Good­bye Pro­jek­tor: Samsung er­setzt Lein­wand durch Led-mo­du­le

HD TV - - Inhalt 5.2018 - CHRIS­TI­AN TROZINSKI

Ei­ne Film­vor­füh­rung im Ki­no­saal war bis­lang un­trenn­bar mit ei­ner Groß­bild­pro­jek­ti­on ver­bun­den. Bis jetzt, denn Samsung star­tet die Led-screen-re­vo­lu­ti­on nun auch in Deutsch­land.

Im Traum­pa­last in Ess­lin­gen (bei Stutt­gart) war­tet das ers­te Samsung Onyx Led-ci­ne­ma Deutsch­lands auf stau­nen­de Be­su­cher. Ki­no­fil­me wer­den erst­mals nicht auf ei­ner Lein­wand, son­dern durch ei­ne Viel­zahl von Led-dis­plays wie­der­ge­ge­ben. Sie ha­ben rich­tig ge­hört: Statt ei­nes gi­gan­ti­schen Screens wird Samsungs knapp 10 × 5,5 Me­ter gro­ßer Onyx-screen aus 96 klei­ne­ren Led-dis­plays zu­sam­men­ge­setzt, die rah­men­los an­ein­an­der­ge­steckt die Xxl-4k-film­dar­stel­lung er­mög­li­chen. Im Ge­gen­satz zu Samsungs QLED-TVS, die zwar mit Led-tv-slo­gans be­wor­ben wer­den, aber kei­ne pi­xel­ge­naue Licht­er­zeu­gung er­mög­li­chen, sind Samsungs Onyx-screens ech­te Led-dis­plays, was den Ein­satz von Lcd-tech­nik über­flüs­sig macht. Zu­sam­men­ge­rech­net (Rgb-sub­pi­xel) er­zeu­gen da­mit mehr als 26 Mil­lio­nen Leucht­di­oden die be­nö­tig­ten Farb­licht­in­for­ma­tio­nen. Ob­wohl Kos­ten für Lein­wand und Pro­jek­to­ren ent­fal­len, ist die In­ves­ti­ti­on in Samsungs Onyx Ci­ne­ma-led-screens kein güns­ti­ges Ver­gnü­gen, je nach Dis­play-grö­ße und Sound­aus­stat­tung sum­mie­ren sich die Kos­ten auf 500 000 bis 1 Mil­li­on Eu­ro pro Ki­no­saal. Doch die Um­rüs­tung auf Led-dis­plays bie­tet lang­fris­tig ge­se­hen vie­le Vor­tei­le. So gibt Samsung die Led-le­bens­dau­er mit knapp 100 000 St­un­den an, weit mehr als es Lam­pen- oder La­ser­ein­hei­ten bei Pro­jek­to­ren ga­ran­tie­ren. Soll­ten ein­zel­ne LEDS den­noch ein­mal aus­fal­len, kön­nen Ein­zel­mo­du­le aus­ge­wech­selt wer­den. Da kein Pro­jek­tor in­stal­liert wer­den muss, ent­fällt der klas­si­sche Pro­jek­ti­ons­raum, was mehr Sitz­rei­hen er­mög­licht und Bild­ver­zer­run­gen im Rand­be­reich tre­ten mit Samsungs OnyxS­creen eben­falls nicht auf.

HDR end­lich nach­voll­zieh­bar

Der größ­te Vor­teil für ei­ne HDR- und 3D-wie­der­ga­be ist al­ler­dings die er­ziel­ba­re Bild­hel­lig­keit: Lie­gen klas­si­sche Lam­pen­pro­jek­to­ren bei knapp 48 Nits, so er­reicht Samsungs Led-screen-lö­sung 300 Nits und im spe­zi­el­len Hdr-mo­dus so­gar bis zu 500 Nits. Da­mit über­trifft Samsung die Licht­leis­tung her­kömm­li­cher Pro­jek­to­ren um bis zu Fak­tor 10, wäh­rend Dol­bys La­ser­pro­jek­ti­ons­vor­ga­ben im Dol­by Ci­ne­ma um den Fak­tor 5 ge­schla­gen wer­den. Doch

