War­um er­näh­ren sich so vie­le ve­gan?

Es­sen oh­ne tie­ri­sche Pro­duk­te wird im­mer be­lieb­ter. Was es frü­her nur in Bio­lä­den gab, ist in gro­ßen Märk­ten er­hält­lich. Hin­ter dem Trend steckt ei­ne neue Le­bens­wei­se

Friedberger Allgemeine - - K!ar.text - VON CATARINA HUTZLER

Aichach Friedberg Ob auf den Eti­ket­ten von Le­bens­mit­teln, in so­zia­len Netz­wer­ken oder in Ar­ti­keln an­ge­sag­ter Ma­ga­zi­ne – ve­ga­ne Er­näh­rung be­geg­net ei­nem im­mer öf­ter im All­tag. Mitt­ler­wei­le le­ben in Deutsch­land laut ei­ner Be­fra­gung des In­sti­tuts Sko­pos mehr als 1,2 Mil­lio­nen Menschen ve­gan. Täg­lich, so Schät­zun­gen, wer­den es 200 mehr. Seit 2010 stieg die Zahl der An­hän­ger um 15 Pro­zent. So­gar Stars wie die Schau­spie­ler An­ne Hat­ha­way und Ben Stil­ler oder Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin Aria­na Gran­de schlos­sen sich an.

Ur­sprüng­lich stammt der Ve­ga­nis­mus vom Ve­ge­ta­ris­mus ab und geht auf den Bri­ten Do­nald Wat­son zu­rück. 1944 rief die­ser die Ve­gan So­cie­ty ins Le­ben. Er hat­te die Ide­al­vor­stel­lung ei­ner Er­näh­rungs­form, die tie­ri­sche Pro­duk­te kom­plett ver­mei­det und aus­schließ­lich auf pflanz­li­chen Le­bens­mit­teln ba­siert. Das heißt, ne­ben Fisch und Fleisch ver­zich­tet der Ve­ga­ner auch auf tie­ri­sche Er­zeug­nis­se wie Milch, Eier und Ho­nig. Da­zu ver­mei­det er den Kon­sum von Le­der­wa­ren, Wol­le oder Sei­de, wel­che auch in der Tex­til­in­dus­trie ver­wen­det wer­den. Ve­gan zu le­ben, heißt aber auch, auf In­halts­stof­fe in Kos­me­ti­ka zu ach­ten. Das un­ter­schei­det ihn al­so vom Ve­ge­ta­ri­er, des­sen Ver­zicht sich nur auf Fleisch be­zie­hungs­wei­se Fisch be­schränkt.

Aber ist das Veg­gie-Le­ben wirk­lich so ge­sund, wenn dem Kör­per Le­bens­mit­tel mit ho­hem An­teil an wich­ti­gen Pro­te­inen und Vit­ami­nen vor­ent­hal­ten wer­den? Laut Ve­ganKoch und Best­sel­lerau­tor At­ti­la Hild­mann ist es das. „Es geht dar­um, hoch­wer­ti­ge Al­ter­na­ti­ven zu fin­den, die auch ge­nü­gend Ami­no­säu­ren lie­fern, wie Ama­ranth, Qui­noa, Voll­korn­reis“, sag­te er in ei­nem In­ter­view mit dem

Von Jo­ghurt über Voll­milch­scho­ko­la­de bis hin zum Veg­gie-Bur­ger – mitt­ler­wei­le gibt es für Ve­ga­ner un­zäh­li­ge Er­satz­mit­tel, die Milch­pro­duk­te und so­gar Fleisch er­set­zen und da­mit den Um­stieg in ei­ne pflanz­li­che Er­näh­rung leich­ter ma­chen sol­len. Bei der Her­stel­lung ve- ga­ner Le­bens­mit­tel kom­men un­ter an­de­rem So­ja und Lu­pi­ne in ver­schie­de­nen Ver­ar­bei­tun­gen zum Ein­satz.

Man­chen Stu­di­en zu­fol­ge soll der Ve­ga­nis­mus Zi­vi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten wie Über­ge­wicht, Blut­hoch­druck, Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen und Krebs vor­beu­gen. Nicht nur we­gen des ei­ge­nen Wohl­er­ge­hens, son­dern vor al­lem aus ethi­schen Grün­den wie der Lie­be zu Tie­ren ent­schei­det sich ei­ne im­mer grö­ße­re Grup­pe von Menschen für ein Le­ben auf pflanz­li­cher Ba­sis. Sie wol­len mit ih­rem Kon­sum­ver­hal­ten so­wohl die Mas­sen­tier­hal­tung bei Mast- und Schlacht­tie­ren als auch die Hal­tung von Hüh­nern und Kü­hen bei der Ei- und Milch­pro­duk­ti­on nicht un­ter­stüt­zen.

Der Ve­ge­ta­rier­bund Deutsch­land (Ve­bu) ver­tritt zu­dem die An­sicht, dass ve­gan le­ben­de Menschen durch ih­re fleisch­lo­se Er­näh­rung ei­nen ak­ti­ven Bei­trag zum Um­welt- und Kli­ma­schutz leis­ten, da die Fleisch­pro­duk­ti­on ne­ben an­de­ren Fak­to­ren für schäd­li­che Treib­haus­ga­se und Was­ser­man­gel ver­ant­wort­lich ist und die Ab­hol­zung von Re­gen­wald be­güns­tigt.

Wer mit kri­ti­schem Blick zwi­schen den Su­per­markt­re­ga­len hin­durch­schlen­dert, hat wahr­schein­lich be­merkt, dass das An­ge­bot an ve­ga­ner Kost im­mer grö­ßer wird. Auch der Ein­zel­han­del und die In­dus­trie ver­spre­chen sich al­so et­was da­von. Le­bens­mit­tel, die vor ei­ni­gen Jah­ren nur in we­ni­gen Bio­märk­ten zu er­gat­tern wa­ren, ge­hö­ren heu­te oft zum Sor­ti­ment gro­ßer Su­per­märk­te.

Im Jahr 2015 wur­den laut ei­ner Markt­ana­ly­se des In­sti­tuts für Han­dels­for­schung (IFH) Ge­win­ne in Hö­he von 454 Mil­lio­nen Eu­ro ver­zeich­net. Das ent­spricht ei­nem An­stieg von über ei­nem Vier­tel im Ver­gleich zum Vor­jahr.

Auf der Ve­bu-In­ter­net­sei­te wird Helmut Mau­cher, ehe­ma­li­ger Ge­ne­ral­di­rek­tor von Nest­lé, mit den Wor­ten zi­tiert: „Der Trend ins Ve­ge­ta­ri­sche ist un­auf­halt­sam. Viel­leicht isst in 100 Jah­ren kein Mensch mehr Fleisch.“Fans von eher def­ti­gem Früh­stück mit Ei­ern und Speck wer­den das ver­mut­lich nicht so ger­ne hö­ren. »Lies mich!

Symbolfoto: Da­ni­el Kar­mann, dpa

Ìn im­mer mehr Su­per­märk­ten sta­peln sich in­zwi­schen ve­ga­ne Pro­duk­te. Sich ve­gan zu er­näh­ren, wird zu­neh­mend zum Trend.

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