Dead­pool 2

Wer hät­te ge­dacht, dass solch ein un­ge­zo­ge­ner Rotz­ben­gel wie Dead­pool ein­mal so das (Heim-)ki­no ro­cken wür­de? Er ist und bleibt ei­ne Schan­de Hol­ly­woods – Und die Zu­schau­er ste­hen drauf. Wir wie­der­ho­len die Fra­ge: „Was bit­te soll das denn?!“

HD TV - - Inhalt 5.2018 - FALKO THEUNER

Je­der gu­te Fa­mi­li­en-film be­ginnt mit ei­nem fie­sen Mord: „Bambi“, „Der Kö­nig der Lö­wen“so­wie „Saw 3D – Voll­en­dung“. Was Wa­de Wil­son, ali­as Dead­pool, hier rich­tig er­kannt hat, lässt sich auch auf sei­nen neus­ten Film be­zie­hen, denn „Dead­pool 2“be­ginnt tat­säch­lich mit ei­nem Trau­ma, an dem nicht nur der rö­tes­te al­ler Hel­den zu knab­bern hat, son­dern auch das Pu­bli­kum. So ist ei­nem die zau­ber­haf­te Va­nes­sa (Mo­re­na Bac­ca­rin) im ers­ten Teil ans Herz ge­wach­sen, auch wenn sie sich hier haupt­säch­lich nur als Ent­füh­rungs­op­fer (ähn­lich Prinzessin Peach in „Su­per Ma­rio Bros.“) eta­blier­te. Teil 2 be­ginnt mit dem tra­gi­schen Tod von Wil­sons Freun­din, die in den Co­mics die wand­lungs­fä­hi­ge Su­per­hel­din Co­py­cat ist. Und das aus­ge­rech­net an ih­rem Jah­res­tag, nach­dem sie Wa­de of­fen­bart hat, dass sie Nach­wuchs er­war­ten. Schuld dar­an ist nie­mand ge­rin­ge­rer als Wa­de selbst, der sich in­zwi­schen als Auf­trags­mör­der ver­dingt, wes­halb ein Über­le­ben­der sei­nes töd­li­chen Schaf­fens zu Be­such kommt und mit ei­ner ver­irr­ten Ku­gel jeg­li­che Freu­de aus Wil­sons Le­ben löscht. Die­ses Trau­ma ist der Motor des ge­sam­ten Films, in dem sich Dead­pool als tra­gi­scher Held er­weist, qua­si als Spie­gel­bild zum An­t­ago­nis­ten Ca­ble (Josh Bro­lin), der in fer­ner Zu­kunft eben­falls sei­ne Fa­mi­lie ver­liert und nun nach Ra­che sinnt. Nach Ra­che ist Wa­de in­zwi­schen nicht mehr zu­mu­te, statt­des­sen zer­fres­sen ihn Selbst­zwei­fel, die ihn in den Sui­zid füh­ren. Doch wie soll sich je­mand selbst um­brin­gen, des­sen Selbst­hei­lungs­kräf­te ihn na­he­zu un­ver­wund­bar ma­chen? Dank Co­los­sus er­hält Dead­pool pro­fes­sio­nel­le Hil­fe in der X-vil­la, wo­bei ihm die X-men neu­en Le­bens­wil­len ge­ben sol­len. Und das tun sie auch, selbst wenn sie es nicht wis­sen: Bei ei­nem Auf­trag lernt Wil­son den jun­gen Fi­re­fist (Ju­li­an Den­ni­son) ken­nen und lan­det ge­mein­sam mit ihm in ei­nem spe­zi­el­len Ge­fäng­nis für Mu­tan­ten.

