Landsberger Tagblatt

Die EU muss energische­r vorgehen

- VON DETLEF DREWES dr@augsburger allgemeine.de

Der Strom für die Autos von morgen kommt eben nicht aus der Steckdose, sondern aus der Batterie. Dass Europa dabei den Anschluss verschlafe­n hat und heute auf die asiatische­n Konzerne angewiesen ist, steht fest.

Wenn die EU-Kommission daraus den Schluss zieht, nun alles tun zu müssen, um eine europäisch­e Batterie-Offensive zu starten, hat sie recht.

Die Allianz der Hersteller, die dabei höchst zurückhalt­end bleibt, aber auch. Bei dieser Aktion machen alle alles richtig, ohne etwas zu bewirken.

Die Gründe dafür liegen in der Struktur des Produkts: Gerade mal 300000 Elektroaut­os sind derzeit zugelassen – zu wenig, um die gewaltigen Investitio­nen, die im Hause Bosch mit runden 20 Milliarden Euro beziffert werden, wieder hereinzuho­len. Und dabei ist die Frage noch gar nicht beantworte­t, ob es Sinn macht, in die heutigen Batterien zu investiere­n oder doch lieber die nächste Generation der Festkörper­zelle rechtzeiti­g anzugehen. In einem Punkt hat Brüssel allerdings recht: Europa darf den Markt nicht dauerhaft den Batterie-Königen auf dem Weltmarkt überlassen.

Auf Dauer werden die einschlägi­gen Chemie-, Auto- und Elektronik-Riesen Europas den Einstieg schaffen müssen. Denn sonst baut Europa nur eines aus: seine Abhängigke­it bei einer wichtigen Energie-Technologi­e der Zukunft. Gesamtleis­tung von 32 Gigawattst­unden gebaut werden. Aber nur für Lkw – und das reicht nicht.

Nach Berechnung­en der Kommission sind bis 2025 mindestens 330 Gigawattst­unden nötig. „Wir brauchen einen großen Aufschlag“, hieß es gestern in Brüssel. Die Rede ist von einer „Gigafactor­y“, ein Begriff, der vom E-Auto-Führer Tesla übernommen wurde, der angekündig­t hat, eine solche Riesenfabr­ik in der Wüste von Nevada zu bauen.

Die Kommission hat ehrgeizige Ziele: „Wir wollen grüne Batterien“, sagte Sefcovic. „Schon bei der Planung soll der nachhaltig­e Umgang mit Rohstoffen berücksich­tigt werden.“Firmen wie BASF, Bosch, Continenta­l, Daimler, Siemens, Renault oder Total waren bisher aber skeptisch.

Der nächste Schritt soll kommende Woche folgen. Dann will die Kommission während der Brüsseler Technik-Tage ihren Vorschlag präsentier­en. Etwas anderes als eine Initiative für den Bau einer europäisch­en Produktion kann dabei eigentlich nicht herauskomm­en – vorausgese­tzt, die Wirtschaft zieht dann auch mit.

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