Hörn­chen sind im 7. Him­mel!

Die Pro­fi­teu­re des Wet­ters:

Hamburger Morgenpost - - VORDERSEITE - SAN­DRA SCHÄFER san­dra.schae­fer@mopo.de

Der Re­kord­som­mer scheint gar nicht en­den zu wol­len. Wäh­rend die Acker­bau­ern we­gen der Tro­cken­heit über er­schüt­tern­de Ern­te­ausf lle kla­gen, ju­beln die Obst­bau­ern im Al­ten Land über ih­re be­son­ders sü­ßen Früch­te. „Wir ha­ben ei­ne her­vor­ra­gen­de Qua­li­tät“, schwärmt Obst­bau­er Karl Tam­ke (70) aus Neu­en­fel­de. Rei­che Aus­beu­te auch für Eich­hörn­chen und Wild­schwei­ne. Ei­chen, Bu­chen und Wal­nuss­bäu­me bie­gen sich un­ter der Last der vie­len Früch­te.

„Wir sind mit der Ap­fel­ern­te in den letz­ten Zü­gen“, er­zählt Tam­ke zu­frie­den. Sie ging in die­sem Jahr we­gen des hei­ßen Wet­ters zwei Wo­chen frü­her los. „Wir konn­ten un­se­re Bäu­me be­wäs­sern“, so der Bau­er, „des­halb sind die Früch­te auch schön groß ge­wor­den.“Und durch die Son­ne zu­dem sehr fruch­tig süß. Nicht al­le Ap­fel­bau­ern hat­ten die Mög­lich­keit zu be­wäs­sern. Mit der Fol­ge, dass ein klei­ner Teil der Früch­te zwar aro­ma­tisch, aber we­gen der Tro­cken­heit deut­lich klei­ner ist.

Al­ler­dings ist der Ein­zel­han­del der­zeit noch et­was zu­rück­hal­tend, was das hei­mi­sche Obst an­geht. Er hat noch nicht so gro­ße Men­gen ein­ge­kauft, wie sich die Ap­fel­bau­ern wün­schen wür­den. „Auch in den hei­mi­schen Gär­ten und Schre­ber­an­la­gen hin­gen die Obst­bäu­me voll“, so Tam­ke. Da­her sei die Nach­fra­ge noch nicht ganz so groß.

In Deutsch­land ins­ge­samt rech­net das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt dies­mal mit ei­ner Ern­te­men­ge von fast 1,1 Mil­lio­nen Ton­nen Äp­feln. Im mie­sen Re­gen­jahr 2017 wa­ren es nur 597000 Ton­nen.

All­er­gi­ker ha­ben be­reits im Früh­jahr ge­merkt, dass Deutsch­land ein so­ge­nann­tes Mast­jahr (Jahr mit ma­xi­ma­ler Sa­men­pro­duk­ti­on) hat. Es f ogen be­son­ders vie­le Baum­pol­len. Und jetzt bie­gen sich Ei­chen, Kas­ta­ni­en und Bu­chen vor Früch­ten nur so. Selbst die von der Hit­ze und Dau­er­tro­cken­heit ge­stress­ten Stra­ßen­bäu­me hän­gen voll.

Ro­si­ge Zei­ten für Eich­hörn­chen, Dam- und Rot­wild. Was we­ni­ger er­freu­lich ist: Auch Wild­schwei­ne wer­den dank der Ei­cheln or­dent­lich Speck an­set­zen und sich präch­tig ver­meh­ren, wenn es nicht ei­nen sehr stren­gen Win­ter gibt.

Kei­ne Pro­ble­me mit dem viel zu tro­cke­nen Som­mer hat­ten auch die meis­ten Vö­gel laut Micha­el Ra­de­mann von der Schutz­ge­mein­schaft Deut­scher Wald. „Ins­be­son­de­re die Vö­gel, die Flug­in­sek­ten ja­gen, hat­ten ein gu­tes Jahr“, sagt der Ex­per­te. So pro­fi­tier­ten von der tro­cke­nen Wär­me et­wa Schwal­ben und Ne­un­tö­ter.