nicht nur bei der Bild­hel­lig­keit, son­dern auch bei der Schwarz­dar­stel­lung de­fi­niert Samsungs Onyx-screen Best­mar­ken: Künst­li­che Auf­hel­lun­gen wie bei ei­ner Lein­wand­pro­jek­ti­on gibt es nicht, schwar­ze Kino­bal­ken er­schei­nen ul­ti­ma­tiv schwarz und durch die pi­xel­ge­naue Licht­er­zeu­gung er­war­ten Sie Kon­trast­wer­te ver­gleich­bar zu OLED-TVS. Auch bei der Be­wegt­bild­dar­stel­lung ver­spricht Samsung Best­wer­te: Ab­seits der Ki­no­film­fre­quenz von 24 Bil­dern pro Se­kun­de sol­len sich Qu­el­len mit mehr als 100 Bil­dern pro Se­kun­de wie­der­ge­ben las­sen. Doch es gibt auch ei­ni­ge Din­ge bei der Onyx Ci­ne­ma-led-in­stal­la­ti­on zu be­ach­ten. Da­mit das Pi­xel­ras­ter nicht vom Bild­in­halt ab­lenkt, sind ei­ni­ge Me­ter Sitz­ab­stand von­nö­ten und für klei­ne­re Ki­no­sä­le be­deu­ten we­ni­ger Led-ein­zel­ele­men­te gleich­zei­tig ei­nen Auf­lö­sungs­ver- lust. Laut­spre­cher las­sen sich nicht wie bei ei­ner akus­tisch trans­pa­ren­ten Lein­wand hin­ter das Bild ver­frach­ten, son­dern wer­den ober­halb und links und rechts vom Screen mon­tiert.

Das En­de von 3D?

3D-in­hal­te las­sen sich zwar theo­re­tisch pro­blem­los über den Onyx Ci­ne­ma-led-screen wie­der­ge­ben, al­ler­dings sind ak­ti­ve Shut­ter-bril­len von­nö­ten, um 3D-bil­der se­hen zu kön­nen. Ob vie­le Ki­no­be­trei­ber be­reit sind, noch ein­mal in teu­re ak­ti­ve Bril­len­tech­nik zu in­ves­tie­ren,

„Im Ge­gen­satz zu Samsungs QLED-TVS sind Samsungs OnyxS­creens ech­te Led-dis­plays, was den Ein­satz von Lcd-tech­nik über­flüs­sig macht.“

darf be­zwei­felt wer­den, wes­halb Samsungs Onyx Ci­ne­ma-led-screens, ver­gleich­bar zur Tv-tech­nik im Wohn­zim­mer, die Hdr-ver­brei­tung for­cie­ren und das En­de von 3D ein­läu­ten könn­ten. Doch der Um­stieg auf die Led-tech­nik kann auch zahl­rei­che neue Mög­lich­kei­ten schaf­fen. So ist ei­ne kom­plet­te Rau­m­ab­dunk­lung nicht mehr zwin­gend nö­tig, son­dern ei­ne Film- oder En­ter­tain­ment­vor­stel­lung kann auch im be­leuch­te­ten Saal er­fol­gen, was z. B. Kon­zert­auf­füh­run­gen auf­wer­tet. Ne­ben Ki­no­fil­men sol­len Mu­sik-, Sport- und Ga­ming-groß­er­eig­nis­se in den Mit­tel­punkt rü­cken und Ki­no­sä­le sol­len ei­nem brei­ten Pu­bli­kum schmack­haft ge­macht wer­den.

Oled-qua­li­tät im Ki­no­saal

500 Nits Bild­hel­lig­keit, op­ti­ma­le Schwarz­dar­stel­lung, pi­xel­ge­naue Licht­er­zeu­gung, ech­te 4K-bild­auf­lö­sung und DCI-KINO­farb­raum: Samsung de­fi­niert mit Onyx Ci­ne­ma-led das Ki­no­er­leb­nis neu, un­ter­streicht da­durch aber auch den Qua­li­täts­vor­teil von OLED-TVS im Wohn­zim­mer, wenn Ki­no­fil­me in bes­ter Bildqualität be­staunt wer­den wol­len. Ab­zu­war­ten bleibt, wie lan­ge Samsungs Tv-ab­tei­lung be­nö­tigt, um die Mi­cro-led-fer­ti­gung im gro­ßen Stil zu star­ten, denn bis­lang bie­tet Samsung meist nur EDGE-LEDLCDS für das Wohn­zim­mer an und er­teilt Oled-dis­plays ei­ne Ab­sa­ge. Ne­ben dem Ki­no­saal in Ess­lin­gen sol­len bis Jah­res­en­de wei­te­re Licht­spiel­häu­ser in Deutsch­land mit Onyx-screens aus­ge­stat­tet wer­den und die Hdr-qua­li­täts­vor­tei­le ei­nem brei­te­ren Pu­bli­kum zu­gäng­lich ma­chen. Samsung will mit der neu­en Tech­nik auch Fil­me­ma­cher zum Um­den­ken be­we­gen und er­hofft sich dy­na­mi­sche­re Hdr-bil­der für die Zu­kunft. Ei­ne Ent­wick­lung, von der auch Hdr-tv-be­sit­zer lang­fris­tig ge­se­hen pro­fi­tie­ren dürf­ten.

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