Die Stadt greift am Rat­haus­platz durch

Für Ju­gend­li­che ist der Platz im Her­zen der Stadt ein „Som­mer­wohn­zim­mer“– und das soll auch so blei­ben. Ge­gen Stö­ren­frie­de und Trin­ker geht die Stadt nun aber vor. Ei­ne Rei­he von Stra­fen ist vor­ge­se­hen

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON MICHA­EL HÖR­MANN

Es ist die schö­ne Sei­te des Früh­lings, die sich am Mitt­woch­nach­mit­tag auf dem Augs­bur­ger Rat­haus­platz zeigt: Jun­ge Menschen sit­zen auf dem Bo­den zu­sam­men – meist in klei­nen Grup­pen von zwei, drei oder vier Per­so­nen. Sie ge­nie­ßen die Son­ne, un­ter­hal­ten sich und ha­ben Spaß. Nicht je­der, der sich jetzt hier auf­hält, trinkt Bier. Ei­ni­ge Fla­schen ste­hen aber auf dem Bo­den. Da­ne­ben lie­gen ein­zel­ne von Be­su­chern mit­ge­brach­te Räder. Die Stim­mung auf dem son­ni­gen Platz wirkt fried­lich. Die Bän­ke, die vor dem städ­ti­schen Ver­wal­tungs­ge­bäu­de ste­hen, in dem die Bür­ger­info sitzt, lie­gen im Schat­ten. Sie sind da­her kaum ge­nutzt. Die Uhr zeigt halb drei.

Die Schat­ten­sei­ten, die den Rat­haus­platz in über­tra­ge­ner Form über­strah­len, sind seit meh­re­ren Ta­gen zu spä­te­rer St­un­de wahr­zu­neh­men: Meist abends nach 18 Uhr der An­blick des Plat­zes nicht mehr schön. Müll liegt her­um. Hin­zu kommt, dass ei­ni­ge we­ni­ge jun­ge Leu­te mit na­he­zu oh­ren­be­täu­ben­der Mu­sik den Platz be­schal­len. Man­cher grölt, man­cher ist zu die­sem Zeit­punkt schon sicht­lich be­trun­ken. Für Nach­schub an Al­ko­hol ist ge­sorgt: Der Rewe-Markt am Rat­haus­platz hat bis 20 Uhr ge­öff­net. Vie­le abend­li­che Be­su­cher des Rat­hau­ses­plat­zes de­cken sich hier mit Ein­käu­fen ein. Zu­min­dest ein Teil der „Trin­ker­sze­ne“hat sich vor dem Rat­haus breit­ge­macht. In der Vor­wo­che gab es abends an der Rat­haus­trep­pe ei­nen Not­fal­l­ein­satz: Ein jun­ges Pär­chen lag auf der Trep­pe, der Mann war nicht an­sprech­bar, sei­ne jun­ge Be­glei­te­rin wirk­te wie weg­ge­tre­ten. Die Po­li­zei wur­de ge- ru­fen, Ret­tungs­kräf­te ka­men. Als ein Ret­ter der jun­gen Frau hel­fen woll­te, über­gab sie sich. Der Ret­ter sprang ge­ra­de noch zur Sei­te.