Kid Apo­ca­lyp­se

Zugleich fliegt Ca­ble zu­rück in die Ver­gan­gen­heit, um den Mör­der sei­ner Fa­mi­lie zur Stre­cke zu brin­gen, noch be­vor die­ser über­haupt zum Kil­ler wer­den kann. Der Na­me sei­nes Ziels lau­tet „Fi­re­fist“. Klar das Dead­pool das nicht zu­las­sen kann. Wäh­rend ih­res ers­ten Auf­ein­an­der­tref­fens sieht er sich des­halb als „Bat­man“, wäh­rend Ca­ble in die­sem Kon­text wohl als Mann aus Stahl be­ti­telt wer­den kann. Über­haupt gibt es vie­le Par­al­le­len zur Film­hand­lung von „Bat­man V Su­per­man“, die klar ma­chen, dass hier zwei „Gu­te Jungs“ge­gen­ein­an­der kämp­fen, je­der mit nach­voll­zieh­ba­ren Mo­ti­ven. Nur ih­re Müt­ter tei­len sich nicht den glei­chen Vor­na­men und die wah­re Be­dro­hung sieht nicht aus, wie ein CGI- Org aus „Der Herr der Rin­ge“. Co­mic-fans wuss­ten na­tür­lich be­reits vor dem Film, das Dead­pool und Ca­ble ei­gent­lich Sei­te an Sei­te kämp­fen, wes­halb die Film-prä­mis­se des Ge­gen­ein­an­ders um­so mehr für Span­nung sorgt. In den Co­mics ist Ca­ble der un­ehe­li­che Sohn von dem X-man Scott Sum­mers, ali­as Cy­clops, und dem Klon sei­ner gro­ßen Lie­be Je­an Grey. Als Nat­han Sum­mers wächst er in zer­rüt­te- ten Ver­hält­nis­sen auf, wird von sei­nem Va­ter ver­las­sen und auf­grund ei­ner Ent­füh­rung von sei­ner Mut­ter Ma­de­ly­ne ge­trennt. Es ist Dr. Essex, der ihn in das omi­nö­se Wai­sen­haus bringt, in dem auch sein Va­ter Scott in jun­gen Jah­ren leb­te. Ge­nau ge­nom­men hör­te Sin­nis­ter, wie sich Dr. Essex ir­gend­wann nann­te, nie da­mit auf, Scott zu be­ob­ach­ten. Er war es schließ­lich, der Je­ans Klon Ma­de­ly­ne er­schuf, da er ei­nen mäch­ti­gen Mu­tan­ten mit Scotts und Je­ans Ge­nen „züch­ten“woll­te. Un­ter Essex’ Wai­sen­haus be­fin­det sich ein ge­hei­mes La­bor, in dem der Wis­sen­schaft­ler ver­bo­te­ne Ex­pe­ri­men­te mit Mu­tan­ten-kin­dern an­stellt. Im Film kommt die­ses „Essex Hou­se for Mu­tant Re­ha­bi­li­ta­ti­on“eben­falls vor, nur in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang. Es ist die un­frei­wil­li­ge Heim­statt des jun­gen Fi­re­fist, bis die­ser es mit

sei­nen Kräf­ten zum Teil in Schutt und Asche legt. Der Grund ist hier ähn­lich wie beim jun­gen Ca­ble im Co­mic, denn auch hier wer­den die Kin­der miss­braucht. Des­halb hegt der Jun­ge ei­nen Groll ge­gen den Lei­ter der In­sti­tu­ti­on und will ihn tö­ten, was ihn zum Mör­der wer­den las­sen und das Schick­sal von Ca­bles Fa­mi­lie be­sie­geln wür­de. Da­her will ihn die­ser mit al­ler Ge­walt da­von ab­hal­ten, in­dem er all sei­ne Fä­hig­kei­ten ein­setzt.

Was in der Zwi­schen­zeit ge­schah

Es heißt ja im­mer, Fort­set­zun­gen wer­den an­ge­kün­digt, so­bald sich ein Film an den Ki­no­kas­sen als loh­nens­wert er­weist. Bei „Dead­pool“war es ein we­nig an­ders. Noch be­vor sich her­aus­stell­te, dass der Strei­fen welt­weit der er­folg­reichs­te R-ra­ted (ähn­lich un­se­res FSK-18)-FILM nach „Ma­trix-re­loa­ded“und „Die Pas­si­on Chris­ti“sein wür­de, gab 20th Cen­tu­ry Fox die Fort­set­zung be­kannt. Dass der Er­folg mit ei­nem in die­ser Ka­te­go­rie im­men­sen Ein­spiel­ergeb­nis von über 783 Mio. Us-dol­lar dann doch der­ma­ßen hoch war, ahn­te bis da­to al­ler­dings nie­mand. Dem­ent­spre­chend stand für die Fort­set­zung ein fast dop­pelt so ho­hes Bud­get wie beim ers­ten Teil zur Ver­fü­gung. Und den­noch gab es Vi­sio­nen, für die das nun 110 Mio. Us-dol­lar schwe­re Bud­get nicht aus­reich­te: Man stel­le sich nur vor, wie der Mas­sen­kampf im Ge­fäng­nis aus­ge­se­hen hät­te, wenn die Kräf­te-un­ter­drü­cken­den „Hals­krau­sen“im­mer wie­der an und aus ge­gan­gen wä­ren – das wä­re ei­ne bun­te­re Schlacht als die Wakan­da-sze­ne in „Aven­gers: In­fi­ni­ty War“ge­wor­den, ei­nem Film, der ein Viel­fa­ches da­von ge­kos­tet ha­ben dürf­te. Da der wei­te­re X-men-film „Dark Phoenix“zeit­gleich in Mon­tre­al ge­dreht wur­de, film­te man die X-men-ver­samm­lungs-sze­ne ein- fach an die­sem Set und schick­te es rü­ber nach Van­cou­ver, wo es in den „Dead­pool 2“-Film ge­schnit­ten wer­den konn­te.

