Feh­ler bei Am­ris Fest­nah­me

Kri­tik an Ver­neh­mung des At­ten­tä­ters in Friedrichshafen

Ipf- und Jagst-Zeitung - - ERSTE SEITE -

(dpa/her) - Die Fest­nah­me des is­la­mis­ti­schen At­ten­tä­ters Anis Am­ri vor sei­nem Ter­ror­an­schlag in Berlin schei­ter­te ei­nem Son­der­er­mitt­ler zu­fol­ge mehr­fach an Feh­lern von Po­li­zei­be­hör­den in Bund und Län­dern. Der Tu­ne­si­er hät­te we­gen di­ver­ser Ver­ge­hen höchst­wahr­schein­lich ver­haf­tet wer­den kön­nen, sag­te Bruno Jost, der vom Ber­li­ner Se­nat ein­ge­setz­te Son­der­er­mitt­ler, am Don­ners­tag. In Josts Ab­schluss­be­richt wird so­wohl die Ber­li­ner Kri­mi­nal­po­li­zei als auch die Po­li­zei in Nord­rhein-West­fa­len und Ba­denWürt­tem­berg hart kri­ti­siert.

Neu sind De­tails, wie je­nes aus Friedrichshafen. Als Am­ri dort am 30. Ju­li 2016 von der Bun­des­po­li­zei bei der ge­plan­ten Aus­rei­se fest­ge­nom­men wur­de, wur­de laut Jost „fast al­les falsch ge­macht, was man falsch ma­chen kann“. Die Ver­neh­mung sei ober­fläch­lich ge­we­sen, auch ha­be die Po­li­zei sein Han­dy nicht be­schlag­nahmt.

- Lan­ge vor dem Ter­ror­an­schlag in Berlin kann­te die Po­li­zei den Tä­ter: Is­la­mist, Dro­gen­händ­ler, Aus­weis­fäl­scher – al­les war er­fasst. Die Fak­ten wur­den we­der kon­se­quent ge­bün­delt, noch wur­de ge­han­delt. Andre­as Her­holz be­frag­te da­zu Ste­phan Har­b­arth (CDU), den stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on im Deut­schen Bun­des­tag.

Son­der­er­mitt­ler Jost wirft den Be­hör­den im Fall Am­ri in sei­nem Ab­schluss­be­richt ekla­tan­te Feh­ler vor. Wie lässt sich die­ses Ver­sa­gen bei Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft er­klä­ren?

An­hand des Be­rich­tes lässt sich im Klei­nen stu­die­ren, was auch be­reits die Un­ter­su­chun­gen in Nord­rheinWest­fa­len und im Bund ge­zeigt ha­ben: Letzt­lich hat sich kei­ne Stel­le ver­ant­wort­lich ge­fühlt. So un­ter­blieb vor al­lem ei­ne Bün­de­lung der zahl­rei­chen Straf­ver­fah­ren ge­gen Anis Am­ri, und die Chan­ce, die­sen Ge­fähr­der früh­zei­tig fest­zu­set­zen, wur­de ver­tan. So et­was darf sich nie wie­der­ho­len.

Ob­ser­vie­rung von Ter­ror­ver­däch­ti­gen nur für kur­ze Zeit und nicht an Sonn- und Fei­er­ta­gen – ist das ein sin­gu­lä­res Fehl­ver­hal­ten der Ber­li­ner Po­li­zei oder an­ge­sichts von Per­so­nal­man­gel die Re­gel?

Dass Am­ri von der Ber­li­ner Po­li­zei nur in der „Ker­nar­beits­zeit“ob­ser­viert wor­den sein soll, ist haar­sträu­bend und wä­re ein un­glaub­li­cher Vor­gang. Mir ist bis­lang kein zwei­ter sol­cher Fall un­ter­ge­kom­men.

Wel­che Kon­se­quen­zen müs­sen jetzt noch ge­zo­gen wer­den, um sol­che An­schlä­ge und Er­mitt­ler­pan­nen zu ver­hin­dern?

Die In­ne­re Si­cher­heit ist zu­nächst Auf­ga­be der Län­der, und dar­an möch­te ich im Grund­satz auch nicht rüt­teln. Der Fall Anis Am­ri hat je­doch in mei­nen Au­gen deut­lich ge­macht, dass un­ser Fö­de­ra­lis­mus bei der Be­kämp­fung des is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus schnell an Gren­zen ge­langt. Wir brau­chen des­halb bei den Ge­fähr­dern ei­ne stär­ke­re Steue­rungs­kom­pe­tenz des Bun­des, kon­kret beim Bun­des­kri­mi­nal­amt und beim Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz. Bei­de Äm­ter müs­sen wir auch wei­ter per­so­nell stär­ken.

FO­TO: CDU

Ste­phan Har­b­arth

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.