Haus­tie­re aufs Ba­by vor­be­rei­ten

Wenn die Kin­der kom­men, sind Tie­re wie Hund und Kat­ze oft schon da. Bei­de kön­nen gu­te Freun­de wer­den. Da­mit es so kommt, müs­sen wer­den­de El­tern aber ei­ni­ges vor­be­rei­ten

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Ber­lin Wo Hund oder Kat­ze mit im Haus­halt le­ben, steht das Tier häu­fig im Mit­tel­punkt. Es wird um­sorgt, ge­pflegt, ge­herzt. Um­so grö­ßer kann der Schock für die Tie­re aus­fal­len, wenn die Hal­ter ein Ba­by be­kom­men. Auf ein­mal ist da ein We­sen, das noch mehr Auf­merk­sam­keit be­nö­tigt – und be­kommt – als sie. Das Tier un­vor­be­rei­tet da­mit zu kon­fron­tie­ren, sei ein gro­ßer Feh­ler, sagt die Heim­tier­ex­per­tin Sa­rah Ross von der Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Vier Pfo­ten. Sechs Tipps für ein har­mo­ni­sches Ver­hält­nis zwi­schen Ba­by und Haus­tier:

Neu­er Ta­ges­ab­lauf Ein Ba­by wir­belt den Ta­ges­ab­lauf durch­ein­an­der. Dar­auf müs­sen Hun­de und Kat­zen vor­be­rei­tet wer­den, er­klärt Ross. So kann bei­spiels­wei­se die Gas­sirun­de et­was sel­te­ner, da­für aber aus­gie­bi­ger aus­fal­len. Oder das Fut­ter wird je­den Tag zu ver­schie­de­nen Zei­ten ge­reicht, da der Schlafrhyth­mus der El­tern in Zu­kunft nicht mehr so re­gel­mä­ßig sein wird.

Ta­bu­zo­nen Ist das Ba­by ein­mal da, gibt es meist Be­rei­che, die für das Tier ta­bu sind: das Kin­der­zim­mer, das Bett oder die Couch. Sol­che Zo­nen eta­bliert man bes­ser schon vor der Ge­burt, dann as­so­zi­iert das Tier das Ver­bot nicht di­rekt mit dem Ba­by. Das Ver­bot kann man nach der An­kunft des Ba­bys ge­ge­be- nen­falls auch wie­der lo­ckern, er­klärt der Hun­de­trai­ner En­ri­co Lom­bar­di von Do­gCoach aus Ber­lin. Dann ver­bin­det das Tier den Frei­raum mit dem Kind.

Für­sor­ge Tie­re ha­ben ein fei­nes Ge­spür für Ve­rän­de­run­gen. Ross zu­fol­ge be­rich­ten Ver­hal­tens­for­scher da­von, dass Hun­de und Kat­zen Schwan­ger­schaf­ten wahr­neh­men: Sie spür­ten Un­ter­schie­de in der Stim­mung, Hal­tung und dem Ver­hal­ten. Ei­ni­ge Hun­de und mit­un­ter auch Kat­zen wer­den so­gar be­son­ders für­sorg­lich ge­gen­über ih­rer Hal­te­rin. „Es wird ver­mehrt an ihr ge­ro­chen und mehr Nä­he ge­sucht als sonst“, so Lom­bar­di.

Wer­den­de Müt­ter soll­ten die­se Zu­nei­gung ru­hig zu­las­sen und das Tier nicht aus Angst zu­rück­wei­sen, emp­fiehlt Ur­su­la Bau­er vom Ver­ein Ak­ti­on Tier. Das könn­te auch zu ei­ner ne­ga­ti­ven Ver­bin­dung zum Kind füh­ren. Die Ge­sund­heit des Tie­res muss na­tür­lich gründ­lich ge­prüft wer­den. Dann spricht aber nichts ge­gen viel Kon­takt mit dem Tier.

Ge­rü­che und Ge­räu­sche „Mit dem Ba­by kom­men frem­de Ge­rü­che und selt­sa­me Ge­räu­sche ins Haus“, sagt Sa­rah Ross. Auf die­se neu­en Rei­ze kann man das Haus­tier vor­be­rei­ten. Das Ab­spie­len von Auf­nah­men ty­pi­scher Ba­by­ge­räu­sche trägt da­zu bei, dass sich die Tie­re nach und nach dar­an ge­wöh­nen. Wenn man die­se Auf­nah­men ab­spielt, wäh­rend das Tier spielt oder ein Le­cker­li be­kommt, ver­bin­det es die Ge­räu­sche mit et­was Schö­nem. Es kann auch sinn­voll sein, sich ab und an mit Ba­by­öl ein­zu­cre­men. Da­durch ge­wöh­nen sich Tie­re an die neu­en Ge­ruchs­ku­lis­sen. Ist das Ba­by ge­bo­ren, aber noch im Kran­ken­haus, kann man auch schon mal Klei­dungs­stü­cke mit nach Hau­se brin­gen und sie dem Haus­tier vor­le­gen.

Haus­tier nicht aus­gren­zen Das Haus­tier re­agiert meist mit Neu­gier auf das Kind. Dies soll­te man zu­las­sen und das Tier auf kei­nen Fall aus­gren­zen, rät Bio­lo­gin Ur­su­la Bau­er. Be­son­ders Hun­de nei­gen zu star­kem Hier­ar­chie­den­ken und soll­ten er­mu­tigt wer­den, das Kind als Teil des Ru­dels zu ak­zep­tie­ren. „Der Hund soll­te je­des In­ter­es­se am Kind po­si­tiv be­stä­tigt, aber auch Ver­hal­tens­re­geln ver­mit­telt be­kom­men“, er­läu­tert Lom­bar­di, der auch Kur­se zum Um­gang mit Ba­by und Hund an­bie­tet. Die Tie­re brau­chen aber auch Rück­zugs­räu­me. „Das Ken­nen­ler­nen muss in ei­nem ru­hi­gen, ent­spann­ten Rah­men statt­fin­den“, sagt Sa­rah Ross. Die Tie­re soll­ten das klei­ne Kind aus nächs­ter Nä­he wahr­neh­men und rie­chen dür­fen. Ei­nen tem­pe­ra­ment­vol­le­ren Hund kann man auch zu­nächst an der Lei­ne hal­ten.

Im­mer ein Au­ge drauf­ha­ben Das Zu­sam­men­le­ben mit Ba­by und Tier kann sehr gut funk­tio­nie­ren – da­rin sind sich die Ex­per­ten ei­nig. Aber: Al­lein las­sen soll­te man die bei­den nie. Das Ba­by könn­te bei­spiels­wei­se aus Neu­gier et­was zu forsch an den Oh­ren des Haus­tie­res zie­hen und bei die­sem da­mit ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Ge­gen­re­ak­ti­on aus­lö­sen, er­klärt Bau­er. El­tern müs­sen des­halb im­mer ein Au­ge auf das Ge­sche­hen ha­ben. Da­vid Schwarz, dpa

Fo­to: Chris­tin Klo­se, dpa

Haus­tie­re und Klein­kin­der kön­nen sich gut ver­ste­hen. Da­mit das ge­lingt, müs­sen die wer­den­den El­tern Hund und Kat­ze gut auf das neue Fa­mi­li­en­mit­glied vor­be­rei­ten. Und die bei­den nie aus den Au­gen las­sen, auch wenn sie gut mit­ein­an­der aus­kom­men.

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