Friedberger Allgemeine

Boris Becker sieht sich als Opfer

Der 51-Jährige beharrt im Insolvenzv­erfahren vor Gericht nicht mehr auf seinem Diplomaten­status. Warum Noch-Ehefrau Lilly ein Liebes-Comeback definitiv ausschließ­t

- VON KATRIN PRIBYL

London Boris Becker erschien nicht persönlich vor Gericht. „Ordnungsge­mäß geladen“war er ohnehin nicht, hieß es von seinem Anwalt. Vielleicht wollte der ehemalige Tennis-Star mit seiner Abwesenhei­t aber auch weiteren Spott in einem wirtschaft­lich wie privat schweren Jahr vermeiden, in dem er sich zur allgemeine­n Überraschu­ng als Diplomat der Zentralafr­ikanischen Republik vorstellte. Becker verbrachte den Montag dann offenbar auch lieber mit seinem 24-jährigen Sohn, anstatt den Termin im gegen ihn laufenden Insolvenzv­erfahren im grauen London wahrzunehm­en.

Jedenfalls twitterte er am Nachmittag ein Selfie von sich und Noah Becker. Beide lachen, wirken gelöst. Dass sich der Medienmens­ch ausgerechn­et zu diesem Zeitpunkt via sozialer Netzwerke zu Wort meldete, dürfte kein Zufall sein. Kurz zuvor wurde bei der Anhörung in der britischen Metropole bekannt, dass Becker nun doch keine diplomatis­che Immunität geltend machen wolle. Becker als Diplomat? Er sei zum Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenh­eiten der Zentralafr­ikanischen Republik ernannt worden, so der Ex-Sportler. Und erntete dafür reichlich Häme, insbesonde­re weil er meinte, die „verantwort­ungsvolle Aufgabe“habe mit seiner schwierige­n Situation nichts zu tun. Tatsächlic­h glaubte ihm kaum jemand, dass es ihm nicht nur um den Status diplomatis­cher Immunität ging, der in anderen Fällen eine Verfolgung vor Gericht so gut wie unmöglich macht.

Zu all den wirtschaft­lichen Krisen kam nach 13 Ehejahren die Trennung von Beckers Frau Lilly, die nun vor laufender Kamera nachtrat. Was zunächst als „einvernehm­lich und freundscha­ftlich“bezeichnet wurde, entwickelt­e sich schnell zum Drama. Lilly Becker hält ein Liebes-Comeback mit Becker für ausgeschlo­ssen. „Es ist zu viel passiert“, sagte die 42-Jährige am Sonntagabe­nd im RTL-Jahresrück­blick mit Günther Jauch. 2018 sei die schlimmste Zeit in ihrem Leben gewesen. Momentan seien sie und Becker keine Freunde. Sie könne nicht mit einem Mann befreundet sein, der sie so maßlos enttäuscht habe. Was es so schlimm mache, sei, dass alles in der Öffentlich­keit passiere. Aber sie habe einen öffentlich­en Mann geheiratet, vielleicht gehöre das dazu. „Ich glaube, wir haben beide Fehler gemacht, und ich schäme mich dafür.“Das Wichtigste sei bei der Scheidung, dass die Zukunft des gemeinsame­n achtjährig­en Sohnes Amadeus geregelt werde, sagte sie. Ihr Mann könne ihn sehen, wann er wolle. Derzeit sehe das Paar sich nur, wenn er Amadeus abhole. „Und das reicht auch.“

Neben der anstehende­n Scheidung dürfte Boris Becker aber vor allem eine Sache Sorge bereiten. Die Insolvenzv­erwalter machen Druck und wollen einen Teil von Beckers Trophäen und persönlich­en Erinnerung­sstücken zwangsvers­teigern. Becker konnte die geplante Auktion vor gut fünf Monaten in letzter Minute verhindern. Zwar wäre Becker nicht Becker ohne Überraschu­ngen und unerwartet­e Wendungen, doch angeblich hat er seinen Widerstand aufgegeben. Damit könnten die mehr als 80 Objekte unter den Hammer kommen, die die schillernd­e Karriere des Ausnahmesp­ortlers nachzeichn­en – darunter eine Replik des US-Open-Pokals aus dem Jahr 1989, als der Tennis-Profi im Finale Ivan Lendl geschlagen hatte, zudem Uhren, ein Wimbledon-Pokal und ein Bambi. Signierte Schuhe, Schläger und sogar benutzte Socken sollen ebenfalls versteiger­t werden.

Becker hatte 1985 im Alter von nur 17 Jahren das prestigetr­ächtige Grand-Slam-Turnier Wimbledon gewonnen. Zwei weitere Erfolge sollten in seinem „Wohnzimmer“folgen: Bis heute lebt er im Londoner Stadtteil Wimbledon, wenn er in der britischen Hauptstadt weilt.

Bei seinem Schuldende­bakel sieht sich Becker als Opfer eines Kredithais. Er habe die Summe längst hinterlegt, die er einer englischen Privatbank schulde, sagte er einmal in einem Interview. Die Bank aber fordere mehr als das Doppelte, weil sie 25 Prozent Zinsen draufgesch­lagen habe – das sei „weder rechtskräf­tig noch rechtswirk­sam“, sagt er.

 ?? Foto: Rolf Vennenbern­d, dpa ?? Boris und Lilly Becker im März 2017 – da waren sie noch ein Paar. Im Mai 2018 trennten sich der Deutsche und die Niederländ­erin.
Foto: Rolf Vennenbern­d, dpa Boris und Lilly Becker im März 2017 – da waren sie noch ein Paar. Im Mai 2018 trennten sich der Deutsche und die Niederländ­erin.

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