Mi­ni Por­sche im Crash Test

Nor­ma­ler­wei­se wer­den im Tech­nik Zen­trum in Lands­berg Fahr­si­cher­heits­tests mit nor­ma­len Au­tos durch­ge­führt. Jetzt gab es ei­nen be­son­de­ren Crash-Ver­such. Wie er aus­ge­gan­gen ist, bleibt noch ein Ge­heim­nis

Landsberger Tagblatt - - Erste Seite - »Sei­te 22

Im Lands­ber­ger ADAC-Tech­nik­zen­trum wer­den Fahr­si­cher­heits­tests mit nor­ma­len Au­tos durch­ge­führt. Jetzt gab es ei­nen be­son­de­ren Crash-Ver­such.

Nor­ma­ler­wei­se sind es Fa­mi­li­en-Vans, Klein­wa­gen oder Bu­si­ness-Li­mou­si­nen, die im Lands­ber­ger Wes­ten ab­sicht­lich ge­gen die Wand ge­fah­ren wer­den. Nun fand im Tech­nik Zen­trum des ADAC al­ler­dings ein ganz be­son­de­rer Crash­test statt: In Zu­sam­men­ar­beit mit der Com­pu­ter­zeit­schrift c’t ha­ben die Ex­per­ten des ADAC ein Por­sche-Mo­dell der Fir­ma Le­go auf die Test­stre­cke ge­jagt. Wie der oran­ge­far­be­ne Flit­zer den Crash­test über­stan­den hat, dar­über kann je­der im In­ter­net sei­nen Tipp ab­ge­ben. Der wit­zi­ge Crash-Ver­such mit dem Spiel­zeug­au­to hat aber auch ei­nen erns­ten Hin­ter­grund.

2704 Ein­zel­tei­le. 57 Zen­ti­me­ter lang und 25 Zen­ti­me­ter breit. Das Mo­dell des Por­sche GT3 RS ist so­wohl ein Kin­der- als auch ein Män­ner­t­raum. Im Maß­stab 1:8 ver­fügt er über ein de­sign­tes Cock­pit mit Renn­sit­zen, funk­ti­ons­tüch­ti­ges Ge­trie­be, Lenk­rad mit Schalt­wip­pen, de­tail­ge­treu­em Ar­ma­tu­ren­brett und Hand­schuh­fach, in dem sich die ein­ma­li­ge Se­ri­en­num­mer be­fin­det. Der dä­ni­sche Spiel­zeug­her­stel­ler Le­go hat in Zu­sam­men­ar­beit mit dem schwä­bi­schen Edelsport­wa­gen­her­stel­ler ein flot­tes Mo­dell­au­to auf den Markt ge­bracht, des­sen Preis auch recht or­dent­lich ist.

Aber wie ist es um die Si­cher­heit des Mo­dell-Bo­li­den be­stellt? Da ha­ben sich die Jour­na­lis­ten von c’t hil­fe­su­chend an den ADAC ge­wandt. Die Zeit­schrift und die Au­to­ex­per­ten pfle­gen seit Jah­ren ei­nen en­gen Aus­tausch. „Wir ha­ben seit 15 Jah­ren et­wa sehr en­gen Kon­takt, weil Au­tos im­mer elek­tro­ni­scher wer­den“, sagt Ar­nulf Thie­mel. Der Tech­ni­sche Re­dak­teur des ADAC hat den un­ge­wöhn­li­chen Test im Lands­ber­ger Tech­nik Zen­trum be­glei­tet. Der Test sei durch­aus kom­plex ge­we­sen. Wäh­rend die gro­ßen Vor­bil­der und Ver­wand­ten des Por­sche GT3 RS auf der Test­stre­cke auf bis zu 64 St­un­den­ki­lo­me­ter be­schleu­nigt und dann ge­crasht wer­den, stan­den die Ex­per­ten an­fangs vor ei­nem Pro­blem. Rich­ti­ge Au­tos wer­den von ei­nem Zug­schlit­ten be­schleu­nigt und kurz vor dem Auf­prall aus­ge­klinkt.

