Dia­na lehn­te sich ge­gen die Mon­ar­chie auf – und ret­te­te sie Leit­ar­ti­kel

Die Prin­zes­sin stürz­te das bri­ti­sche Kö­nigs­haus in sei­ne tiefs­te Kri­se. Doch die Royals ha­ben aus den Feh­lern der Ver­gan­gen­heit ge­lernt

Illertisser Zeitung - - Meinung & Dialog - Re­dak­ti­on@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Wo wa­ren Sie, als Sie von Dia­nas Tod er­fah­ren ha­ben? Wie der Ter­ror­an­schlag in New York scheint die­ser Tag, an dem die Prin­zes­sin starb, für Mil­lio­nen Men­schen in al­ler Welt, aber ins­be­son­de­re in Groß­bri­tan­ni­en ei­ne Be­zugs­grö­ße in der neue­ren Ge­schich­te zu bil­den. Das ist be­mer­kens­wert vor al­lem des­halb, weil Dia­na we­der ei­ne of­fi­zi­el­le Funk­ti­on in­ne­hat­te noch für po­li­ti­sche Um­wäl­zun­gen ver­ant­wort­lich zeich­ne­te. Nicht ein­mal mehr zur roya­len Fa­mi­lie zähl­te sie nach der Schei­dung von Prinz Charles. Trotz­dem ent­stand ein bei­spiel­lo­ser Kult um je­ne Frau, die zu Leb­zei­ten als Iko­ne ge­fei­ert und nach ih­rem Tod als „Kö­ni­gin der Her­zen“glo­ri­fi­ziert wur­de.

Die vom bri­ti­schen Kö­nigs­haus ver­sto­ße­ne Prin­zes­sin dien­te als Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur, die ei­ner­seits als gla­mou­rö­se Ver­tre­te­rin des Adels und nah­ba­re Wohl­tä­te­rin an­ge­him­melt wur­de und an­de­rer­seits als Ehe­frau und Mut­ter die Freu­den, aber auch das Leid – et­wa be­tro­gen wor­den zu sein – mit Mil­lio­nen Men­schen teil­te.

In­dem sie sich ge­gen das auf Tra­di­tio­nen und Zu­rück­hal­tung be­dach­te Kö­nigs­haus auf­lehn­te, ent­zau­ber­te Dia­na in ge­wis­ser Hin­sicht die roya­le Fa­mi­lie. Ihr Tod brach­te dann so­gar die jahr­hun­der­te­al­te Mon­ar­chie ins Wan­ken. Und sorg­te pa­ra­do­xer­wei­se gleich­zei­tig da­für, dass die Wind­sors heu­te so be­liebt sind wie sel­ten zu­vor.

Denn hin­ter den Pa­last­mau­ern ha­ben sie aus den Feh­lern die­ser schick­sal­haf­ten Wo­che ge­lernt. Als das Volk in Trau­er ver­sank und Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. – als un­nah­bar, steif und ar­ro­gant be­schimpft – die Stim­mung völ­lig falsch in­ter­pre­tier­te und da­mit ih­re Un­ter­ta­nen er­zürn­te. Die Royals fah­ren seit­dem ei­ne mo­der­ni­sier­te PRS­tra­te­gie, die je­ne von Dia­na als Vor­bild ha­ben könn­te. Auf be­hut­sa­me Wei­se ha­ben sie den Ima­ge­scha­den re­pa­riert so­wie den Glanz und Pomp wie­der er­strah­len las­sen, der vom bri­ti­schen Kö­nigs­haus in­sze­niert wird wie von kei­nem an­de­ren der Welt.

Schon lan­ge ha­ben sich die Bri­ten mit der Queen ver­söhnt, die heu­te über den Din­gen steht und mit stoi­scher Ru­he, viel Sym­bo­lik und Dis­zi­plin ih­ren Di­enst am Volk aus­übt. Die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on, ins­be­son­de­re Prinz Wil­li­am und die mo­de­be­wuss­te Ka­te mit ih­ren bei­den sü­ßen Kin­dern, lie­fert zu­dem per­fekt cho­reo­gra­fier­te Auf­trit­te ab, die manch­mal an ein Hoch­glanz­ma­ga­zin in Be­wegt­bil­dern er­in­nern und für Gla­mour sor­gen. Es gibt kei­ne Skan­da­le wie zu Ro­sen­kriegs­zei­ten An­fang der 90er Jah­re, da­für idyl­li­sches Fa­mi­li­en­glück. Dass die bei­den Prin­zen Wil­li­am und Har­ry ins­be­son­de­re in die­sem Jahr im­mer wie­der den schwe­ren Pa­last­vor­hang bei­sei­te ge­scho­ben und Emo­tio­nen ge­zeigt ha­ben, hat der Mar­ke eben­falls ge­hol­fen.

Zu­gäng­lich und in­for­mell soll die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on dar­ge­stellt wer­den. Als Pro­fis wis­sen al­le Royals, wie sie die öf­fent­li­che Mei­nung len­ken kön­nen. Und so ge­noss so­gar Prinz Charles, der stets von Dia­nas Schat­ten ver­folgt wur­de, bis vor kur­zem un­ge­ahn­te Po­pu­la­ri­tät. Doch Dia­nas Geist ist 20 Jah­re nach ih­rem Tod zu­rück. Da sind sie wie­der, die Ge­schich­ten über den Thron­fol­ger als Ehe­bre­cher. Oder die pein­li­chen Auf­nah­men, mit de­nen ihn sei­ne Ex­frau bla­miert. Sei­ne Um­fra­ge­wer­te sind ab­ge­stürzt.

Noch vor vier Jah­ren mein­ten 60 Pro­zent der Bri­ten, dass der Prinz von Wa­les po­si­tiv zur Mon­ar­chie bei­trägt. Die Bri­ten schie­nen Frie­den mit ihm, sei­ner be­weg­ten Ge­schich­te und so­gar mit sei­ner zwei­ten Frau Ca­mil­la ge­schlos­sen zu ha­ben. Doch heu­te, im Er­in­ne­rungs­rei­gen an Dia­na, denkt nur noch knapp ein Drit­tel der Be­völ­ke­rung so. Die Wind­sors kön­nen nur hof­fen, dass nun nicht nur Dia­na wie­der ih­re Ru­he fin­det, son­dern auch die roya­le Fa­mi­lie.

Mit der Queen ha­ben sich die Bri­ten ver­söhnt

Zeich­nung: Ben­gen

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