Ju­pi­ter be­herrscht den Nacht­him­mel

War­um der Rie­sen­pla­net an ein be­mal­tes Os­te­rei er­in­nert. Im April flam­men die Stern­schnup­pen der Ly­ri­den auf

Friedberger Allgemeine - - Panorama | Sternenhimmel - Gra­fik: AZ Gra­fik/dpa

Stutt­gart Der Rie­sen­pla­net Ju­pi­ter ist im April das hells­te Ge­stirn am Nacht­him­mel, bis am Mor­gen­him­mel Ve­nus im Os­ten er­scheint. Am 7. steht Ju­pi­ter im Stern­bild Jung­frau der Son­ne ge­nau ge­gen­über, der Fach­mann spricht von Op­po­si­ti­on. Am Abend er­scheint der Rie­sen­pla­net als auf­fäl­lig hel­ler Licht­punkt im Süd­os­ten. Um Mit­ter­nacht er­reicht er über dem Süd­ho­ri­zont sei­ne höchs­te Po­si­ti­on und geht mor­gens zu Ta­ges­an­bruch im Süd­wes­ten un­ter.

Ju­pi­ter ist der größ­te und mas­se­reichs­te Pla­net un­se­res Son­nen­sys­tems. Er ist 318 Mal schwe­rer als die Er­de. Mit 142 800 Ki­lo­me­ter Äqua­t­or­durch­mes­ser über­trifft er den Erd­durch­mes­ser um das Elf­fa­che. Rund 1300 Erd­ku­geln pass­ten in den rie­si­gen Gas­leib des Ju­pi­ter­glo­bus. Der Pla­net dreht sich sehr schnell um sei­ne Ach­se: Ein Ju­pi­ter­tag dau­ert nur knapp zehn St­un­den. We­gen sei­ner ra­schen Ro­ta­ti­on ist der Rie­sen­pla­net stark ab­ge­plat­tet.

Der An­blick von Ju­pi­ter in ei­nem Te­le­skop er­in­nert an ein be­mal­tes Os­te­rei. Man er­kennt par­al­le­le Wol­ken­strei­fen und Bän­der in der dich­ten At­mo­sphä­re, die haupt­säch­lich aus Was­ser­stoff und He­li­um be­steht. Auch Methan, Am­mo­ni­ak und sons­ti­ge Koh­len­was­ser­stof­fe wur­den in der Ju­pi­ter­luft nach­ge­wie­sen, eben­falls Phos­phin, was den be­rühm­ten Knob­lauch­duft be­wirkt.

Stern­war­te Ober­all­gäu Knot­ten ried/Berg­stät­te, Im­men­stadt. Öf­fent­li che Him­mels­be­ob­ach­tun­gen fin­den nur noch an be­stimm­ten Frei­ta­gen statt, die­se sind auf der In­ter­net­sei­te un­ter „Ka­len­der“zu fin­den. Öff­nungs­zei­ten wäh­rend der Som­mer­zeit ab Ein­bruch der Dun­kel­heit, No­vem­ber bis März ab 20 Uhr. Tel. 0 83 23/60 98 05; www.stern­war­te ober­all­gäu.de

Stern­war­te Vio­lau (Bru­der Klaus Heim, Ju­gen­der­ho­lungs und Bil dungs­stät­te der Diö­ze­se Augs­burg). Ter mi­ne nach Ver­ein­ba­rung, für Schul klas­sen auch tags­über. An­mel­dung und

kann im April noch am Abend­him­mel ge­se­hen wer­den. Sei­ne Hel­lig­keit nimmt wei­ter ein we­nig ab. Der röt­li­che Pla­net ist in­zwi­schen ein un­auf­fäl­li­ges Ge­stirn. Sei­ne Un­ter­gangs­zei­ten blei­ben kon­stant bei 23 Uhr Som­mer­zeit. Mer­kur kann An­fang April knapp über dem West­ho­ri­zont in der fort­ge­schrit­te­nen Abend­däm­me­rung er­späht wer­den. Nach dem 7. wird man ver­geb­lich nach dem son­nen­nächs­ten Pla­ne­ten Aus­schau hal­ten. Am 20. über­holt Mer­kur die Er­de auf der In­nen­bahn. Sa­turn im Stern­bild Schüt­ze ist Pla­net der zwei­ten Nacht­hälf­te. Zu Mo­nats­an­fang geht er kurz vor halb drei Uhr mor­gens auf, En­de April schon ei­ne hal­be St­un­de nach Mit­ter­nacht. In der Nacht vom 16. auf 17. April be­sucht der ab­neh­men­de Mond den Ring­pla­ne­ten. Ve­nus hat ih­re Mor­gens­tern­pe­ri­ode be­gon­nen. Am letz­ten April­tag strahlt sie in ma­xi­ma­lem Glanz in der Mor­gen­däm­me­rung. An­fang April geht un­ser in­ne­rer Nach­bar­pla­net fünf Mi­nu­ten vor sechs Uhr mor­gens auf, zu Mo­nats­en­de ein­ein­halb St­un­den frü­her.