Et­was an­ders sah das bei den Stör­chen in Ham­burg aus. Weil sie nicht ge­nü­gend Fut­ter fan­den, war­fen vie­le von ih­nen Jung­tie­re aus dem Nest, da sie die­se nicht aus­rei­chend ver­sor­gen konn­ten. Die Nah­rungs-Knapp­heit führ­te laut Na­bu auch zu hef­ti­gen Re­vier­kämp­fen, bei de­nen meh­re­re Eier zu Bruch

gin­gen. Bei neun Stor­chen­paa­ren gab es des­halb kei­nen Bruter­folg in die­sem Jahr. Un­term Strich gab es trotz­dem mehr Nach­wuchs als im feuch­ten Som­mer 2017.

Auch den Als­ter­schwä­nen hat der hei­ße Som­mer zu­ge­setzt. 15 Tie­re star­ben an ei­ner Dar­m­ent­zün­dung, aus­ge­löst durch gif­ti­ge Bak­te­ri­en im Was­ser. Schwa­nen­va­ter Olaf Nieß hat­te die Schwä­ne zeit­wei­se ins Win­ter­la­ger ge­bracht, um sie vor den Gif­ten im Schlamm zu schüt­zen, doch es half nur be­dingt. Zu­vor wa­ren be­reits Tau­sen­de Fische an den Kei­men ver­en­det.

Für die Be­ach­clubs war es ein groß­ar­ti­ger Som­mer, et­wa beim Be­ach­club del Mar an den Lan­dungs­brü­cken. Auch der Ge­trän­ke-Ein­zel­han­del lässt qua­si die Sekt­kor­ken knal­len. „Der Som­mer war her­vor­ra­gend“, sagt Vor­stands­chef Andre­as Vo­gel. „Wir ha­ben zwei­stel­li­ge Zu­satz­ra­ten im Be­reich Mi­ne­ral­was­ser und Schor­len.“Auch Bier und sü­ße Ge­trän­ke ha­ben zu­ge­legt. „Doch nicht in dem Aus­maß. Da­für war es ein­fach zu heiß.“

Der Ro­sen­gar­ten in Plan­ten un Blo­men ist im­mer ei­ne Au­gen­wei­de. Aber in die­sem Jahr wuch­sen die Ro­sen be­son­ders üp­pig

Obst­bau­er Karl Tam­ke (70) aus Neu­en­fel­de prüf sei­ne Red-Prin­ce-Ern­te. Er ist mit Qua­li­tät und Er­trags­men­ge in die­sem Jahr sehr zu­frie­den.

Ein Ge­trei­de­bau­er zeigt sei­ne ver­trock­ne­ten Äh­ren. Die Er­trä­ge sind durch den tro­cke­nen, hei­ßen Som­mer völ­lig ein­ge­bro­chen. Vie­ler­orts gab es No­tern­ten.

Al­le Ham­bur­ger wa­ren Ge­win­ner die­ses Som­mers: Ali­ne Koch, Ma­ra Mül­ler, Eve­lyn Vakhme­nin und La­ra Rie­ke (v. l., al­le 17) ge­nie­ßen Frucht­cock­tails im Be­ach­club del Mar.

Für Park- und Wald­bäu­me (hier im Je­nisch­park) war der Som­mer kein Pro­blem. Vie­le Stra­ßen­bäu­me hin­ge­gen war­fen Blät­ter ab. Eich­hörn­chen sind ge­ra­de im Me­ga-Stress: Ei­ne so ge­wal­ti­ge Aus­beu­te an Ei­cheln und Nüs­sen wie in die­sem Jahr fin­den sie sel­ten. Al­ler­dings sind ei­ni­ge Früch­te we­gen des tro­cke­nen Som­mers hohl.

So ein vol­ler Korb mit Pil­zen ist in die­sem Jahr ei­ne Sel­ten­heit. Durch die lan­ge Tro­cken­heit ist die Sai­son bis­her fast ganz aus­ge­blie­ben.

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