer­de. „Das er­leich­tert uns den Um­gang mit an­desei­en. ren Menschen we­sent­lich“, er­läu­tert Scharn­horst. Doch hilft das auch der Lie­be?

Da­ting-Platt­for­men ver­zeich­nen in der Früh­jahrs­zeit deut­lich mehr Re­gis­trie­run­gen als im Win­ter. Auch im di­rek­ten Um­gang näh­men se­xu­el­le Rei­ze zu, sagt Scharn­horst. „Durch das Tra­gen von leich­te­ren und knap­pe­ren Klei­dern se­hen wir mehr von uns Menschen. Da­durch neh­men wir auch stär­ker ero­ti­sche Si­gna­le wahr“, er­klärt die Ge­sund­heits­psy­cho­lo­gin.

Wo­zu sind die Früh­lings­ge­füh­le al­so gut? Scharn­horst rät: „Am bes­ten ist es, raus­zu­ge­hen und sehr ak­tiv zu sein. Das hilft so­wohl der Ge­sund­heit als auch der Psy­che.“

Fo­to: Si­las St­ein, dpa

Bei Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu 20 Grad wür­den vie­le Leu­te zur­zeit wie die­ser jun­ge Mann am liebs­ten Luft­sprün­ge ma­chen wol­len. Und es wird noch bes­ser. Denn am Frei­tag soll es so­gar bis zu 22 Grad warm wer­den.

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