„Bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te muss nach­ge­bes­sert wer­den“

Heuberger Bote - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

Zu­sätz­li­ches Geld soll es auch für Men­schen ge­ben, die we­gen Krank­heit oder ei­ner Be­hin­de­rung vor­zei­tig aus dem Be­rufs­le­ben aus­schei­den müs­sen. Künf­tig wer­den sie laut dem Ge­setz so be­han­delt, als hät­ten sie bis zum je­weils ak­tu­el­len Ren­ten­al­ter ge­ar­bei­tet. Bis­her wur­de dies bei der Be­rech­nung ih­rer Er­werbs­min­de­rungs­ren­te nur bis zum 62. Ge­burts­tag un­ter­stellt.

Zwei Hal­t­el­i­ni­en:

Die Bun­des­re­gie­rung gibt ein dop­pel­tes Ver­spre­chen ab. Ers­tens: Bis 2025 bleibt das Ren­ten­ni­veau kon­stant min­des­tens auf dem heu­ti­gen Stand von 48 Pro­zent. Die­ser Wert gibt das Ver­hält­nis der Ren­te zu den Löh­nen an. Wenn ei­ne Re­gie­rung das Ab­rut­schen die­ser Quo­te ver­hin­dert, hilft sie al­len Emp­fän­gern ei­ner ge­setz­li­chen Ren­te. Zwei­tens: Der Bei­trags­satz soll bis Mit­te des nächs­ten Jahr­zehnts die 20-Pro­zent-Mar­ke nicht über­schrei­ten. Der­zeit liegt er bei 18,6 Pro­zent vom Brut­to­ge­halt. Der Schutz vor ei­nem

- Nach Mei­nung von Verena Ben­te­le, der Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­ban­des VdK, ist die Bun­des­re­gie­rung mit dem ge­plan­ten Ren­ten­pa­ket auf dem rich­ti­gen Weg. Andre­as Her­holz hat mit der ge­bür­ti­gen Lin­daue­rin ge­spro­chen.

Ist das Ren­ten­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung das rich­ti­ge Kon­zept zur Sta­bi­li­sie­rung der Al­ters­si­che­rung?

Aus Sicht des VdK wird an vie­len Stell­schrau­ben in die rich­ti­ge Rich­tung ge­dreht. Wir brau­chen aber lang­fris­ti­ge Lö­sun­gen, die über das Jahr 2025 hin­aus­ge­hen.

Rei­chen die Ver­bes­se­run­gen bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te aus?

Ge­ra­de bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te muss drin­gend nach­ge­bes­sert wer­den. Sie sind über­durch­schnitt­lich häu­fig von Al­ters­ar­mut be­trof­fen. Des­halb müs­sen die ge­plan­ten Ver­bes­se­run­gen bei der Zu­rech­nungs­zeit der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te für al­le Rent­ner, auch die Be­stands­rent­ner gel­ten. Aber auch mit den hö­he­ren Zu­rech­nungs­zei­ten für neue Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten bleibt das Ar­muts­ri­si­ko der Be­trof­fe­nen viel zu hoch, so­lan­ge die un­ge­rech­ten Ab­schlä­ge von 10,8 Pro­zent nicht weg­fal­len.

Fast je­de zwei­te Al­ters­ren­te liegt un­ter 800 Eu­ro. Was tun ge­gen ei­ne wach­sen­de Al­ters­ar­mut?

Wir brau­chen ab 2025 dau­er­haft ein Ren­ten­ni­veau von 50 Pro­zent. Bei ei­nem sin­ken­den Ren­ten­ni­veau sind an­sons­ten im­mer mehr Ar­beit­neh­mer von Al­ters­ar­mut be­droht, auch wenn sie ein Le­ben lang hart ge­ar­bei­tet ha­ben. Und wir brau­chen gu­te Löh­ne, da­mit aus Ein­kom­mens­ar­mut nicht Al­ters­ar­mut wird. Der Min­dest­lohn muss auf über 12 Eu­ro die St­un­de an­ge­ho­ben und pre­kä­re Be­schäf­ti­gung wie Leih­ar­beit und Mi­ni­jobs zu­rück­ge­drängt wer­den. Und wir brau­chen end­lich ei­nen Frei­be­trag für die ge­setz­li­che Ren­te in der Grund­si­che­rung, wie es ihn be­reits in der be­trieb­li­chen und pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge gibt. Zu­dem muss für Men­schen, die nur ge­rin­ge Ren­ten­an­wart­schaf­ten ha­ben, die Ren­te nach Min­des­tent­gelt­punk­ten wie­der ein­ge­führt wer­den. Da­bei wer­den die­se hö­her ge­wer­tet und auch Zei­ten der Ar­beits­lo­sig­keit be­rück­sich­tigt. Da­von pro­fi­tie­ren vor al­lem Frau­en, die vie­le Jah­re we­gen der Kin­der­zie­hung oder Pfle­ge ei­nes An­ge­hö­ri­gen, in Teil­zeit ge­ar­bei­tet ha­ben.

FO­TO: DPA

Verena Ben­te­le

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.