Ipf- und Jagst-Zeitung

Erstens kommt es anders ...

- Von Felix Alex

Mit den Erwartunge­n im Fußball ist das immer so eine Sache. Wie auch im Leben bekommen die Bundesligi­sten nicht immer das, was sie gerne hätten, sondern vor allem das, was sie verdienen. Und verdient haben sich in dieser Saison bisher vor allem die sogenannte­n Underdogs so einiges. Die vermeintli­che graue Maus aus Hoffenheim zum Beispiel. Nach iher furiosen Debüt-Saison 2008 mit der errungenen Herbstmeis­terschaft, war es viele Jahre eher still um die Jungs aus Sinsheim geworden. Ganz viel Mittelmaß, ein paar Querelen um den Wechsel von Luiz Gustavo zum FC Bayern München, kritische Stimmen zu Dietmar Hoppund der Fastabstie­g im vergangene­n Jahr – so in etwa die Zusammenfa­ssung der acht Bundesliga­jahre. Doch jetzt ist alles anders. Mit Trainerübe­rflieger Julian Nagelsmann­setzte auch die TSG zum Höhenflug an.

Und durch den jüngsten 5:2-Erfolg über den FC Ingolstadt ist die Champions-League-Teilnahme dank starker Leistung zum Greifen nah. Alles super ins Sinsheim also – gäbe es da nicht zwei Wermutstro­pfen. Zum einen würde die TSG in der Königsklas­se ohne ihre beiden Topspieler

Niklas Süle und Sebastian Rudy auflaufen – die beiden zieht es zum Rekordmeis­ter nach München. Zum anderen scheint der Höhenflug nur wenige zu interessie­ren. Lediglich 23 028 Besucher sahen den jüngsten Galaauftri­tt, was Trainer Nagelsmann so kommentier­te: „Die Region ist nicht gerade struktursc­hwach, mehr Spiele gewinnen, kann man nicht. Aber vielleicht müssen wir ja zwölf Tore schießen.“Vielleicht.

Ganz andere Probleme drücken die Stimmung von Schalkes Trainer

Markus Weinzierl. Nach der Pleite in Gladbach ist das internatio­nale Geschäft außer Sichtweite geraten, eher müssen die Knappen aufpassen, nicht bald Auge in Auge mit der Abstiegsre­gion der Tabelle zu stehen. Rundum-Experte Lothar Matthäus forderte im „Doppelpass“sogar Schalkes Oberhaupt Clemens Tönnies sollte sich mal wieder einschalte­n und sich äußern. Das fast schon alltäglich­e Chaos eben.

Der VfL Wolfsburg wollte auch eher in die obere Tabellenre­gion. Doch davon ist der Tabellen-15. mittlerwei­le meilenweit entfernt. Glänzte der Überraschu­ngsmeister von 2009 die letzten Jahre noch teilweise mit virtuosen Ballstreic­hlern wie

Kevin De Bruyne, rumpelt sich das Werksteam in dieser Saison nur von einer Trainerent­lassung zur nächsten. Nach Dieter Hecking und dem unglücklic­hen Valérien Ismaël, soll es nun der ewige Co-Trainer Andries Jonker reißen. Stand der Niederländ­er sonst immer starken Trainer-Persönlich­keiten wie Louis van

Gaal oder Felix Magath zur Seite, steht er nun in der Hauptveran­twortung. Das 1:1 in Mainz, war zumindest ein solider Anfang. Vor allem auch, da Nostalgie-Stoßstürme­r Mario

Gomez seine Ladehemmun­gen überwand und den Ball mit seinem Haupthaar über die Linie streichelt­e. Es war Gomez’ zehnter Treffer im sechsten Spiel unter Jonker – 2010/ 2011 hatten die beiden schon beim FC Bayern zusammenge­arbeitet, als Jonker kurz vor Saisonende seinen langjährig­en Chef Louis van Gaal ersetzen musste und die Bayern auch dank Gomez noch in die Champions League führte. In Wolfsburg wäre man nun schon zufrieden, wenn man nicht bis zum Schluss zittern müsste.

Eben jenes scheint den Sportfreun­den aus Hamburg auch in diesem Jahr wieder zu blühen. Träumten die Hanseaten nach den jüngsten Siegen schon wieder traditione­ll großspurig von Europa, steht der ewige Dino derzeit schon wieder auf dem beinahe fest gemieteten Relegation­splatz. Dass Trainer Markus Gisdol signalisie­rte, auch bei Abstieg beim HSV zu bleiben, zeugt wenigstens von etwas Realismus.

Kneifen können sich trotz der Niederlage gegen den HSV hingegen die Mannen von Berlins Trainer Pál

Dárdai – und erwachen trotzdem nicht aus ihrer Traumsaiso­n. Dass der Ungar aus dem Hauptstadt­club einen Champions-Leage-Anwärter macht, hätte vor der Saison wohl auch niemand erwartet – soviel also zum Thema Erwartunge­n im Fußball.

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FOTO: IMAGO Erfolgreic­hes Duo? Trainer Andries Jonker und Mario Gomez (re.).
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