Matt Da­mon …

Auch wenn den Fil­me­ma­chern nun mehr Geld zur Ver­fü­gung stand, so sah es mit der Zeit ganz an­ders aus. Statt der zehn Jah­re, die seit der Ent­wick­lung der Grund­idee bis zur Fer­tig­stel­lung des ers­ten Teils ver­gan­gen sind, blie­ben ih­nen nur knapp zwei Jah­re. Und an­statt den neu­en Film nur ein­fach grö­ßer zu ma­chen, wie es so vie­le Fort­set­zun­gen tun, soll­te er ge­nau­so in­no­va­tiv, frisch und frech sein, wie das Ori­gi­nal. Über die Aus­rich­tung von „Dead­pool 2“wa­ren sich die krea­ti­ven Köp­fe da­hin­ter kei­nes­wegs ei­nig. So er­hielt Ryan Reynolds et­was mehr Ein­fluss auf die Be­set­zung der Rol­len und die ge­ne­rel­le Pro­duk­ti­on, um die­ser um­so mehr sei­nen ei­ge­nen Stem­pel auf­zu­drü­cken. Be­schaut man sich die Mid- Cre­dits-sze­nen, ver­steht man auch, war­um ihm das so wich­tig war und er nicht kom­plett Ab­hän­gig von der Vi­si­on ei­nes Re­gis­seurs sein woll­te. Ge­rüch­te­wei­se soll es be­reits wäh­rend der Post­pro­duk­ti­on des ers­ten Teils so ei­ni­ge Streit­punk­te zwi­schen ihm und dem da­ma­li­gen Re­gis­seur Tim Mil­ler ge­ge­ben ha­ben. Als Mil­ler die Pro­duk­ti­on des zwei­ten Teils schließ­lich im Ok­to­ber 2016 ver­ließ, führ­te die­ser eben­falls krea­ti­ve Dif­fe­ren­zen an, was na­he­legt, dass sich sei­ne Vi­si­on von Reynolds un­ter­schied. Auf den Re­gie­stuhl setz­te sich Da­vid Leitch, der ur­sprüng­li­che St­unt-ko­or­di­na­tor, der bei „John Wick“und „Ato­mic Blon­de“sei­ne Er­fah­run­gen als Re­gis­seur ver­tie­fen konn­te, wäh­rend er seit 2003 als Se­cond Unit Re­gis­seur für Fil­me wie „Nin­ja As­sas­sin“, „The Mecha­nic“und „Wol­veri­ne: Weg des Krie­gers“tä­tig war. Das Skript über­nah­men wie­der die „Zom­bie­land“-au- to­ren Rhett Ree­se und Paul Wer­nick, die dies­mal ver­stärkt Un­ter­stüt­zung von Ryan Reynolds er­hiel­ten, der ins­be­son­de­re an den Dia­lo­gen feil­te. Üb­ri­gens mim­te der 41-jäh­ri­ge Hol­ly­wood-star in die­sem Film nicht nur den Hel­den son­dern auch auch den mas­siv auf­tre­ten­den Jug­gernaut, wes­halb der Kampf zwi­schen den bei­den ein we­nig selbst­ver­liebt er­scheint. Aber nur ein we­nig …

Der Su­per Du­per Cut

Nun er­scheint „Dead­pool 2“am 27. Sep­tem­ber gleich in meh­re­ren Blu-ray-edi­tio­nen, als Me­dia­book, Steel­book, Uhd-blu-ray und Stan­dard-ver­si­on. Sämt­li­chen Ver­sio­nen ist ge­mein, dass sie ne­ben der Ki­no-fas­sung des zwei­ten Films auch noch den „Su­per Du­per Cut“ent­hal­ten. Die­se rund 15 Mi­nu­ten län­ge­re Ver­si­on be­inhal­tet vie­le neue aber auch al­ter­na­ti­ve Sze­nen, die man so nie für mög­lich ge­hal­ten hät­te (kein Scherz!). Bei­spiels­wei­se lässt sich Dead­pool bei ei­nem Selbst­mord­ver­such in al­ler Öf­fent­lich­keit be­ob­ach­ten, de­nen spä­ter wei­te­re krea­ti­ve Sui­zi­de (in­klu­si­ve Eis­bär) fol­gen und auch ei­ner sei­ner ers­ten Auf­trit­te als Auf­trags­kil­ler hält ein paar an­de­re Spitz­fin­dig­kei­ten be­reit. Man sieht un­ter an­de­rem, was Cap­tain Ame­ri­ca auf kei­nen Fall ma­chen wür­de, was Wa­de auf je­den Fall in ei­ner Bi­ker-bar ma­chen wür­de, wie Dead­pool sei­nem Ta­xi­freund Do­pinder gut zu­spricht, wie Rus­sels Schul­all­tag vol­ler Ter­ror ab­läuft, wie sich Fi­re­fist Wa­de an­ver­traut, wie Do­mi­nos Vor­stel­lungs­ge­spräch et­was an­ders ver­läuft, wie Dead­pool gleich­zei­tig an Mel Gib­sons „Bra­ve He­art“und „Le­t­hal We­a­pon“re­fe­riert und wie Dead­pool Ne­ga­so­nics und Yu­ki­os Freund­schafts­an­ge­bot kom­plett falsch deu­tet. Und dies sind nur ein paar we­ni­ge Bei­spie­le, die ei­ne zwei­te Sich­tung des Films durch­aus loh­nens­wert ma­chen.

Ryan Reynolds lieh dem un­auf­halt­sa­men Jug­gernaut sei­ne Stim­me

Josh Bro­lin mau­sert sich zur ech­ten Mar­vel-iko­ne

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