Aber wie lässt sich das Spiel­zeug­au­to be­schleu­ni­gen und ge­gen ein fes­tes Hin­der­nis steu­ern, oh­ne dass es vor­her aus­bricht? „Das hat na­tür­lich den Ehr­geiz der Kol­le­gen in der Crash-An­la­ge ge­weckt“, sagt Ar­nulf Thie­mel. Die Ex­per­ten rund um Jo­han­nes Heil­mai­er (Chef Leit­stand Crash-An­la­ge) und Vol­ker Sand­ner (Lei­ter Ab­tei­lung Fahr­zeug­si­cher­heit) hat­ten zu­nächst ein Ver­suchs­mo­dell, das die Com­pu­ter-Jour­na­lis­ten in vie­len St­un­den Hand­ar­beit zu­sam­men­ge­baut hat­ten. Die Lö­sung: Ein spe­zi­el­ler Kunst­stoff-Un­ter­bau wur­de un­ter dem Le­go-Por­sche mon­tiert, und schon ließ sich der Flit­zer pro­blem­los vom Zug­schlit­ten auf die Crash-Wand steu­ern. Al­ler­dings war die Ge­schwin­dig­keit zu hoch. „Hät­ten wir uns auf den Maß­stab be­zo­gen, wä­ren acht St­un­den­ki­lo­me­ter her­aus­ge­kom­men – zu lang­sam. Nach ei­ni­gen Vor­ver­su­chen ha­ben wir schließ­lich 46 km/h ge­wählt – ein Zah­len­dre­her der 64 km/h, mit de­nen ech­te Au­tos ge­crasht wer­den“, er­klärt Thie­mel. Mit die­ser Ge­schwin­dig­keit wur­de das Mo­dell­au­to ge­gen die Wand ge­fah­ren. Oder bes­ser ge­sagt, ge­gen ei­ne Wa­ben-Bar­rie­re aus Alu­mi­ni­um – so wie ech­te Au­tos. Und auch an­sons­ten herrsch­ten auf der ADAC-Test­stre­cke Be­din­gun­gen wie bei ei­nem ech­ten Crash-Ver­such. „Es kam fast das gan­ze Ori­gi­nal-Equip­ment zum Ein­satz“, so Thie­mel. Sprich: 400-Ki­lo­watt-Be­leuch­tung, hoch­auf­lö­sen­de Ka­me­ras und so­gar ein – al­ler­dings funk­ti­ons­lo­ser – Mi­ni-Dum­my. „Un­se­re Ka­me­ras kön­nen bis zu 10 000 Bil­der pro Se­kun­de auf­neh­men“, er­klärt Thie­mel. In der Re­gel wer­den pro Se­kun­de nur 1000 Auf­nah­men ge­macht. Sie do­ku­men­tie­ren je­den Se­kun­den­bruch­teil den Ein­schlag und die Fol­gen für die In­sas­sen.

Wel­che In­fos er­war­ten sich die Fach­leu­te nun? „Le­go ist nicht nur Kin­der­spiel­zeug, es gibt auch Tech­nik-Bau­sät­ze für Män­ner. Und wenn Män­ner zu­sam­men­sit­zen, kommt der Spiel­trieb durch“, räumt Ar­nulf Thie­mel ein, be­tont aber auch gleich­zei­tig: „Das war nicht nur ein Gag. Wir kön­nen die­ses Ma­te­ri­al auch ver­wen­den, um das The­ma Ge­fah­ren im Stra­ßen­ver­kehr an­schau­li­cher zu ma­chen. Denn Kin­der glau­ben oft: ’Wenn ich so­fort ste­hen blei­ben kann, kann es das Au­to auch.’“Aber wie hat der Le­go-Por­sche nun im Crash­test ab­ge­schnit­ten? Zer­schellt er in sei­ne 2704 Ein­zel­tei­le? Ex­plo­diert das Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be? Das ist noch streng ge­heim. Bis Mon­tag 10 Uhr kann im In­ter­net ge­tippt wer­den. Dort gibt es auch ein Vi­deo zu se­hen, das al­ler­dings vor dem Auf­prall en­det. Auf den Ge­win­ner der Ab­stim­mung war­tet ein Por­sche GT3 RS. Kein ech­ter, aber der von Le­go. Und der kos­tet auch schon fast 300 Eu­ro . . .

Fo­tos: c’t

Der Por­sche GT3 RS von Le­go ist ein Mo­dell­bau­wa­gen der Su­per­la­ti­ve. Die Ex­per­ten der Com­pu­ter­zeit­schrift c’t ha­ben im Tech­nik Zen­trum des ADAC in Lands­berg ei­nen Crash­test da­mit ver­an­stal­tet.

So­gar ei­ne Mi­ni­ka­me­ra war an Bord des Mo­dell­au­tos, um die Per­spek­ti­ve zu wech seln.

Mi­ni Crash mit Mi­ni Por­sche: Auch der Auf­prall­be­reich war klei­ner.

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