War­um wird so ei­ner nicht ab­ge­scho­ben?

CDU wirft Se­nat und Rich­ter Ver­sa­gen vor. Dar­um ist der Mann trotz sei­ner Ta­ten im­mer noch hier

Hamburger Morgenpost - - HAMBURG -

Von MI­KE SCHLINK und ANA­ST­A­SIA IKSANOV

Die­ser Fall lässt vie­le Men­schen rat­los zu­rück. Ein laut Po­li­zei 18-jäh­ri­ger Asyl­be­wer­ber aus Ma­rok­ko soll am ver­gan­ge­nen Frei­tag ei­ne 22Jäh­ri­ge auf dem Kiez mehr­fach se­xu­ell ge­nö­tigt ha­ben (MOPO be­rich­te­te). Nach der Fest­nah­me ist der po­li­zei­be­kann­te Mann in­zwi­schen wie­der auf frei­em Fuß. Sein Asyl­an­trag wur­de be­reits ab­ge­lehnt – doch ob­wohl er mehr­fach auf­fäl­lig wur­de, wird er nicht ab­ge­scho­ben. War­um?

Die Ak­te des 18-jäh­ri­gen Ma­rok­ka­ners ist ein­deu­tig: Vor zwei Jah­ren kam er als min­der­jäh­ri­ger un­be­glei­te­ter Flücht­ling nach Ham­burg – seit­dem ist er der Po­li­zei mehr­fach ne­ga­tiv auf­ge­fal­len. Kon­kret geht es um Kör­per­ver­let­zung und Ta­schen­dieb­stäh­le – und das, ob­wohl der Mann in Ham­burg le­dig­lich ge­dul­det wird.

„Wer das Gast­recht in un­se­rem Land miss­braucht, um wie­der­holt Straf­ta­ten zu be­ge­hen, muss Deutsch­land wie­der ver­las­sen“, sagt em­pört CDU-In­nen­ex­per­te Den­nis Gla­dia­tor. Der Ma­rok­ka­ner hät­te „schon längst ab­ge­scho­ben wer­den müs­sen“. An­ge­sichts des be­ste­hen­den Rück­nah­me­ab­kom­mens mit dem zum „si­che­ren Her­kunfts­land“de­kla­rier­ten Ma­rok­ko, hät­te das dem rot­grü­nen Se­nat kei­ne Schwie­rig­kei­ten be­rei­ten dür­fen.

Ha­ben die Be­hör­den al­so ver­sagt? So ein­fach ist es am En­de dann doch nicht, sagt zu­min­dest Nor­bert Sme­kal, Spre­cher der Ham­bur­ger Aus­län­der­be­hör­de. „Dass der jun­ge Mann ge­dul­det wird, be­deu­tet, dass die Ab­schie­bung aus un­ter­schied­li­chen Grün­den aus­ge­setzt wor­den ist.“

Das kann am Ge­sund­heits­zu­stand des Aus­rei­se­pflich­ti­gen lie­gen oder dar­an, dass der Flug ins Her­kunfts­land erst noch ge­bucht wer­den muss. Deut­lich wahr­schein­li­cher ist aber, dass dem Ma­rok­ka­ner schlicht die Pa­pie­re feh­len – und oh­ne die kann er nicht ab­ge­scho­ben wer­den. „Die Her­kunfts­län­der tun sich oft schwer, Pa­pie­re aus­zu­stel­len. Die wol­len erst ein­mal ei­nen Be­weis ha­ben, dass die Per­son wirk­lich aus dem Land kommt“, so Sme­kal. Und sie ha­ben na­tür­lich kein In­ter­es­se dar­an, straf­fäl­li­ge Mit­bür­ger wie­der auf­neh­men zu müs­sen. Ei­ne Ab­schie­bung rückt so­mit in wei­te Fer­ne.

Doch es ist nicht nur das, was vie­le der­zeit den Kopf schüt­teln lässt. „Es ist voll­kom­men un­ver­ständ­lich, war­um der Rich­ter im ak­tu­el­len Fall kei­nen Grund für ei­ne Un­ter­su­chungs­haft ge­se­hen hat“, so Gla­dia­tor.

Der Fall wirft al­ler­dings wei­te­re Fra­gen auf: Laut Po­li­zei ha­be der Ma­rok­ka­ner die Frau – die sich ver­bal und kör­per­lich ge­wehrt ha­ben soll – mehr­fach be­grapscht und ihr auch un­ter den Rock ge­grif­fen. Laut Staats­an­walt­schaft hät­ten „die Grün­de für den Tat­be­stand ei­ner se­xu­el­len Nö­ti­gung“je­doch nicht vor­ge­le­gen. Zu­dem hat die 22-Jäh­ri­ge kei­ne Straf­an­zei­ge ge­stellt hat, das wür­de sich „ver­fol­gungs­hin­dernd“aus­wir­ken. War­um die Frau kei­ne An­zei­ge er­stat­tet hat, ist un­klar.

„Man hät­te den Mann längst ab­schie­ben müs­sen.“Den­nis Gla­dia­tor, CDU

Die Po­li­zei nimmt ei­nen jun­gen Mann fest und führt ihn ab (Sym­bol­fo­to).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.