Sze­nen wie die­se sind bei Wei­tem nicht die Aus­nah­me. Im­mer mehr Pas­san­ten sa­gen mitt­ler­wei­le, dass sie abends un­gern über den Rat­haus­platz ge­hen oder ihn gleich mei­den. Sie füh­len sich nicht wohl. Es sind Kla­gen, die in die­ser Form auch Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl wie­der­holt zu Oh­ren ge­kom­men sind. Die Stadt sieht sich jetzt zum Han­deln ver­an­lasst. Mit ei­ner Ver­fü­gung sol­len Aus­wüch­se ein­ge­dämmt wer­den. Nicht mehr to­le­riert wer­den Ver­schmut­zung, mut­wil­li­ges Stö­ren durch über­mä­ßi­gen Al­ko­hol­ge­nuss und über­lau­te Be­schal­lung der Plät­ze. Ins­be­son­de­re an der neu re­no­vier­ten Rat­haus­fas­sa­de und den Trep­pen­ein­gän­gen zum Rat­haus sol­len Kon­trol­len statt­fin­den, was über­mä­ßi­gen Al­ko­hol­ge­nuss und vor­sätz­li­che Ver­mül­lung so­wie Va­nist da­lis­mus an der Fas­sa­de und den his­to­ri­schen Tü­ren be­trifft. Hier macht die Stadt künf­tig ver­stärkt von ih­rem Haus­recht Ge­brauch. Da­zu sagt Gribl: „Selbst­ver­ständ­lich nicht von sol­chen Maß­nah­men be­trof­fen sein sol­len al­le, die sich al­lei­ne oder in klei­nen Grup­pen mit ei­nem Ge­tränk in der Hand auf dem Rat­haus­platz und drum her­um auf­hal­ten.“

Mit­ar­bei­ter des städ­ti­schen Ord­nungs­diens­tes wer­den künf­tig ver­stärkt rund ums Rat­haus kon­trol­lie­ren. Wer un­an­ge­nehm auf­fällt, wird be­lehrt oder ver­warnt. Ein Ord­nungs­wid­rig­keits­ver­fah­ren ist ei­ne Mög­lich­keit. Stö­rer und Chao­ten könn­ten dar­über hin­aus mit ei­nem Platz­ver­weis be­legt wer­den.

Gribl will je­doch nicht den Rat­haus­platz ge­ne­rell räu­men las­sen. Ihm ge­fällt das Le­bens­ge­fühl der­je­ni­gen, die sich kor­rekt ver­hal­ten: „Rat­haus­platz und die We­ge am Ver­wal­tungs­ge­bäu­de ent­lang wie am Rat­haus selbst sind das lieb ge­won­ne­ne ‚Som­mer­wohn­zim­mer‘ al­ler Augs­bur­ger. Die Be­to­nung liegt hier­bei auf ‚al­ler‘ Per­so­nen – ob jung, alt, arm, reich, Stu­dent, Un­ter­neh­mer oder Rent­ner – jeg­li­cher Cou­leur un­se­rer Stadt­ge­sell­schaft.“Die „gu­te Stu­be“der Stadt müs­se wei­ter­hin ein Ort all­ge­mei­ner Freu­de blei­ben und nicht all­ge­mei­nen Är­ger­nis­ses – für die Augs­bur­ger und die Be­su­cher aus dem In- und Aus­land. Der Rat­haus­platz sei für al­le da, die fried­lich das Le­ben in der Stadt drau­ßen ge­nie­ßen wol­len. Wer das nicht re­spek­tie­re, müs­se künf­tig da­mit rech­nen, dass sol­ches Ver­hal­ten nicht mehr to­le­riert wer­de. Zu­sätz­lich zu ord­nungs­recht­li­chen Maß­nah­men wird die Stadt ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pa­ket schnü­ren, das Re­geln und ei­ne „Net­ti­quet­te“für die Be­nut­zung der öf­fent­li­chen Plät­ze vor­sieht. Dies könn­te auch für den Kö­nigs­platz oder wei­te­re Plät­ze gel­ten. »Kom­men­tar

Vor Kur­zem gab es ei­nen Not­fal­l­ein­satz

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Ju­gend­li­che, die am Tag ge­müt­lich auf dem Rat­haus­platz sit­zen, sieht man bei gu­tem Wet­ter häu­fig. Da­ge­gen hat die Stadt auch nichts ein­zu­wen­den. Abends al­ler­dings nimmt das an­de­re Zü­ge an: Ein Teil der Trin­ker sze­ne hat sich auf den Platz ver­la­gert, es spie­len sich un­schö­ne Sze­nen ab. Die Stadt will nun mas­siv da­ge­gen vor­ge­hen.

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