Was für die Augs­bur­ger Frie­den be­deu­tet

Weit über 1000 Men­schen ge­nie­ßen an der dies­jäh­ri­gen Frie­den­s­ta­fel auf dem Rat­haus­platz Es­sen und gu­te Ge­sprä­che. Als es da­bei zu ei­nem klei­nen Zwi­schen­fall kommt, be­ein­träch­tigt das die Stimmung über­haupt nicht

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON INA KRES­SE Fo­tos: Sil­vio Wy­szen­grad

Als Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl am Mit­tag dann die Frie­den­s­ta­fel of­fi­zi­ell er­öff­net und ei­nen guten Ap­pe­tit wünscht, er­füllt sich der Rat­haus­platz mit Lachen. Schließ­lich ha­ben et­li­che Be­su­cher ih­re mit­ge­brach­ten Spei­sen zu die­sem Zeit­punkt längst ver­zehrt. Weit über 1000 Men­schen ka­men ges­tern, um an den vie­len Tafeln vor dem Rat­haus ge­mein­sam zu spei­sen und das Frie­dens­fest zu fei­ern. Da­bei gab es je­doch ei­nen klei­nen Zwi­schen­fall.

Schon ge­gen halb zehn Uhr mor­gens ka­men laut Chris­tia­ne Lem­bert-Do­bler die ers­ten Gäs­te, um sich Plät­ze zu si­chern. Der Rat­haus­platz füllt sich am Vor­mit­tag schnell. Ob­wohl laut der Frie­dens­bü­ro-Lei­te­rin die­ses Jahr noch mehr Ti­sche und Bän­ke auf­ge­stellt wur­den, fin­det nicht je­der Platz. Da­ni­el und Mir­ja Fei­ger mit Kind und ih­re sy­ri­schen Freun­de et­wa ha­ben es sich kur­zer­hand auf ei­ner De­cke auf dem Kopf­stein­pflas­ter be­quem ge­macht. Sie es­sen selbst ge­mach­te Piz­za­schnit­ten und von den Trau­ben, die un­ter an­de­rem kos­ten­los ver­teilt wer­den. Bei der Fra­ge, was Frie­de für sie heißt, herrscht kurz Stil­le. Die Be­deu­tung von Frie­de las­se sich schlecht auf ei­nen Satz re­du­zie­ren, fin­det der jun­ge Fa­mi­li­en­va­ter Fei­ger und ver­sucht es doch: „Un­ter­schie­de aus­hal­ten und Viel­falt als Be­rei­che­rung wahr­neh­men, nicht als Ge­fahr“.

Für Ben­ja­min Lo­renz, der mit Be­kann­ten an ei­nem Tisch sitzt, be­ginnt Frie­de schon mit der Kom­mu­ni­ka­ti­on. „Für mich be­deu­tet es, ge­walt­frei mit­ein­an­der re­den zu kön­nen. Wor­te kön­nen wie ab­ge­schos­se­ne Pfei­le sein, die man nicht mehr zu­rück­ho­len kann.“In Hoch­zoll, wo er wohnt, be­kom­me er lei­der oft ge­nug mit, wie giftig Kin­der mit­ein­an­der um­ge­hen. Apro­pos Kin­der: Ma­ria Hafner, die mit Toch­ter Pia ge­müt­lich an ei­ner der Tafeln sitzt und isst, küm­mert sich oft ge­nug um Frie­den, wie sie er­zählt. „Ich ha­be zwei Kin­der. Da ver­su­che ich hin und wie­der, Frie­den zu stif­ten“, sagt die Mut­ter mit ei­nem Au­gen- zwin­kern. Das Augs­bur­ger Fest fin­det sie schön. „Es ist et­was Ein­ma­li­ges.“

An den Ti­schen sit­zen jun­ge und al­te Men­schen zu­sam­men, Men­schen ver­schie­de­ner Her­kunft. Vie­le ken­nen sich nicht. Aber man kommt ins Ge­spräch und lässt ge­gen­sei­tig die Köst­lich­kei­ten pro­bie­ren. Wie Or­dens­schwes­ter Mar­ti­na. Die 84-Jäh­ri­ge ver­schenkt gleich ih­re Gur­ken. „Aus dem ei­ge­nen Gar­ten.“Frie­de ist für sie das Wich­tigs­te, sagt die be­tag­te Frau. „Man kann mal an­ein­an­der rü­cken, aber dann geht man her und ent­schul­digt sich.“So kön­ne man gut le­ben. Zwi­schen den vie­len schö­nen Ge­sprä­chen gibt es kurz­zei­tig Auf­re­gung. Un­be­kann­te rol­len ein Trans­pa­rent auf der Ter­ras­se des Per­lach­turms aus. „Ge­gen das, was Ihr Frie­den nennt. Mul­ti­kul­ti tö­tet“, steht auf dem gel­ben Pla­kat in schwar­zen Buch­sta­ben. Ver­tre­ter der Stadt und Po­li­zei ei­len die Trep­pen hin­auf. Die Un­be­kann­ten tref­fen sie nicht mehr an. Das Pla­kat wird ent­fernt. Ver­mu­tet wird, dass die Iden­ti­tä­re Be­we­gung, die der rechts­ex­tre­men Szene zu­ge­ord­net wird, da­hin­ter steckt. Richard Go­er­lich, Spre­cher des Ober­bür­ger­meis­ters, zu­fol­ge wer­de nach­zu­ge­hen sein, wie die Un­be­kann­ten dort hoch ka­men. Zwar ist der Per­lach­turm am Fei­er­tag ge­öff­net, die Lu­ke zur Ter­ras­se aber war ab­ge­sperrt. Die Po­li­zei er­mit­telt. Der schö­nen Stimmung auf dem Rat­haus­platz tut dies aber kei­nen Ab­bruch.

Bil­der vom Fest fin­den Sie un­ter: www.augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Zu­sam­men es­sen, plau­dern und sich ken­nen­ler­nen. Vie­le Augs­bur­ger und auch Be­su­cher von aus­wärts kom­men ger­ne zur Frie­den­s­ta­fel auf dem Rat­haus­platz. Die Frie­dens fest Gäs­te und die Or­ga­ni­sa­to­ren hat­ten ges­tern Mit­tag viel Glück mit dem Wet­ter.

Die Po­li­zei er­mit­telt im Fall des am Per lach­turm aus­ge­roll­ten Trans­pa­r­ents.

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