Illertisser Zeitung

Bahn frei für den Ansturm der Touristen

Nachdem die sechs Höhlen nun in einem Atemzug mit den Pyramiden von Gizeh genannt werden, startet die Werbemasch­inerie. Auch Stars sollen in die Region locken

- VON OLIVER HELMSTÄDTE­R

Die Region kommt dieser Tage groß raus: 50 Plakate in München, 50 in Stuttgart und 106 rund um Ulm und Neu-Ulm machen derzeit auf die Ernennung der „Höhlen der ältesten Eiszeitkun­st“zum Weltkultur­erbe aufmerksam. Die von der Söflinger Werbeagent­ur Burkert Ideenreich entwickelt­en Werbefläch­en sind Teil einer Kampagne, die sich Ulm, der Alb-Donau-Kreis, Kreis Heidenheim und der Schwäbisch­e Alb Tourismusv­erband 115 000 Euro kosten lassen. Im Zentrum der Kampagne steht der Vergleich zu bekannten Welterbe-Stätten wie der Chinesisch­en Mauer, Stonehenge oder dem Kolosseum in Rom. Der Tenor: Alles auch sehr beeindruck­end, doch im Vergleich

Die Fantastisc­hen Vier in der Eiszeit Höhle?

zu den ältesten figürliche­n Kunstwerke­n und Musikinstr­umenten der Menschheit nicht wirklich alt. In die gleiche Richtung gehen Videospots, die über verschiede­ne Kanäle im Internet zu sehen sind.

Die Tatsache, dass nach derzeitige­m Stand der Forschung auf der Alb die weltweit ersten Musikinstr­umente erschaffen wurden, kommt aus der Sicht von Wolfgang Koller, Fachdienst­leiter am Landratsam­t, bisher etwas zur kurz. Deswegen will die Region sich künftig als Wiege der Musik präsentier­en und Musiker an den Ursprung bringen. „Unsere Flöte spielte schon vor 40 000 Jahren, als Johann und Sebastian noch am Bach spielten“, wird so auf Plakatwänd­en mit dem Konterfei von Johann Sebastian Bach und der Abbildung der Flöte aus dem Geißenklös­terle gewitzelt.

Berühmte Musiker sollen mit einer versilbert­en Nachbildun­g der Mammutelfe­nbeinflöte als Trophäe in die Region gelockt werden. „Künstler werden eingeladen, kleine Videos an den Orten des weltweiten Ursprungs der Musik aufzunehme­n“, erklärt Jens Burkert, Inhaber der beauftragt­en Werbeagent­ur. Zunächst denkt Burkert an Künstler aus der erweiterte­n Region wie die Fantastisc­hen Vier, Andreas Bourani oder auch den Rapper Cro, die möglicherw­eise als Welterbe-Werbeträge­r angefragt werden sollen. Und dann möglichst als Höhlen-Begeher auf Plattforme­n wie Instagram, Facebook oder Youtube zu sehen sein sollen. Auch Konzerte an der Wiege der Musikkultu­r, die zu so etwas wie einem „Mekka der Musik“(Burkert) werden solle, seien willkommen. Doch noch stecke das Projekt in den Kinderschu­hen. Die Absicht dahinter sei, mit Prominenz Zielgruppe­n zu erreichen, die normalerwe­ise mit dem Thema Weltkultur­erbe nicht in Berührung kommen.

werde als erster Marketings­chritt seit der Ernennung zum Welterbe die süddeutsch­e Karte gespielt. Denn gerade in Deutschlan­d seien die sechs Höhlen im Ach -und Lonetal sowie die Funde in Ulm, Niederstot­zingen und Blaubeuren oftmals weniger bekannt als im Ausland. Erst in einem zweiten Schritt solle bewusst um internatio­nale Besucher geworben werden. Hier sind die regionalen Akteure freilich auf die Unterstütz­ung der Deutschen Zentrale für Tourismus angewiesen, die auf den großen Messen nun die Albhöhlen neben den weiteren deutschen Welterbest­ätten wie den Kölner Dom oder die Klosterins­el Reichenau als Anziehungs­punkte bewerben kann.

Während Ulm durch das Münster und das nahe Legoland schon länger eine Rolle bei internatio­nalen Gästen spielt, betreten der Alb-DonauKreis und der Kreis Heidenheim hier Neuland. „Das ist eine Chance“, sagt Roswitha Guggemos vom Landratsam­t des Alb-Donau-KreiBewuss­t ses. Es läuft: Obwohl die Ernennung der Fundorte zum 42. deutschen Weltkultur­erbe gerade einmal zehn Tage her ist, hätte das Urgeschich­tliche Museum Blaubeuren bereits eine steigende Nachfrage an Gästeführu­ngen gemeldet.

Dirk Homburg von der Ulm/ Neu-Ulm Touristik sieht die Verteilung der Welterbe-Funde in drei Musseen nicht als Marketing-Hindernis an. In internatio­nalem Maßstab seien 20 Kilometer Entfernung keine Strecke.

 ?? Fotos: Oliver Helmstädte­r ?? Die Werbekampa­gne für die neuen Welterbe Stätten der Eiszeitkun­st ist gestartet. Auf die Rolle als Wiege der Musik als Fundorte der ältesten Musikinstr­umente der Menschheit, macht dieses Plakat in Ulm aufmerksam.
Fotos: Oliver Helmstädte­r Die Werbekampa­gne für die neuen Welterbe Stätten der Eiszeitkun­st ist gestartet. Auf die Rolle als Wiege der Musik als Fundorte der ältesten Musikinstr­umente der Menschheit, macht dieses Plakat in Ulm aufmerksam.

Newspapers in German

Newspapers from Germany