Här­te­re Stra­fen

Ra­ser wer­den zu­neh­mend we­gen Tot­schlags oder Mor­des an­ge­klagt

Friedberger Allgemeine - - Panorama -

Bremen/Ber­lin Es war ein spek­ta­ku­lä­res Ur­teil, das das Land­ge­richt Ber­lin En­de Fe­bru­ar sprach: Die Ku’damm-Ra­ser Ham­di H. und Mar­vin N. müs­sen ins Ge­fäng­nis – le­bens­läng­lich. Und zwar we­gen „Mor­des in Tatein­heit mit ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung“. Ra­ser wa­ren bis da­hin meist über­aus glimpf­lich da­von­ge­kom­men. Ein il­le­ga­les Au­to­ren­nen galt als Ord­nungs­wid­rig­keit, die mit ei­nem Buß­geld von 400 Eu­ro ge­ahn­det wur­de. Kam es zu To­des­fäl­len, wur­den die Fah­rer we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung zu eher nied­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt. Das scheint sich ge­ra­de zu än­dern.

Die Recht­spre­chung schaue bei die­sen schwe­ren Un­fäl­len mitt­ler­wei­le ge­nau­er hin, ob es In­di­zi­en für vor­sätz­li­ches Han­deln ge­be, sag­te der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Rich­ter­bun­des, Jens Gni­sa, jetzt. Wäh­rend frü­her „fast al­le Fäl­le“we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung ge­führt wor­den sei­en, kom­me in­zwi­schen ver­mehrt ei­ne Be­stra­fung we­gen Tot­schlags oder Mor­des in­fra­ge. Und da­mit hö­he­re Straf­rah­men.

So ist es auch in ei­nem Fall aus Bremen. Am heu­ti­gen Frei­tag wird ein Ur­teil ge­gen ei­nen 28 Jah­re al­ten Au­to­fah­rer er­war­tet, dem die Staats­an­walt­schaft ver­such­ten Tot­schlag vor­wirft. Laut An­kla­ge hat er im Ju­ni 2016 in Bremen ein 13-jäh­ri­ges Kind le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt, als er mit sei­nem Au­to über ei­ne ro­te Am­pel fuhr. Er soll das blu­ten­de Kind kurz an­ge­se­hen ha­ben und dann ge­flüch­tet sein.

Die Staats­an­walt­schaft for­dert ei­ne Haft­stra­fe von fünf Jah­ren und neun Mo­na­ten. We­gen ver­such­ten Tot­schlags, ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung und Fah­rer­flucht.

Im Fall der Ku’damm-Ra­ser von Ber­lin leg­te ein Ver­tei­di­ger nach dem Ur­teil um­ge­hend Re­vi­si­on ein. Da­mit muss der Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­den. Der Deut­sche Rich­ter­bund hofft auf ein Grund­satz­ur­teil. Denn der­zeit ge­be es ei­ne gro­ße Pa­let­te von Ur­tei­len, sag­te der Vor­sit­zen­de Gni­sa.

Fo­to: dpa

Vor ei­nem Jahr starb ein Un­be­tei­lig­ter bei ei­nem Au­to­ren­nen in Ber­lin.

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