Voll­mond tritt am 11. April um 8.08 Uhr in Stern­bild Jung­frau ein. Es ist der ers­te Voll­mond im Früh­ling die­ses Jah­res. Ge­mäß der Re­gel des Kon­zils von Nicäa 325 nach Chr. ist am fol­gen­den Sonn­tag das Os­ter­fest zu fei­ern. So­mit fällt der Os­ter­sonn­tag auf den 16. April. In­for­ma­ti­on un­ter Tel. 0 82 95/8 40 oder 0 82 95/10 97

Volks­stern­war­te Die­dorf (Schu­le an der Pes­ta­loz­zi­stra­ße), be­trie­ben von der As­tro­no­mi­schen Ver­ei­ni­gung Augs burg. Ge­öff­net: Frei­tags ab 20 Uhr. Aus­künf­te und An­mel­dung für Son­der füh­run­gen un­ter Tel. 0 82 38/73 44 wäh­rend der Öff­nungs­zei­ten. www.stern­war­te die­dorf.de

Stern­war­te und Pla­ne­ta­ri­um Lau pheim (Milch­stra­ße 1, 88471 Laup heim). Pla­ne­ta­ri­um: Mitt­woch und Frei tag (19.30 Uhr), Sams­tag (19 und 20.15 Uhr), Sonn /Fei­er­tag (14.30 und

Abend des 10. sieht man den Voll­mond nörd­lich des hel­len Ju­pi­ters. Am fol­gen­den Mor­gen ist der Mond deut­lich nach Os­ten von Ju­pi­ter ab­ge­rückt. Auch am Jung­frau­haupt­stern Spi­ca, der süd­lich des Voll­mon­des zu se­hen ist, kann man die Wan­de­rung des Erd­tra­ban­ten gut ver­fol­gen.

Die Ne­u­mond­pha­se wird am 26. um 14.16 Uhr er­reicht. Ei­nen Tag spä­ter kommt der Mond mit nur 359330 Ki­lo­me­ter in Erd­nä­he. Der zeit­li­che Bei­na­he-Zu­sam­men­fall von Ne­u­mond und Erd­nä­he führt zu Spring­flu­ten mit be­son­ders ho­hem Ti­den­hub. In Erd­fer­ne be­fin­det sich der Mond am 15. April – 405480 Ki­lo­me­ter tren­nen ihn dann von uns.

Der abend­li­che Fix­stern­him­mel zeigt nun ein­deu­tig früh­lings­haf­ten Cha­rak­ter. Hoch über un­se­ren Köp­fen steht der Gro­ße Wa­gen. Am Süd­him­mel pas­siert der Lö­we ge­ra­de die Mit­tags­li­nie. Er gilt als Leits­tern­bild des Früh­lings. Ein mäch­ti­ges Ster­nen­tra­pez deu­tet den Rumpf des Tie­res an. Dar­auf sitzt ein klei­nes Tra­pez, das den Kopf mar­kiert. Die Grund­li­nie des Lö­wen­tra­pe­zes wird von den bei­den hel­len Ster­nen Re­gu­lus und De­ne­bo­la ge­bil­det.

Re­gu­lus ist der hells­te Stern im Lö­wen. Der Na­me be­deu­tet so viel wie „Klei­ner Kö­nig“. Er wur­de von Ni­ko­laus Koper­ni­kus vor­ge­schla­gen. De­ne­bo­la ist deut­lich lich­tMars schwä­cher. Der Na­me stammt aus dem Ara­bi­schen und heißt schlicht „Schwänz­chen“. Von De­ne­bo­la ist das Licht 36 Jah­re zur Er­de un­ter­wegs. Re­gu­lus ist mit 77 Licht­jah­ren dop­pelt so weit ent­fernt.

Blickt man zum Gro­ßen Wa­gen und folgt mit den Au­gen dem BoAm gen­schwung der Wa­gendeich­sel, trifft man auf den hel­len, oran­ge leuch­ten­den Ark­tur. Er zählt zu den vier hells­ten Ster­nen des ir­di­schen Fir­ma­ments und ist Haupt­stern des Stern­bil­des Boo­tes, zu Deutsch: Rin­der­hirt. Der Na­me Ark­tur selbst be­deu­tet Bä­ren­hü­ter. Er treibt den Gro­ßen Bä­ren um den Po­lar­stern her­um.

Den Raum im Süd­os­ten nimmt die Jung­frau ein. In die­sem Stern­bild hält sich in die­sem Jahr der Rie­sen­pla­net Ju­pi­ter auf. Hoch im Nord­wes­ten fla­ckert un­über­seh­bar die hel­le, gelb­li­che Ka­pel­la im Fuhr­mann. Im Süd­wes­ten sieht man noch Pro­kyon, Haupt­stern des Klei­nen Hun­des, ge­wis­ser­ma­ßen als Re­likt des Win­ters­ter­nen­him­mels. Noch recht hoch am West­him­mel sind die Zwil­lin­ge zu se­hen, eben­falls ein Über­bleib­sel des Win­ters.

Vom 15. bis 24. April flam­men die Stern­schnup­pen der Ly­ri­den auf. Ihr Aus­strah­lungs­punkt liegt im Stern­bild Lei­er. Die güns­tigs­te Be­ob­ach­tungs­zeit sind die St­un­den von 23 Uhr bis 4 Uhr mor­gens. Das Ma­xi­mum der Ly­ri­den ist in der Nacht vom 21. auf 22. April zu er­war­ten, wo­bei pro St­un­de bis zu zwan­zig Me­teo­re er­schei­nen. Ur­sprung der Ly­ri­den ist der Ko­met That­cher.

Die Son­ne wan­dert am auf­stei­gen­den Ast ih­rer Jah­res­bahn. Am spä­te­ren Abend des 18. wech­selt sie aus dem Stern­bild Fi­sche in das Stern­bild Wid­der, in dem sie bis 14. Mai bleibt. Die Mit­tags­hö­he der Son­ne nimmt dann im April um zehn Grad zu. Die Ta­ges­län­ge der Son­ne wächst um ein­drei­vier­tel St­un­den.

Stern­war­ten und Pla­ne­ta­ri­en in der Re­gi­on

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